Wie KI die Arbeit in der Erwachsenenbildung verändert
Wenn wir über Künstliche Intelligenz und Erwachsenenbildung sprechen, fällt der erste Blick häufig auf das Lernen und Lehren mit und über KI. Doch diese verändert nicht nur den Alltag von denen, die lernen oder unterrichten, sondern die Berufsprofile von allen in der Erwachsenenbildung.
Künstliche Intelligenz beschäftigt die Erwachsenenbildung seit Jahrzehnten
Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung ist im deutschsprachigen wissenschaftlichen Diskurs kein neues Thema. Bereits in den 1980er Jahren finden sich erste Auseinandersetzungen damit; etwa in Heino Apels „Die Grenzen der Computer – über die künstliche Intelligenz und ihre Kritiker“ (1985). In den 90ern beschäftigt sich Werner Sesinks „Menschliche und künstliche Intelligenz. Der kleine Unterschied“ (1993) damit, bevor ab den 2010ern eine breitere Auseinandersetzung mit KI und Lehre begann und ab den 2020ern im wissenschaftlichen Mainstream angekommen war.
Technologisch hat sich in dieser Zeit viel verändert, doch die Fragen, die Pädagog*innen damals und heute beschäftigten, sind sich ähnlich. Personalisierte Lernerfahrungen und die Individualisierung des Lernens sind ebenso weiterhin von Interesse wie die Suche nach Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung.
Neue Publikation über KI in der Erwachsenenbildung
Dieses Jahr beleuchtete die 55. Ausgabe des Magazin erwachsenenbildung.at den Status Quo der Künstlichen Intelligenz in der Erwachsenenbildung aus verschiedenen Perspektiven. „Die Technik ist da. Was wir nun brauchen, sind Räume für Aushandlung, für Widerspruch, für Visionen jenseits des bloß Machbaren. Und für die Erkenntnis, dass nicht alles, was möglich ist, auch sinnvoll ist“, so die Herausgeber*innen Julia Schindler und Matthias Rohs in ihrem Editorial.
KI verändert die Berufsprofile von allen in der Erwachsenenbildung
Für Erwachsenenbildende eröffnet sich durch KI ein großer Fragenraum in Bezug auf ihr berufliches Selbstverständnis und ihre zukünftige Rolle im Lernprozess Erwachsener. Schindler und Rohs stellen in ihrer Einleitung folgende Fragen in den Raum: „Wird die Trainerin künftig ihre knappe Vorbereitungszeit durch einen Chatbot effizienter nutzen können, der die Bedarfe ihrer Teilnehmenden analysiert, didaktische Szenarien vorschlägt und passende Materialien bereitstellt? Oder verliert sie genau dadurch den Kontakt zu den individuellen Lernbiografien, die sie bislang im persönlichen Gespräch erschlossen hat? Und wie verändert sich ihr Selbstverständnis, wenn Feedbacksysteme automatisiert, Lernfortschritte KI gestützt gemessen und Rückmeldungen durch Algorithmen interpretiert werden?“
Die Arbeit von Erwachsenenbildenden verändert sich durch KI, so viel ist sicher. Doch sie hat Einfluss auf alle Personen, die in Organisationen der Erwachsenenbildung tätig sind, nicht nur auf die Lehrenden. Zum Beispiel auf das administrative Personal, Bildungsplaner*innen, Personaler*innen, die für die Weiterbildung der Angestellten verantwortlich sind, und die Geschäftsführer*innen, die all das mitbedenken sollen. KI könnte in Zukunft sogar ganze Prozess- und Organisationsstrukturen, Geschäftsmodelle und das Förderwesen verändern.
Auswirkungen auf die Programmplanung
Wenn eine KI potentiell schnell und datenbasiert Lernbedarfe identifizieren, thematische Trends erkennen und Bildungsformate für alle möglichen Zielgruppen vorschlagen kann, scheint die Arbeit von Bildungsplaner*innen auf den ersten Blick obsolet zu werden. Die Erwachsenenbildner*innen des Institut CONEDU Birgit Aschemann, Miriam Klampferer, Karin Lamprecht und Gunter Schüßler geben in ihrem Beitrag „KI-Kompetenz fundiert vermitteln: Empfehlungen für die Bildungspraxis“ aber zu bedenken, dass in Bezug auf KI verschiedene kognitive Verzerrungen, so genannte „Cognitive Biases“ gibt. Etwa neigen Menschen dazu, die Outputs von KI als besonders präzise oder objektiv einzuschätzen, da ihnen maschinelle Rechenoperationen zugrunde liegen („Automation Bias“). Und das unabhängig davon, ob sie aufgrund unausgewogener Trainingsdaten z.B. bestehende Vorurteile reproduzieren.
Erstellt eine KI zukünftige Bildungsprogramme auf Basis der Daten vergangener erfolgreicher Lehrveranstaltungen, werden Bildungsplaner*innen, die eine kritische Rolle einnehmen, umso wichtiger. Sonst laufen wir Gefahr, das wichtige gesellschaftlich relevante Bildungsangebote aus den Programmplänen verschwinden, weil sie zum Beispiel weniger Profit bringen oder ihr Nutzen schwer quantifizierbar ist. In der Erwachsenenbildung braucht es daher laut Andreas Schreier eine „digital-reflexive Urteilskraft“, die soziale und ethische Aspekte berücksichtigt.
Welche Förderlogiken hat KI?
Projektmanager*innen können Erwachsenenbildungsprojekte bereits mit Hilfe von KI ausarbeiten und mit ihnen Förderanträge formulieren. Das kann Ihnen Zeit sparen, die sie wiederrum in ihre Projekte investieren können. Neben der Effizienz steigt als möglicherweise sogar die Qualität der Projekte bzw. der Lehre, da sich die Verantwortlichen auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können. Anträge auf öffentliche Förderungen müssen speziellen Förderlogiken gerecht werden, um genehmigt zu werden. Eine KI, die diese Logiken bedienen kann, steigert die Wahrscheinlichkeit einer Bewilligung.
Für Schindler und Rohs stellt sich allerdings die Frage, ob dies nun zu einer Steigerung der Effizienz oder eher der Konformität führt. Wenn KI in Zukunft auch die Auswertung der Anträge übernimmt, könnte die menschliche Komponente ganz verschwinden: Projekte von und für KI, sozusagen.
Die zwei Herausgeber*innen sehen die Akteur*innen innerhalb der Erwachsenenbildung gefordert und geben ihnen einige Denkanstöße und erneut Fragen mit: „Die Praxis der Erwachsenenbildung war nie rein funktional – sie ist immer auch eine Frage der Haltung. Der Einsatz von KI in der Erwachsenenbildung fordert uns heraus, unsere Werte weiter zu verhandeln: Was verstehen wir unter guter Bildung? Wer trägt Verantwortung für Lernprozesse – und wer entscheidet darüber, was gelernt wird? Wie sichern wir Teilhabe, Transparenz und Gerechtigkeit in einem System, das sich zunehmend technologisiert?“ Es sind Fragen, die alle in der Erwachsenenbildung tätigen Personen für sich sowie gemeinsam beantworten werden müssen.
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