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Wie es in der Erwachsenenbildung nach dem Lockdown weitergeht

23.06.2020, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Erste Präsenz-Veranstaltungen sind angelaufen und die Planung von Bildungsangeboten im Herbst beginnt – jedoch mit Vorsicht und vermehrt digital.
  • Unsplash-Lizenz, Michael Fallon, unsplash.com
    Viele Anbieter blicken mit Vorsicht und einem Plan B in der Tasche in den Herbst.
Wie geht es in den Einrichtungen der Erwachsenenbildung nun nach Ende des Lockdown weiter? Wie bereiten sie sich auf den Herbst und damit das neue Bildungsjahr vor? Wir haben in unserem KorrespondentInnen-Netzwerk nachgefragt und von einigen aufschlussreiche Antworten erhalten.

Mit digitalem Know-How und finanziellen Einbußen aus dem Lockdown

Einige Einrichtungen berichten, dass es durch den Lockdown zu Umsatzeinbrüchen gekommen ist, da durch die Absage von Veranstaltungen TeilnehmerInnen-Gebühren ausgefallen sind. Erich Wagner-Walser, Leiter des Bildungshauses St. Hippolyt und Vorsitzender der ARGE Bildungshäuser berichtet etwa, dass der Lockdown für Service-/Küchen- und Reinigungspersonal im Bildungshaus Kurzarbeit bedeutete. Jene, die in Verwaltung und Bildungsprozessen tätig sind, haben Urlaube abgebaut bzw. waren mit Administration und Planung beschäftigt. "Ein Überstehen der Krise wurde nur durch die Unterstützung von Seiten unseres Trägers Diözese St. Pölten möglich", so Wagner-Walser.

 

Für viele bedeutete der Lockdown auch eine intensive Arbeits- und Lernphase – nämlich dort, wo es darum ging, Bildungsangebote so zu gestalten, dass sie online stattfinden können. "Wir gehen digital gestärkt aus dem Lockdown hervor", berichtet beispielsweise Doris Rottermanner aus dem Kärntner Bildungswerk. Dort habe man während des Lockdown einige Veranstaltung erfolgreich online durchgeführt.

 

Auch bei Basisbildungsangeboten des BhW Niederösterreich gelang es, den Kontakt zu vielen Teilnehmenden aufrecht zu erhalten. "Das kostete viel Zeit und Energie, brachte aber auch jede Menge Erfahrung in Sachen digitaler Kommunikation und Lernbegleitung über räumliche Grenzen hinweg", so Renate Ömer aus dem BhW.

 

Weniger gut eigneten sich digitale Formate hingegen für den Ehrenamtsbereich des BhW, wie Barbara Gruber-Rotheneder beschreibt: "Die Offenheit der freiwilligen BildungswerkleiterInnen, Möglichkeiten der Online-Bildung kennenzulernen war hoch, eigene Online-Veranstaltungen wurden allerdings seltener umgesetzt". Analoge Angebote wie etwa das Verteilen von Flugblättern mit Alltagsimpulsen für ältere Menschen, wurden von den Bildungswerken hingegen sehr gut angenommen, so Gruber-Rotheneder.

Erste Präsenzangebote starten

Am BFI hat man bereits ab 4. Mai entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen schrittweise mit Präsenzveranstaltungen begonnen und ab 2. Juni den Vollbetrieb aufgenommen, berichtet Michaela Schneider vom BFI Österreich.

 

Einige Einrichtungen, darunter auch jene des Forums Katholischer Erwachsenenbildung, haben ihr Angebot mit Juni wieder aufgenommen. Dort sei vor allem im Elternbildungsbereich die Nachfrage nach Veranstaltungen sehr hoch.

 

Insgesamt zeichnet sich ab, dass langsam wieder vermehrt Präsenzveranstaltungen stattfinden, auch wenn dazu unterschiedliche Haltungen wahrnehmbar sind. Die Erwachsenenschulen in Tirol gehen etwa ganz unterschiedlich an die Öffnung heran, berichtet Julia Janovsky vom Tiroler Bildungsforum: "Teilweise werden Veranstaltungen unter den gesetzlichen Vorgaben in kleineren Gruppen oder im Freien durchgeführt. Teilweise wurde alles abgesagt und in den Herbst verlegt". Ähnliches erzählt Barbara Gruber-Rotheneder aus dem BhW NÖ: "Die einen mahnen zur Vorsicht, weil viele unserer TeilnehmerInnen in den Gemeinden zu den Risikogruppen zählen. Die anderen möchten gerne wieder etwas umsetzen."

