Wissenschaft bei Kaffee: Science Cafés bringen Dialog in Stadt und Land
Wissenschafts- und Demokratievertrauen stärken
Seit der Corona-Pandemie wird über die zunehmende Wissenschafts- und Demokratieskepsis in der österreichischen Gesellschaft diskutiert. Eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus 2023 zeigt: Skepsis entsteht selten aus pauschaler Ablehnung, sondern oft aus mangelnder Vertrautheit mit der wissenschaftlichen Arbeitsweise und deren Alltagsrelevanz. Um das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken, ist eine bessere Wissenschaftskommunikation – basierend auf Dialog und ausgerichtet auf die konkrete Lebenswelt der Bürger:innen – wichtig. Die Erwachsenenbildung kann hierbei einen wertvollen Beitrag leisten.
Das Projekt „Wissenschaft im Dialog – Land schafft Wissen“ von COMMIT setzt genau hier an: Durch persönliche Begegnungen zwischen Wissenschaftler:innen und Bürger:innen in Science Cafés sollen Erwachsene ohne Vorkenntnisse Wissenschaft auf Augenhöhe erleben – in lockerer Café-Atmosphäre, kostenlos und interaktiv. Nach erfolgreichen Pilotveranstaltungen in Wien und Niederösterreich 2025 wird das Format 2026 ausgebaut und an noch mehr Orten angeboten.
Science Cafés: Wissenschaft zum Mitreden
Science Cafés sind niederschwellige und interaktive Formate der Wissenschaftskommunikation. In den maximal zweistündigen Veranstaltungen setzen sich Interessierte spielerisch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinander. Kurze Inputs von Expert:innen geben Anstoß für interaktive Auseinandersetzungen – gemeinsam wird reflektiert, diskutiert und philosophiert. Science Cafés fördern den Dialog zwischen Wissenschaftler:innen und Bürger:innen, der Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden steht im Vordergrund: Teilnehmende bringen ihre Perspektiven ein, stellen ihre Fragen und verbinden wissenschaftliche Themen mit ihrem Alltag.
Science Cafés in der Stadt und am Land
Die Science Cafés werden von COMMIT in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen in sechs Bundesländern umgesetzt – bewusst auch in ländlichen Regionen, wo Wissenschaftskommunikation seltener angeboten wird. Die lokalen Partner:innen passen das Format der Science Cafés an ihre Zielgruppen an und sorgen damit für maximale Zugänglichkeit.
Sozial- und Kulturwissenschaften vor den Vorhang
Wissenschaftsvermittlung findet derzeit überwiegend in Themenfeldern der Naturwissenschaften statt. Daher legen die Science Cafés im Projekt „Wissenschaft im Dialog“ bewusst einen Schwerpunkt auf Themen aus den Sozial- und Kulturwissenschaften, u.a. in den Bereichen Demokratieforschung, Medien- und Kommunikationsforschung. Damit wird neben der Vermittlung konkreter wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und Forschungsmethoden auch Medienkompetenz und kritische Reflexion gefördert, um gesellschaftliche Teilhabe und informierte Entscheidungsfindung zu ermöglichen.
Highlights der Science Cafés 2026: Frauen und KI im Fokus von Forschung
Insgesamt finden jeweils neun Science Cafés pro Halbjahr statt. Bereits geplante Veranstaltungen:
- 14. April 2026, Wien Floridsdorf: Die Kunsthistorikerin Nina Schedlmayr diskutiert im Atelier Kunst in Floridsdorf, wie komplexe Forschungsthemen verständlich vermittelt werden können – am Beispiel ihres Buches „Hitlers queere Künstlerin. Stephanie Hollenstein – Malerin und Soldat“.
- 11. Mai 2026, Freistadt (OÖ): René Böheim (Institut für Volkswirtschaftslehre Linz) untersucht, wie die Erwerbskarriere von Müttern den Gender-Pay-Gap ihrer Kinder prägt.
- 10. Juni 2026, St. Pölten (NÖ): Die Klinische- und Gesundheitspsychologin und Pädagogin Katharina Hotter spricht über „Frauengesundheit ist anders!“ – warum biologische und soziale Unterschiede in der Medizin mehr Beachtung brauchen.
- 15. Juni 2026, Wien Rudolfsheim-Fünfhaus: Der Sprachwissenschaftler und Psychotherapeut Franz Ahamer hinterfragt kritisch, ob KI wirklich ein „Gefährte“ sein kann – oder ob das nur ein Bild ist, das wir nutzen, um etwas Komplexes greifbarer zu machen.
Weitere Termine – etwa zu kritischer KI-Kompetenz mit Stefan Strauß (Österreichische Akademie der Wissenschaften) – folgen in Wien, Oberpullendorf (Burgenland) und Vorarlberg. Alle aktuellen Informationen sind auf der Projektwebseite abrufbar.
„Wissenschaft im Dialog – Land schafft Wissen“ ist ein Projekt von COMMIT in Kooperation mit regionalen Partnerorganisationen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gefördert.

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