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"Mama lernt Deutsch": Gesellschaftliche Teilhabe von Frauen fördern

03.08.2022, Text: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Das Projekt unterstützt Frauen mit Basisbildungsbedarf und setzt bei der Lebenswelt der Teilnehmenden an.
  • Frauen arbeiten zusammen am Laptop Foto: Unsplash Lizenz, Christina@wochinhechchat.com, https://unsplash.com
    Eine Evaluation zeigt, dass der niederschwellige Ansatz vielen Frauen den Zugang erleichtert.
Frauen, allen voran Mütter, dabei unterstützen, Deutsch zu lernen, sie in der Kinderbetreuung entlasten und damit gesellschaftliche Partizipation fördern – diese Anliegen verfolgt das Sprachförderprojekt "Mama lernt Deutsch". In Österreich haben Frauen bei verschiedenen Bildungsanbietern, wie z.B. der Station Wien, den Wiener Volkshochschulen oder der Volkshochschule Oberösterreich, die Möglichkeit, Deutschkurse zu besuchen.

Orientierung an der Lebenswelt der Teilnehmenden

Die Kurse richten sich nicht nur auf den Erwerb der deutschen Sprache. Es geht darüber hinaus darum, auch Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben sowie mathematische und digitale Kompetenzen zu fördern. Vor allem die Lebenswelt der Teilnehmenden soll im Zentrum stehen, um sie für den Alltag mit relevanten Kenntnissen zu z.B. Bildungssystem, Familie, Gesundheit, Wohnen, Arbeitsmarkt, und Menschenrechte auszustatten, so der Ansatz des Projekts. Zusätzlich gibt es Ausflüge und Exkursionen, die die Frauen mit ihrer Umgebung, ihrem Bezirk oder ihrer Stadt vertraut machen.

 

Auch der Unterricht findet in einer vertrauten Umgebung statt, wie z.B. in den Einrichtungen, in denen die Frauen untergebracht sind oder in den Bildungseinrichtungen ihrer Kinder. Das soll helfen, die Kommunikation mit den Einrichtungen zu stärken, das Selbstbewusstsein im Umgang mit anderen Menschen zu fördern und soziale bzw. interkulturelle Kompetenzen zu verbessern.

Frei verfügbares Lehr-/Lernmaterial zu Corona, Finanzplanung und Lernorten

Die Wiener Volkshochschulen stellen Unterrichtsmaterialen, die in den Kursen von "Mama lernt Deutsch" zum Einsatz kommen, auf ihrer Homepage zur Verfügung. Ein Arbeitsblatt beschäftigt sich z.B. inhaltlich mit Corona-Schutzmaßnahmen. Dabei geht es darum, Verben anhand aktueller Beispiele zu üben.

 

In einem weiteren Arbeitsblatt finden die Teilnehmenden Rechenbeispiele für z.B. Wocheneinkäufe. Zusätzlich erfahren sie, wie viel die Lebensmittel ca. kosten. Ein weiteres Arbeitsblatt zeigt Bilder von Orten, an denen man lernen kann, wie z.B. im Café oder der Bücherei. Die Übungen sollen neben dem Spracherwerb auch die Motivation zum Lernen und zur Weiterbildung fördern. Ebenfalls in den Lernmaterialien finden sich Übungen, in denen die Teilnehmenden lernen, eine Krankschreibung für die Kinder oder sich selbst zu verfassen.

Evaluation zeigte: Niederschwelligkeit fördert Teilnahme

Eine bereits 2007 durchgeführte Evaluation der Stadt Wien, die mithilfe von Interviews, Gruppendiskussionen, Fragebögen sowie Curricula-Analysen das Projekt unter die Lupe nahm, zeigte, dass "Mama lernt Deutsch" seine Grundziele bereits vielfach erreichen konnte. Die Kurs-Teilnehmenden berichteten z.B., dass die niedrigen Kosten und der niederschwellige Zugang es ihnen erleichtern, die Kurse in ihrem Alltag unterzubringen.

 

Ein weiterer positiv wahrgenommener Faktor ist die Freiwilligkeit. So können die Teilnehmenden ihre Autonomie wahren und eventuell auftretende emotionale Blockaden treten weniger oft auf. Das Projekt zeigt auch, dass Personen mit Migrationshintergrund auch freiwillig bereit sind, Deutschkurse zu besuchen.

Kurse fördern die Motivation zur Weiterbildung

Die Evaluation zeigte weiter, dass die Teilnehmenden rasch Lernfortschritte feststellen können, was ihnen Freude bereitet und sie für weitere Bildungsmaßnahmen motiviert. Nicht nur ein gesteigertes Selbstwertgefühl der Teilnehmenden, sondern auch eine generelle positive Einstellung gegenüber dem Aufenthaltsland konnte das Projekt zudem fördern. Als Besonderheit des Kurses hoben die Teilnehmenden hervor, dass sich durch das bewusste Ansetzen an Alltagssituationen verschiedene soziale Handlungsmöglichkeiten für sie eröffnen.

 

Die Kursleiter*innen gaben an, dass die Organisation der Kurse insbesondere durch die Zusammenarbeit mit den Schuleinrichtungen der Kinder oder Betreuungseinrichtungen der Familien eine große Herausforderung darstellt. Nach der Evaluation waren Weiterentwicklungsmöglichkeiten geplant, wie z.B. ein Internetforum für den Austausch von Trainer*innen und eine Materialsammlung sowie das Angebot von weiterführenden Kursmodulen, die zur Erfüllung von Integrationsvereinbarungen beitragen sollen.

 

Die Kurse sind seit 2012 im Rahmen der "Initiative Erwachsenenbildung" als Basisbildungskurse akkreditiert und werden mit den Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung finanziert.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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