Das plant die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs 2020

03.01.2020, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Eine bessere Verankerung und Aufwertung der Erwachsenenbildung und die Umsetzung des Nationalen Qualifikationsrahmens sind Ziele der KEBÖ, erzählt deren Vorsitzender Michael Sturm (BFI Österreich).
In Abstimmung mit dem Bildungsministerium legt die KEBÖ den Fokus 2020 auf die Themen Integration und Digitalisierung.
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Lucia Paar: Welche Aufgaben und Herausforderungen stellen sich nächstes Jahr für die KEBÖ?

Michael Sturm: Die KEBÖ versteht sich als Partnerin des Bildungsministeriums bei der Umsetzung erwachsenenbildungspolitischer Initiativen und Schwerpunkte. Daher wird es 2020 ein zentrales Anliegen sein, mit der Bundesregierung eine Grundlage für künftige Kooperationen zu erarbeiten und diese zu vertiefen. Inhaltlich sollen dazu einerseits das Regierungsprogramm und andererseits das Positionspapier der KEBÖ mit ihrem Selbstverständnis, den Aufgaben und dem Forderungskatalog dienen.

 

Darüber hinaus ist es das Ziel der KEBÖ, die bestehenden Strukturen in der gemeinnützigen Erwachsenenbildung auf Basis des Erwachsenenbildungsförderungsgesetzes abzusichern und weiterzuentwickeln.

Was bedeutet das konkret?

Die inhaltliche und finanzielle Grundlage für die künftige Zusammenarbeit soll in den neuen Leistungsvereinbarungen 2021-2023 zwischen dem Bildungsministerium und den KEBÖ-Verbänden festgelegt werden. Die Verhandlungen werden viel Zeit und Energie beanspruchen, zumal eine Anhebung der Fördermittel angestrebt wird. Eine Anpassung an den Verbraucherpreisindex ist zuletzt im Jahr 2012 erfolgt. Das Hauptmotiv für die 2009 erstmals abgeschlossenen Leistungsvereinbarungen bestand darin, den gesamtösterreichischen Erwachsenenbildungseinrichtungen einen finanziellen Beitrag zu ihren Strukturen und deren Professionalisierung zu gewähren, um damit die Voraussetzung für die kontinuierliche, pädagogisch-planmäßige und flächendeckende Bildungsarbeit mit Erwachsenen zu schaffen. Mit der Zusicherung dreijähriger Strukturförderungen wurde die Planungssicherheit der Verbände - zumindest mittelfristig - erhöht.

Wie sieht der inhaltliche Rahmen für die Leistungsvereinbarungen aus?

Neben der notwendigen Absicherung der Grundstrukturen beinhalten die Leistungsvereinbarungen gemeinsame verbindliche Ziele gemäß den förderungswürdigen Aufgaben und Voraussetzungen des Erwachsenenbildungsförderungsgesetzes sowie verbandsspezifische Ziele je nach Ausrichtung der einzelnen Verbände. Besondere Berücksichtigung fanden immer die jeweiligen Schwerpunktsetzungen des Bildungsministeriums. Zuletzt waren dies die Themen Digitalisierung und Integration, die auch in unmittelbarer Zukunft unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen werden. Zur Bewältigung haben die KEBÖ-Verbände mit ihren Bildungsangeboten bisher schon wesentliche Beiträge geleistet und werden diese in den kommenden Jahren noch verstärken.

Welche thematischen Schwerpunkte wird es 2020 geben?

In Abstimmung mit dem Bildungsministerium wird wieder ein Fokus auf die Themenfelder Integration und Digitalisierung gelegt. Mit Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache und den Deutsch-Integrationskursen leisten die KEBÖ-Verbände schon seit Langem einen wichtigen Beitrag zur Integration. Dieser wird ständig erweitert um vielfältige Angebote zur Basisbildung, zum Nachholen schulischer Abschlüsse und zum Erwerb beruflicher Qualifikationen für den österreichischen Arbeitsmarkt. Auch Modelle zur Kompetenzfeststellung sind dabei im Einsatz. Ergänzend werden Konzepte und Unterlagen für interkulturelles Lehren und Lernen erarbeitet und zur Verfügung gestellt sowie LernbegleiterInnen ausgebildet.

Und Digitalisierung bleibt auch hoch oben auf der Agenda?

Die digitale Transformation, die alle Lebensbereiche erfasst, ist die Herausforderung schlechthin. Die KEBÖ-Verbände sehen es als dringliche Aufgabe, die Menschen beim technologischen Wandel zu unterstützen und ihnen verstärkt Angebote zu offerieren, die geänderten Qualifizierungsanforderungen zu meistern. Besonderes Augenmerk ist auf jene zu richten, die schon im Erwerbsleben stehen und noch über keine grundlegenden digitalen Kompetenzen für Alltag und Beruf verfügen. Daher wird sich die KEBÖ für gezielte Förderprogramme in der Erwachsenenbildung stark machen und sich bemühen, durch niederschwellige Angebote zum Aufbau digitaler Kompetenzen beizutragen und damit die drohende digitale Kluft in der Bevölkerung zu beseitigen. Nicht zuletzt in Hinblick auf die gesellschaftliche Teilhabe ist das der KEBÖ ein besonderes Anliegen.

Wenn Sie von Teilhabe sprechen, ist das als demokratiepolitisches Statement der KEBÖ zu verstehen?

