Kultur der Menschenrechte und politische Erwachsenenbildung
Menschenrechte werden gewöhnlich mit Recht und Ethik verknüpft. In nationalstaatliche Verfassungen und internationale Verträge gegossen, sind sie indes auch für Politik von zentraler Bedeutung.
Inhalte der einzelnen „Generationen“ von Menschenrechten – Grund- und Freiheitsrechte, soziale und kulturelle Rechte, kollektive Rechte – waren und sind jeweils Gegenstand von Debatten. Liberalismus pocht auf den Aspekt der Freiheitsrechte; soziale Aspekte wie Recht auf Arbeit werden als Beitrag des damaligen sozialistischen Blocks angesehen; kulturelle Rechte traten besonders im Kontext der neuen sozialen Bewegungen hervor und sind (zusammen mit Recht auf Entwicklung) in postkolonialen Konzepten enthalten – so auch die Frage, ob die Menschenrechte als Individualrecht aufzufassen sind oder sozialen Gruppen, etwa Minderheiten, kollektiv zukommen sollten.
Tendenz: Menschenrechte werden eingeengt
Wiewohl als Grundrecht verbreitet, stehen die Menschenrechte aktuell einer Tendenz gegenüber, die sie entkräften oder ihren Umfang einengen will. Seit 2015 etwa wurde in vielen europäischen Staaten die Forderung laut, Teile der Menschenrechte, allen voran die Flüchtlingskonventionen, zu „überdenken“ und neu zu verfassen.
In ihrer heutigen Form sind Menschenrechte ein Produkt der Erfahrungen mit dem NS-Regime und dem Zweiten Weltkrieg, dessen Ende sich 2025 zum 80. Mal jährt. Können wir heute bereits von einer durch die breite Bevölkerung geteilten Kultur der Menschenrechte ausgehen? Kann diese eine effektive Brandmauer gegen autoritäre Tendenzen bilden? Wie kann das „Recht auf Frieden“ angesichts der aktuellen Kriegsschauplätze weiter bestehen? Darf Asyl als Menschenrecht aberkannt werden? Welche kulturellen und künstlerischen Projekte zu Menschenrechten werden gerade von der öffentlichen Hand initiiert und gefördert? Gibt es eine städtische „Kultur der Menschenrechte“? Welche Rolle spielt die Menschenrechtsbildung heute als Teil der politischen (Erwachsenen-)Bildung?
Vier Vorträge im Herbst
Die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) setzt ihre seit 2010 stattfindende jährliche Vortragsreihe zur politischen Erwachsenenbildung gemeinsam mit den Kooperationspartnern Depot und Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) auch 2025 fort. In diesen beiden Häusern finden im Herbst 2025 bei freiem Eintritt vier Vorträge zu den oben geschilderten und weiteren Fragen statt.
Menschenrechte: Und die Frauen? – Vortrag am 15. Oktober
Gerade eineinhalb Monate nach den ersten Vorstadtkämpfen in Paris wurden 1789 die Menschenrechte proklamiert. In der Erklärung wurden allerdings nicht nur Grundrechte formuliert, sondern auch soziale Ungleichheiten festgeschrieben. Von den Bürgerrechten ausgeschlossen blieben sowohl die besitzlose Bevölkerung als auch Frauen. Ein historischer Blick auf ihr politisches Engagement und ihren Kampf um Partizipation lässt einen Bogen bis in die Gegenwart spannen.
Der Vortrag „Menschenrechte: Und die Frauen?“ findet am 15. Oktober um 19 Uhr im Depot in Wien statt. Vortragende ist Barbara Litsauer (Politikwissenschafterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖGPB).
Menschenrechte: Orientierung in stürmischen Zeiten – Vortrag am 5. November
Die Menschenrechte stellen ein System fundamentaler Werte und Regeln dar, die ein Leben in Würde aller gewährleisten sollen, gerade auch in Krisenzeiten. Der Vortrag führt in menschenrechtliche Konzepte ein, behandelt aktuelle Debatten, den gegenwärtigen backlash gegen Menschenrechte, zeigt aber auch deren alltägliches Funktionieren sowie wesentliche Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Und zentral: Welche Rolle bei ihrer Umsetzung haben Erwachsenenbildner*innen und – letztlich – wir alle?
Der Vortrag „Menschenrechte: Orientierung in stürmischen Zeiten“ findet am 5. November um 19 Uhr im Depot in Wien statt. Vortragender ist Walter Suntinger (Menschenrechtsberater/ Universitätslektor, Wien).
Menschenrechte: Basis politischer Bildung – Vortrag am 18. November
Menschenrechtsbildung (MRB) ist zentraler Bestandteil politischer Bildung. Sie stärkt Demokratie, Teilhabe und Handlungskompetenz. Der Vortrag zeigt die Entwicklung der MRB anhand internationaler Rahmendokumente und Initiativen. Welche Impulse und Verpflichtungen ergeben sich daraus für nationale Bildungssysteme – etwa in Österreich? Ausgehend vom Dreischritt des Lernens über, durch und für die Menschenrechte werden zentrale Prinzipien vorgestellt. Praxisbeispiele zeigen gelungene Umsetzung in Schule und Erwachsenenbildung und bieten Impulse für die Bildungsarbeit.
Der Vortrag „Menschenrechte: Basis politischer Bildung“ findet am 18. November um 19 Uhr im Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) statt. Vortragende ist Patricia Hladschik (Geschäftsführerin von Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule, Wien)
Menschenrechtsstadt in der Praxis – Vortrag am 3. Dezember
Menschenrechte sind nicht nur ein abstraktes Thema für die UNO oder in den Verfassungen der Staaten. Wie können globale Herausforderungen lokal gelöst werden? Wie werden Menschenrechte lokal verankert? Welche Menschenrechtsprinzipien werden hier integriert? Der Vortrag bietet einen globalen Einblick über die Arbeit der Menschenrechtsstädte und die Möglichkeit, mehr über die Umsetzung der Menschenrechte in Wien zu erfahren.
Der Vortrag „Menschenrechtsstadt in der Praxis“ findet am 3. Dezember um 19 Uhr im Depot in Wien statt. Vortragender ist Shams Asadi (Menschenrechtsbeauftragte der Stadt Wien).
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