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Antisemitismus-Weiterbildung für Geflüchtete und MultiplikatorInnen

28.08.2020, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Integrationsministerin Susanne Raab setzt Maßnahmen gegen Antisemitismus.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, Andy Wenzel/BKA, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at/bka/bundesministerin_raab/20200824_pk/_AND0883.html
    Bundesministerin Susanne Raab bei der Pressekonferenz zu den Angriffen auf die Jüdische Synagoge in Graz.
Nach den Angriffen auf die Jüdische Gemeinde und den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Eli Rosen, will Integrationsministerin Susanne Raab Maßnahmen gegen Antisemitismus setzen. So soll es ab Oktober Antisemitismus-Weiterbildungen für geflüchtete Menschen geben wie auch Weiterbildungen für MultiplikatorInnen.

Verpflichtende Antisemitismus-Weiterbildung für geflüchtete Menschen

Für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte in Österreich sind Integrationskurse verpflichtend. Die Kurse sollen die Menschen u.a. über ihre Rechte und Pflichten in Österreich informieren und Grundwerte der österreichischen Verfassung, wie Gleichberechtigung von Mann und Frau und die demokratischen Prinzipien, vermitteln. Künftig soll im Rahmen der Integrationskurse auch das Thema Antisemitismus behandelt werden, so Bundesministerin Raab in einem Journal auf Ö1 vom 27. August.
In welchem zeitlichen Umfang die Weiterbildung stattfinden wird, steht noch nicht fest. Das Konzept für die Bildungsmaßnahme wird in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde und dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erarbeitet. Beginnen soll die Weiterbildung ab Oktober.

 

Raab begründete den Fokus auf Geflüchtete (bzw. ZuwanderInnen im Allgemeinen) damit, dass es einige Studien gebe, die einen verbreiteten Antisemitismus unter zugewanderten Menschen – insbesondere aus muslimisch geprägten Ländern – belegen. Laut Ö1 bezieht sich Raab z.B. auf einen ÖIF-Forschungsbericht, nach dem 51% der Geflüchteten in Österreich der Meinung sind, dass Juden und Jüdinnen zu viel Macht hätten.

Sensibilisierung für MultiplikatorInnen

Auch Personen, die mit Flüchtlingen arbeiten, wie Deutsch-TrainerInnen oder IntegrationsberaterInnen sollen zum Thema geschult werden. Es gehe darum, eine Sensibilität zu entwickeln, Antisemitismus zu erkennen, so Raab. Außerdem soll eine neue Studie Informationen zu Hintergründen von Antisemitismus unter MigrantInnengruppen liefern.
Laut Standard-Bericht ist zudem ein eigenes Handbuch zu Antisemitismus im Kontext von Migration und Integration geplant, das MultiplikatorInnen zur Verfügung stehen soll.

FlüchtlingsbetreuerInnen sehen Maßnahmen kritisch

Die Antisemitismus-Weiterbildungen nur für ZuwanderInnen bzw. Geflüchtete einzuführen, wird von FlüchtlingsbetreuerInnen auch kritisch gesehen. Erich Fenniger, Geschäftsführer der Volkshilfe, äußerte bspw. auf Ö1 die Sorge, dass man das Problem des Antisemitismus dadurch einer bestimmten Gruppe zuschreibe. Auch Anny Knapp,
Obfrau des Vereins asylkoordination österreich, plädiert dafür, die Schulungen breiter anzulegen, da sonst Vorurteile geschürt würden.

 

Fenninger stützt seine Argumentation auf den Antisemitismus-Bericht 2019. Demnach gibt es 550 antisemitische Vorfälle, von denen 31 einem muslimischen Hintergrund zugeordnet sind. Eine Antisemitismus-Offensive müsse demnach alle Gruppen betreffen, so Fenninger.

 
 
 
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