Ja, denn die KEBÖ-Verbände werden einen weiteren thematischen Schwerpunkt auf Bildungsangebote zur Stärkung der Demokratieentwicklung, des sozialen Zusammenhalts und Dialogs zwischen den Generationen, Geschlechtern, Kulturen und Religionen legen. Auch die Förderung kritischer Medienkompetenz wird von uns für wesentlich erachtet und soll als Querschnittmaterie noch stärker als bisher in das Lehr-/Lerngeschehen einfließen.

Der kürzlich erschienene UNESCO-Weltbericht zeigt, dass die öffentliche Hand sich z. B. in Skandinavien in erheblich höherem Maß an der Finanzierung von Erwachsenenbildung beteiligt als hierzulande. Wie gehen Sie damit als KEBÖ um?

Interessenspolitisch wird die KEBÖ für eine bessere Verankerung und Aufwertung der Erwachsenenbildung eintreten. Dazu braucht es aus Sicht der KEBÖ ein klares Bekenntnis des Bundes zur Erwachsenenbildung als unverzichtbarem Bestandteil des Bildungssystems und die Breitschaft zu einer nachhaltigen finanziellen Unterstützung, um qualitativ hochwertige und kostengünstige Bildungsangebote langfristig zur Verfügung stellen zu können.

Welche Aufgaben stellen sich der KEBÖ denn über die nationale Ebene hinaus?

Die KEBÖ-Verbände beteiligen sich seit Österreichs Beitritt zur Europäischen Union sehr rege an den diversen EU-Bildungsprogrammen und sind in zahlreichen trans-nationalen Projektpartnerschaften aktiv. Anfang 2020 endet der letzte offene Call im laufenden Programm Erasmus+ und die Planungen für die neue Periode 2021-2027 sind am Laufen. Das Programm soll inklusiver und leichter zugänglich werden.

 

Eine stärkere Verknüpfung mit EPALE, der E-Plattform für Erwachsenenbildung in der EU, wird angestrebt. Die KEBÖ beabsichtigt, die vielfältigen (Kooperations-)Angebote von EPALE künftig noch intensiver zu nutzen.

In den vergangenen Jahren hatte der Europäische Sozialfonds die Finanzierungsdecke in einigen Bereichen der Erwachsenenbildung de facto verdoppelt. Soll das so bleiben?

Auch für den ESF, das wichtigste Finanzierungsinstrument der EU für Sozialpolitik und Investitionen in Menschen, ist ein neues Operationelles Programm für 2021-2027 zu erstellen. Priorität haben sollen dabei u. a. die Verbesserung der Chancengleichheit und aktiven Teilhabe, die Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit sowie die Förderung des lebensbegleitenden Lernens, insbesondere von flexiblen Möglichkeiten für Weiterbildung und Umschulung für alle unter Berücksichtigung digitaler Kompetenzen. Die KEBÖ wird sich dafür einsetzen, dass es erneut ESF-Mittel für Projekte im Bereich der Erwachsenenbildung geben wird und nationale Mittel zur Kofinanzierung zur Verfügung gestellt werden.

Die KEBÖ ist über die Jahre immer am Qualifikationsrahmen drangeblieben und hat sich bemüht, ihn für den nonformalen Bereich wirksam zu machen. Gibt es da Fortschritte?

Die Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens auf nationaler Ebene wird eine weitere Aufgabe der KEBÖ sein. Nach der erfolgten Ermächtigung der NQR-Servicestellen werden 2020 die ersten nicht formalen Qualifikationen dem Nationalen Qualifikationsrahmen zugeordnet. Die Qualifikationen aus dem Bereich der Erwachsenenbildung werden damit nicht nur transparent abgebildet, sondern auch international vergleichbar. Das soll zur Förderung der beruflichen Mobilität beitragen. Darüber hinaus ist es der KEBÖ ein großes Anliegen, dass nicht formal und informell erworbene Kompetenzen sichtbar gemacht und anerkannt werden. Daher sollte die auf Empfehlung des Europäischen Rates entwickelte Validierungsstrategie rasch und konsequent umgesetzt werden.

Welche Termine sind jetzt schon vorzumerken?

Die KEBÖ ist in erster Linie eine Arbeitsplattform der anerkannten gemeinnützigen Erwachsenenbildungsverbände Österreichs und tritt gemeinsam als Marke selten in Erscheinung. Ein paar Termine bzw. Veranstaltungen können dennoch angekündigt werden:
Der Radiopreis der österreichischen Erwachsenenbildung wird am 21. Jänner 2020 im Radiokulturhaus verliehen.
Das Barcamp der KEBÖ rund um die Digitalisierung in der Erwachsenenbildung lädt zum zweiten Mal unter #ebcamp20 vom 14. bis 15. Mai 2020 am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung zur Beteiligung ein.
Der Fernsehpreis der österreichischen Erwachsenenbildung wird am 23. Juni 2020 in der Wiener Urania verliehen.
Die KEBÖ-Jahrestagung findet am 24. September 2020 in der AK Wien statt. Am Ende der Veranstaltung erfolgt der turnusmäßige Vorsitzwechsel.

 

Dr. Michael Sturm ist Geschäftsführer des BFI Österreich und von 2018 bis 2020 Vorsitzender der KEBÖ, der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs.

 

Das Interview wurde am 17.12.2019 geführt.

Weitere Informationen:
Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

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