"Ihr werdet nie so gebildet sein, wie die im humanistischen Gymnasium"
Der Beitrag von Renate Schwammer ist einer von 17 Beiträgen in der aktuellen Ausgabe des "Magazin erwachsenenbildung.at". Die Ausgabe fragt danach, inwieweit humanistische Bildung ein wichtiger Ansatz oder ein Stolperstein für Nachhaltigkeit und gelebte Demokratie ist und geht den Spannungen und Widersprüchen zwischen Humanismus, Demokratie und Freiheit nach. Dabei beziehen die AutorInnen der Ausgabe Ideen verschiedener DenkerInnen wie Humboldt, Schiller, Arendt oder Spivak ein.
Zweifel und Widerstand einer Erwachsenenbildnerin
Renate Schwammer zweifelt daran, ob Bildung Hass oder Gewalt verhindern oder die Arbeitswelt verbessern kann. Bildung helfe den Menschen nicht, sich besser zu verstehen. Trotzdem regt sich Widerstand in ihr, am Wert der Bildung zu zweifeln: Durch emanzipatorische kritische Bildungsarbeit besteht wenigstens die Chance, die Gesellschaft menschlicher zu machen, schreibt Schwammer in ihrem Beitrag im Magazin erwachsenenbildung.at. Sie sieht dabei auch die Älteren in der Pflicht: "Ich sehe es als Aufgabe von uns Älteren, die Jugend nicht in die Falle des Hasses, der Hoffnungslosigkeit gehen zu lassen."
Humanismus ist kein Patentrezept
Wir leben in einer Zeit, in der es darum geht, dass Lernen nützt und fit für die Arbeit macht. Da kann die Rückbesinnung auf ein humanistisches Bildungsideal, das die Entfaltung der Persönlichkeit zum Ziel hat, Hoffnung auf eine Alternative geben. Oder? Eine eindeutige Antwort lässt Stefan Vater in seinem Beitrag offen, arbeitet aber Kritik und Potentiale des Humanismus heraus. Die Persönlichkeit, die es im Humanismus zu entfalten galt, war in erster Linie eine elitäre und bürgerliche, schreibt er. Sie war nicht für alle zu erreichen, und trotzdem als "Natur" dargestellt. Ein Humanismus, der das Individuum ins Zentrum setzt, kaschiert Ungleichheit und Macht, kritisiert Vater.
Wenn man humanistische Bildung aber nicht individualistisch, sondern kollektiv versteht, könne sie einen anderen Zugang eröffnen und die Einzelnen aus der Oberflächlichkeit holen. Es sei dann vielmehr ein Lernen, das zu Selbstermächtigung führt.
Gesellschaftliche Krisen überwinden
Die sogenannte "Antigonish-Bewegung" war eine soziale Bewegung in Kanada zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie war Reaktion auf eine wirtschaftliche Krise. Ziel der Bewegung war nicht nur, dass die Menschen arbeiteten, sondern dass sie ihre Lebensbedingungen entsprechend ihren Wünschen gestalten konnten. Es ging darum, die Armut der ländlichen Bevölkerung zu überwinden. Die InitiatorInnen der Bewegung entwickelten dazu ein Konzept zur Weiterbildung der Bevölkerung. Zeuner streicht in ihrem Beitrag im Magazin heraus, dass es bei dieser Bildung nicht um individuellen Aufstieg ging, sondern um eine kollektive Verbesserung der Lebensbedingungen. Sie betont, dass Bildung hier weder nur Selbstzweck sein, noch ausschließlich der Optimierung Einzelner dienen muss. Bildung könne Gesellschaften dabei begleiten, Krisen zu bewältigen, bestehende Verhältnisse zu reflektieren und der Kritik zu unterziehen.
Die 39. Ausgabe "Humanismus und Freiheitlichkeit. Stolpersteine am Weg zu einer demokratischen Bildung und nachhaltigen Gesellschaft?" des Magazin erwachsenenbildung.at gibt es kostenlos online und als Druckausgabe zum Selbstkostenpreis.
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