KEBÖ-Jahrestagung: Frieden lernen – Erwachsenenbildung stärkt Zusammenhalt
Rund 140 Teilnehmende aus Bildung, Politik und Zivilgesellschaft diskutierten Wege zu einer friedensfördernden Bildungspraxis in Zeiten globaler Krisen und wachsender gesellschaftlicher Spannungen.
Bildung als Antwort auf Polarisierung
Der KEBÖ-Vorsitzende Bernd Wachter eröffnete die Tagung mit einem Appell, Bildung als aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verstehen und verwies gleichzeitig auf die Leistungsbilanz der in der KEBÖ vereinten Verbände der gemeinnützigen Erwachsenenbildung. „2024 konnten die 10 in der KEBÖ versammelten Verbände 2,5 Millionen Teilnehmer:innen begrüßen und 171.000 Bildungsveranstaltungen wurden durchgeführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz der Erwachsenenbildung als wesentliche Säule unseres Bildungssystems“, so Wachter.
In ihrer per Video eingespielten Grußbotschaft unterstrich Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner (BMFWF) die Aktualität des Themas und das enorme Engagement der KEBÖ-Verbände und ihrer Mitgliedsorganisationen in allen Regionen Österreichs: Frieden sei mehr als die Abwesenheit von Krieg. Vielmehr bedeute Frieden Respekt, Dialogfähigkeit, Zusammenhalt und auch die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv auszutragen. „Gerade in einer Zeit, in der Polarisierung, Hass und Desinformation unsere Gesellschaft belasten, wird klar: Wir brauchen Bildung, die stärkt, die befähigt und die schützt. Genau hier leisten die Erwachsenenbildner:innen in Österreich einen unverzichtbaren Beitrag“, so Holzleitner. Auch Elmar Pichl, Leiter der Universitätssektion im Ministerium, hob die bildungspolitische Relevanz von Friedenskompetenzen im Rahmen lebenslangen Lernens hervor.
Hubert Petrasch, Vorsitzender des Forums Katholischer Erwachsenenbildung, betonte die historische Entwicklung der KEBÖ und würdigte die kürzlich erfolgte Gründung als Verein: „Diese Struktur gibt der Erwachsenenbildung auf Bundesebene neue rechtliche und strategische Möglichkeiten“, bekräftigte Petrasch in seiner Rede. Gerade angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spaltung sei Friedensbildung laut Petrasch „so notwendig wie ein Bissen Brot“.
„It’s money, stupid!“ – Welzer kritisiert Europas politische Orientierungslosigkeit
Ein inhaltlicher Höhepunkt der Tagung war die Keynote von Prof. Dr. Harald Welzer, Soziologe und Direktor der Stiftung FUTURZWEI. Welzer warnte vor einem moralisch überhöhten, aber politisch handlungsarmen Selbstbild Europas und plädierte für eine realistische, wertebasierte Friedenspolitik. Der Kontinent müsse wieder lernen, sich als aktiver politischer Gestalter zu positionieren. Freiheit und Demokratie seien nur im Frieden zu sichern – und Friedensfähigkeit bedeute auch die Bereitschaft zum Dialog mit autoritären Regimen. In scharfer Kritik am entgrenzten Kapitalismus und politischen Entwicklungen in den USA fasste der Soziologe seine Analyse pointiert zusammen: „It’s money, stupid!“
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Terezija Stoisits (ehemalige Volksanwältin), Nora Tödtling-Musenbichler (Caritas) und Markus Schlagnitweit (ksoe) wurde unter Moderation von Magdalena Modler El-Abdaoui (Leiterin Bildungshaus St. Michael und Haus der Begegnung Innsbruck) die Rolle der Erwachsenenbildung in der Friedensarbeit weiter vertieft.
Praxisbeispiele und Staffelübergabe
Am Nachmittag präsentierten Mitgliedsorganisationen der KEBÖ konkrete Projekte zur Friedensbildung. Organisatorin Martina Bauer, Bildungs- und Projektmanagerin im Forum, betonte: „Friedensbildung geschieht nicht abstrakt, sondern im Alltag – in den Kursen, Begegnungen und Gesprächen vor Ort.“
Den Abschluss der Tagung bildete die Übergabe des KEBÖ-Vorsitzes an den Verband Österreichischer Volkshochschulen (VÖV). Generalsekretär John Evers bedankte sich in seiner Rede bei seinem Vorgänger Bernd Wachter und betonte die Zukunftsaufgabe: „Bernd Wachter hat die KEBÖ nicht nur in einer herausfordernden Zeit hervorragend gesteuert, sondern vor allem auch visionär in eine neue Struktur übergeführt.“
Die kommenden zwei Jahre gelte es dazu zu nutzen, diese neue Struktur in Partnerschaft mit der öffentlichen Hand – vor allem mit dem BMFWF - fest zu etablieren. „Wir brauchen eine neue Kultur der Erwachsenenbildung, eine neue Strategie des lebensbegleitenden Lernens in Österreich. Die KEBÖ kann und wird dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Besonders wichtig ist dabei zu beachten, was Menschen zum Lernen motiviert – zum Beispiel, wenn man jene 1,7 Millionen Erwachsene erreichen möchte, die Probleme bei den Grundkompetenzen haben“, so Evers zur Übernahme des KEBÖ-Vorsitzes.
Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs
Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) ist die Arbeitsplattform der im Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz von 1973 anerkannten Österreichischen Erwachsenenbildungsverbände. Die in der KEBÖ vertretenen zehn Bundes-Verbände sind autonom, nicht gewinnorientiert und leisten österreichweit kontinuierliche und planmäßige Bildungsarbeit. Der KEBÖ-Vorsitz wechselt alle zwei Jahre nach einem Rotationsprinzip zwischen den fünf größten teilnehmenden Verbänden.
Allein 2024 wurden 170.993 Veranstaltungen von der KEBÖ organisiert. Dabei konnten 2.533.305 Teilnahmen gezählt werden.
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