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Alphabetisierung mit MigrantInnen: Doppelte Herausforderung oder Chance?

10.03.2009, Text: Elisabeth Bogenreiter-Feigl, VÖV, Redaktion: Barbara Kreilinger, VÖV
Etwa 800 Mio. Menschen weltweit können weder lesen noch schreiben. Betroffene MigrantInnen sind einer doppelten Belastung ausgesetzt.(Grund-/Basisbildung an Öst. Volkshochschulen, Teil 2)
Menschen mit Migrationshintergrund, die weder lesen noch schreiben können, haben es besonders schwer. Sie müssen nicht nur die Landessprache lernen, sie müssen sich auch erst eine gewisse Grundbildung aneignen, um unabhängig und eigenständig leben zu können sowie ihre Situation in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt zu verbessern.

Weltweit wird die Zahl der Menschen, die weder lesen noch schreiben können auf mehr als 800 Millionen geschätzt. Zwei Drittel davon sind Frauen. Etwa 85% leben in nur etwa 30 Ländern weltweit. Menschen in den Industrieländern sind durch eine relativ gut funktionierende Schulpflicht eher von funktionalem Analphabetismus betroffen.

Alphabetisierung ja – aber wie?
Angestrebtes Ideal wäre die Zweisprachigkeit sowie die Schriftkompetenz in Erst-  Zweitsprache/n. Diskutiert wird immer wieder, welche der beiden Varianten, Alphabetisierung in der Mutter- oder Zweitsprache mehr Vorteile hat. Für jede der beiden Optionen spricht eine Reihe von Gründen, die hier nur bruchstückhaft genannt werden können.

Ein wichtiges Argument für die Lese- und Schreibkompetenz in der Muttersprache: Sprechen, Lesen und Schreiben spielen bei der menschlichen Identitätsbildung eine wichtige Rolle. Die Deutsche UNESCO-Kommission (1991:16) formuliert das so: „Lesen und Schreiben in der Muttersprache stärkt die kulturelle Identität und das Bewusstsein für das kulturelle Erbe“.

Für eine Alphabetisierung in der Zweitsprache spricht unter anderem, dass es immer wieder schwierig ist, geeignete muttersprachliche LehrerInnen zu finden,  Unterrichtsmaterialien rar sind, es nicht genügend Teilnehmende für sprachhomogene Gruppen gibt, viele Lernende den Wunsch haben, vor allem in der Zweitsprache lesen und schreiben zu lernen. Sie wollen und müssen ja vor allem in ihrer derzeitigen Lebenssituation in Österreich auf Deutsch kommunizieren.
 
Berufsbezeichnung: KursleiterIn für Alphabetisierungsmaßnahmen mit MigrantInnen?
Die Alphabetisierung mit Erwachsenen – und hier nochmals anders die in der Zweitsprache – hat mit der von Kindern wenig bis nichts gemeinsam.
  • Warum gibt es aber derzeit österreichweit keine entsprechenden Qualitätsstandards?
  • Warum sind nur sehr wenige Unterrichtende entsprechend geschult?
  • Und wieso gibt es kaum good practice Beispiele für gelungene Alphabetisierungskonzepte mit MigrantInnen?


Der Verband Österreichischer Volkshochschulen bietet immer wieder Seminare und Workshops zu diesem Thema an. Volkshochschulen in ganz Österreich sind bemüht, ihre KursleiterInnen nach entsprechenden Kriterien auszuwählen und zu schulen. Seit einigen Jahren bietet die Volkshochschule Ottakring einen einjährigen Lehrgang an - derzeit die einzige umfassende Ausbildung dieser Art in ganz Österreich. Ebenfalls an der VHS Ottakring wurde ein sehr gut funkionierendes Alphabetisierungsmodell entwickelt. Es unterstützt die MigrantInnen gleichzeitig – ihren jeweiligen Kenntnissen entsprechend – bei der Alphabetisierung und beim Sprachenlernen. Und sie erhalten so die Möglichkeit, beide großen Herausforderungen zu meistern und unabhängige, autonome MitbürgerInnen zu werden.

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