Emanzipatorische Frauenbildung: "Es gibt noch viel zu tun!"
Kurz vor dem wEBtalk ist die neueste Ausgabe des Magazin erwachsenenbildung.at erschienen, die sich auf die Spuren von Erwachsenenbildung von und für Frauen begibt. Heidi Niederkofler, Co-Herausgeberin der Ausgabe, gibt im wEBtalk einen Einblick in die Beiträge und diskutiert anschließend mit den Frauen am Podium zu drängenden Fragen rund um die Frauenbildungsarbeit.
Bildung für Frauen muss weibliche Lebensrealität im Blick haben
Frauen stehen vor anderen Herausforderungen als Männer. Die Corona-Krise hat das noch einmal deutlich aufgezeigt. So sind Frauen häufig von Mehrfachbelastungen betroffen und viele auch von Mehrfachdiskriminierung. Verena Sperk und Katharina Ortner betonen, dass sich diese Lebensrealität auch in Bildungsangeboten widerspiegeln muss. Frauen aus allen Ländern blickt daher ganzheitlich auf Frauenbildung und bietet zum Beispiel Kinderbetreuung während der Kurse für Frauen mit Migrationshintergrund an.
Feminism is for everybody!
Die Frauen auf dem Podium stimmen überein: Ein zentrales Ziel emanzipatorischer Frauenbildung ist, dass Frauen lernen, ihre individuelle Situation als Produkt und Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu verstehen. Feminismus und feministische Bildung ist daher kein "Frauenproblem", sondern geht die ganze Gesellschaft an. Auch Männer müssten stärker für feministische Anliegen einstehen.
Politisches Handeln ist Ziel emanzipatorischer Bildung
Inspiriert von der "Pädagogik der Unterdrückten" arbeiten der ÖBV und andere emanzipatorische Bildungsinitiativen daran, dass Frauen lernen, gemeinsam gesellschaftliche Problemlagen zu bearbeiten. Katharina Hagenhofer berichtet von der "Bildungsspirale": Am Beginn gewinnen Frauen in der Bildungssituation Abstand von ihrem Alltag und beziehen ihre Situation auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Danach entwickeln sie gemeinsam Perspektiven, stärken einander und schließen sich zusammen, um solidarisch Veränderung zu bewirken.
Feministische Erwachsenenbildung braucht Solidarität
Um emanzipatorische Frauenbildung zu stärken, brauche es auch in der Erwachsenenbildung selbst breite solidarische Bündnisse, betont Lisa Gensluckner mit Verweis auf das Manifest zur kritischen Erwachsenenbildung, das auf der Tagung "The dark side of adult education, Vol. 11" von kritischen ErwachsenenbildnerInnen erstellt wurde. Auch die großen Dachverbände in der Erwachsenenbildung sind aufgefordert, feministische Anliegen zu unterstützen.
Es ist darüber hinaus wichtig, sich vor Augen zu führen, was feministische Initiativen bisher trotz mangelnder Ressourcen und prekärer Finanzierungslage erreichen konnten, so Lisa Gensluckner weiter. Das wirke stärkend und motivierend und könne helfen, Kräfte für solidarisches Handeln in der feministischen Bildung zu mobilisieren. Das gemeinsame Motto: Nicht an den Verhältnissen verzweifeln, sondern gemeinsam gegen sie ankämpfen!
Verwandte Artikel
![]()
Theater als Impuls für Frauenbildung und Verteilungsgerechtigkeit
Mit dem Theaterprojekt „Das KuchenStück“ tourt die Katholische Frauenbewegung durch Erwachsenenbildungseinrichtungen in ganz Österreich und macht soziale Ungleichheiten, die besonders zulasten von Frauen gehen, sichtbar und erlebbar.![]()
Frauen stärken heißt: Lebensräume schaffen
Beteiligungs- und Bildungsangebote, die sich an weiblichen Lebenswelten orientieren, standen im Mittelpunkt des Wettbewerbs ZUKUNFTsGEMEINDE STEIERMARK.![Frauen arbeiten zusammen am Laptop]()
"Mama lernt Deutsch": Gesellschaftliche Teilhabe von Frauen fördern
Das Projekt unterstützt Frauen mit Basisbildungsbedarf und setzt bei der Lebenswelt der Teilnehmenden an.![]()
Wie emanzipatorische Bildung zu mehr Chancengleichheit beitragen kann
Dieser Frage widmet sich ein neu erschienenes Buch, auch aus erwachsenenpädagogischer Perspektive. Es zeigt: Erwachsenenbildung kann Chancengleichheit unterstützen, sie ist aber auch selbst von sozialer Ungleichheit betroffen.![Logo: wEBtalk]()
wEBtalk: Frauenbildung vor den Vorhang
Wie steht es um die Erwachsenenbildung von und für Frauen? Dazu diskutieren wir am 24. Juni 2021 im wEBtalk.![]()
Sichtbarkeit von Frauen in der EB: Noch bis 25. Jänner einreichen
Ausgabe 43 des Magazin erwachsenenbildung.at ist auf der Suche nach Beiträgen, die sich mit der (Un-)Sichtbarkeit von Frauen in der Erwachsenenbildung, den dahinter fungierenden Gründen sowie der Geschichte, die Erwachsenenbildung von und für Frauen durchlaufen hat, beschäftigen. Die Einreichfrist endet am 25. Jänner 2021.