Nachholen von Kursen oder Herbst-Vorbereitungen im Sommer

In einigen Einrichtungen sind Veranstaltungen für den Sommer abgesagt worden oder es herrscht generell weniger Betrieb. Viele nutzen den Sommer daher, sich auf den Herbst vorzubereiten.

 

In manchen Bereichen finden aber auch im Sommer Veranstaltungen statt, v.a. wenn es darum geht, ausgefallene Kurse auszugleichen, wie zum Beispiel bei den Tiroler Erwachsenenschulen. Auch die Basisbildungskurse des BhW Niederösterreich werden im Sommer weitergehen: "Das soll die Kontinuität im Lernprozess stärken bzw. die Wiederaufnahme des Lernprozesses unterstützen," so Renate Ömer aus dem BhW Niederösterreich. Außerdem sei es für die Abrechnung der Fördermittel ebenfalls notwendig.

 

Die Weiterbildungsakademie wba hofft für die nächste Zeit, dass möglichst bald wieder normaler Seminarbetrieb stattfinden kann, auch wenn sie selbst kein klassischer Bildungsanbieter ist: "Die wba ist stark davon abhängig, dass Seminare angeboten werden, die unsere KandidatInnen besuchen können, wenn Kompetenzen für das Qualifikationsprofil noch nicht erfüllt sind", so Karin Reisinger von der wba.

Vermehrt digital und mit Vorsicht in den Herbst

Welche Hygiene-Maßnahmen im Herbst noch gelten werden und ob es einen zweiten Lockdown geben wird, sind Fragen, die viele gerade im Zusammenhang mit der Herbst-Planung beschäftigt. "Wir hoffen auf den Normalbetrieb, um die Fülle von Anfragen und Veranstaltungen durchführen zu können", berichtet etwa Wagner-Walser vom Bildungshaus St. Hippolyt.

 

Einige berichten auch, dass sie mit einem Plan B in die Herbst-Planung gehen. Sie wollen ihr Angebot "absichern" – für den Fall eines weiteren Lockdown (siehe dazu: Video zur resilienten Angebotsplanung für unsichere Bedingungen).
Die ehrenamtlichen Bildungswerke des BhW Niederösterreich konzipieren beispielsweise einfache und wenig aufwändige Präsenzveranstaltungen in den Gemeinden, die man ggf. leichter wieder absagen oder verschieben kann. Auch gedruckte Bildungsprogramme in hoher Auflage werde es nicht geben, so Gruber-Rotheneder vom BhW Niederösterreich. Dies entspricht auch der Rückmeldung der TeilnehmerInnen am DigiTalk zum Thema "Digitale Lernerträge aus dem Frühjahrs-Lockdown". 74% der TeilnehmerInnen (überwiegend TrainerInnen und BildungsmanagerInnen) gaben an, flexible Angebote für die Herbstplanung zu bevorzugen. 9% setzen laut Umfrage auf Online-Angebote, 18% auf Präsenzangebote.

 

Verstärkt geplant werden außerdem Online- und Blended-Learning Formate. Dass es vermehrt digitale Formate geben wird, berichtet z.B. Karin Schräfl aus dem Forum Katholischer Erwachsenenbildung, auch wenn vorrangig Präsenzangebote bleiben sollen. Auch im Kärntner Bildungswerk überlegt man, Formate zu modifizieren und zusätzlich auch Online-Veranstaltungen anzubieten. Digitale Angebote sollen den persönlichen Austausch aber weiterhin ergänzen und nicht ersetzen, so Doris Rottermanner.

 

Manche Angebote sollen aber in Präsenz bleiben, wie die Basisbildungsangebote im BhW Niederösterreich. "Trotzdem bereiten wir uns auch auf einen möglichen 2. Lock-Down vor", so Renate Ömer.

Das KorrespondentInnen-Netzwerk von erwachsenenbildung.at

erwachsenenbildung.at setzt seit 2007 auf eine Beteiligung der Fachwelt in Form von KorrespondentInnen. Das sind ErwachsenenbildnerInnen aus anerkannten Einrichtungen der Erwachsenenbildung. In der Regel sind dies Einrichtungen der KEBÖ-Verbände oder der vom BMBWF geförderten Projektnetzwerke, die seitens des BMBWF eingeladenen wurden, am Portal mitzuwirken.

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