Studie „Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung“ veröffentlicht
Ziel der von Ö-Cert geförderten Studie war, konkret zu untersuchen, wie generative künstliche Intelligenz bereits jetzt in den Einrichtungen genutzt wird und welche Strategien sowie Professionalisierungsmaßnahmen dazu entwickelt werden.
Etwa 300 Ö-Cert-Inhaber aus allen 9 Bundesländern
Über 600 Institutionen – alle derzeit von Ö-Cert akkreditierten Bildungsanbieter – wurden eingeladen, an einer Online-Befragung teilzunehmen. Der Rücklauf war enorm, und schließlich konnten über 300 Antworten von Mitarbeitenden aus Leitung, Programmplanung, Management, Lehre, Beratung und Verwaltung ausgewertet werden. Die Rückmeldungen stammten überwiegend von akademisch hoch qualifizierten Personen aus allen österreichischen Bundesländern mit zumeist langjähriger Berufserfahrung in der Erwachsenenbildung.
Die Ergebnisse: Häufige Nutzung von KI für textbezogene Aufgaben…
Die Ergebnisse zeigen eine nahezu flächendeckende Nutzung generativer künstlicher Intelligenz (KI): 95 % der Befragten haben in den letzten drei Jahren entsprechende Tools verwendet, vier Fünftel nutzen sie mindestens wöchentlich, die Hälfte (fast) täglich. KI wird vor allem für text- und informationsbezogene Aufgaben eingesetzt, etwa zum Verfassen, Überarbeiten und Zusammenfassen von Texten, für Brainstorming, Recherche, Übersetzungen, E-Mails sowie zur Erstellung von Präsentationen, Lernmaterialien und teils Grafiken.
… sowie für Marketing und Angebotsentwicklung
Besonders häufig kommt KI in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Angebotsentwicklung zum Einsatz, deutlich seltener in personal- und teilnehmerbezogenen, administrativen oder strategischen Bereichen. Dominierendes Tool ist ChatGPT, ergänzt vor allem durch MS Copilot und Übersetzungsdienste (Google Translate, DeepL).
Großes berufliches Interesse und Bedarf an Weiterbildung
Die Selbsteinschätzung der Kompetenzen fällt überwiegend mittelhoch bis hoch aus, zugleich sieht ein relevanter Anteil der Befragten den eigenen Wissensstand als gering. Das berufliche Interesse an KI ist sehr hoch, das private deutlich verhaltener. Nahezu alle KI-Nutzenden erwarten eine gleichbleibende oder steigende Nutzung in den nächsten ein bis zwei Jahren. Besonders großer Weiterbildungsbedarf besteht bei konkreten, arbeitsfeldbezogenen Einsatzszenarien, rechtlichen Fragen (insbesondere im Hinblick auf den AI Act) sowie ethischen und risikobezogenen Aspekten wie Diskriminierung und Verzerrungen. Ein vertieftes technisches Verständnis der Funktionsweise von KI wird vergleichsweise selten nachgefragt.
Datenschutz- sowie technische und rechtliche Aspekte sind wichtig
Auf organisationaler Ebene zeigt sich, dass Entscheidungen über den KI-Einsatz primär von Datenschutz, Datensicherheit und rechtlichen Rahmenbedingungen geprägt werden. Aspekte wie technische Infrastruktur, Kosten-Nutzen-Abwägung, Ergebnisqualität sowie KI-Kompetenzen der Mitarbeitenden spielen ebenfalls eine Rolle, während strategische Ausrichtungen, ethische Leitlinien oder best-practice-orientierte Konzepte deutlich seltener genannt werden.
Fazit: Weitverbreitet, aber noch wenig systematisiert
Mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, dass es keine einheitlichen Kriterien gibt; vielfach erfolgt der Einsatz fallweise und wenig systematisiert. Der EU-AI-Act ist vielen noch nicht bekannt bzw. entfaltet bisher kaum wahrnehmbare Auswirkungen auf den beruflichen Umgang mit KI. Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass generative KI in der Erwachsenenbildung bereits breit als Arbeitsinstrument verankert ist, der institutionelle Umgang damit aber noch am Anfang steht. Einrichtungen sehen einen hohen Bedarf an Weiterbildungen, kollegialem Austausch, Selbstlernangeboten, klaren Richtlinien sowie technischen und lizenzbezogenen Ressourcen. Für die Erwachsenenbildung ergibt sich die Aufgabe, KI-Nutzung nicht nur individuell pragmatisch zu gestalten, sondern sie etwa in organisationale Strategien oder pädagogisch-ethische Leitlinien einzubetten, um den AI Act zu erfüllen und einen verantwortungsvollen, kompetenten Einsatz von KI nachhaltig zu sichern.
Verwandte Artikel
![]()
Praxisleitfaden: Digitalkompetenz-Trainings wirkungsvoll gestalten
Es ist eine hohe Kunst, Einsteiger*innen beim digitalen Kompetenzerwerb zu begleiten und qualitätsvolle Bildungsangebote für sie umzusetzen. Ein Leitfaden des Institut CONEDU für Trainer*innen und Bildungsmanager*innen unterstützt dabei.![Dieses Bild zeigt eine Person mit orangefarbenen Haaren, die mit einer großen, abstrakten digitalen Spiegelstruktur interagiert. Die Struktur besteht aus Quadraten in verschiedenen Grün-, Orange-, Weiß- und Schwarztönen, die so zusammengesetzt sind, dass sie die Figur der Person widerspiegeln. Die Hand der Figur ist ausgestreckt, als würde sie auf die Spiegelstruktur zeigen oder mit ihr interagieren. Hinter der Struktur befinden sich orangefarbene Ströme aus Binärcode (Nullen und Einsen), die in Richtung des digitalen Gitters fließen. Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)]()
Wie KI die Arbeit in der Erwachsenenbildung verändert
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Weiterbildungserfahrungen von erwachsenen Lernenden und die Berufsprofile von Lehrenden, sondern von allen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind.![]()
Formatentwicklung mit KI: Erasmus+ Projekt entwickelt Lernstrecke
Ziel des Projekts von CONEDU, Qua-LiS NRW und AEWB ist ein kostenloser Selbstlernkurs für Erwachsenenbildner*innen, der zeigt, wie man digitale Lernformate mit KI-Unterstützung entwickelt.![]()
„Dieses Feld ist riesig – und genau das hat mich gepackt“
Die neue Professorin für Erwachsenen- und Weiterbildung in Graz, Doktorin Maria Stimm, über ihren Weg in die Erwachsenenbildung, Wissenschaft als Handlungsfeld und das Ankommen an der Universität Graz.![Universitätsprofessorin Doktorin Maria Stimm am Tisch sitzend.]()
„Das Wissen ist da – aber der Schritt ins Handeln bleibt schwierig“
Univ.-Prof.in Dr.in Maria Stimm (Universität Graz) zur Frage, warum Erwachsenenbildung angesichts von Klimakrise und gesellschaftlicher Transformation von der Vermittlung zur Aneignung kommen muss.![]()
Mein Weg vom Baugewerbe in die Erwachsenenbildung
Heidi Steiner arbeitete lange als Ingenieurin – das Ehrenamt im Salzburger Bildungswerk und in der Gemeinde begleiteten sie zu einem neuen Beruf. Heute ist sie Projektmanagerin für Bildung, Kultur und Erwachsenenbildung.





_Heidelind_Steiner.webp)