Erwachsenenbildung für nachhaltige Entwicklung: Potenziale und Grenzen
Nachhaltigkeit als zentrale Herausforderung unserer Zeit
„Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr, sondern eine zentrale Orientierungsfrage für unsere Gesellschaft“, betont Klaus Thien, Geschäftsführer des oieb. Nachhaltigkeit ist zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben des 21. Jahrhunderts geworden. Klimawandel, zunehmende globale Ungleichheiten und der Verlust der Biodiversität stellen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor die grundlegende Frage: Wie können Lebensweisen so gestaltet werden, dass die Erde langfristig bewohnbar bleibt?
Die Studie des oieb widmet sich dieser Frage aus der Perspektive der Erwachsenenbildung. Ausgangspunkt ist die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Sustainable Development Goals (SDGs). Die Untersuchung zeigt, dass nachhaltige Entwicklung weit mehr erfordert als technische Innovationen oder einzelne Verhaltensänderungen. Notwendig sei vielmehr ein umfassender Lern- und Veränderungsprozess auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene.
„Nachhaltigkeit lässt sich nicht allein durch technologische Innovationen erreichen“, so Thien. „Es braucht auch neue Formen des Lernens, die Menschen dazu befähigen, komplexe Probleme gemeinsam zu bearbeiten.“
Breite Praxis in Österreich, aber noch wenig strategische Verankerung
Österreich verfügt laut Studie über gute Voraussetzungen für nachhaltige Bildungsarbeit. Zahlreiche Organisationen und Netzwerke, von zivilgesellschaftlichen Initiativen bis zu Bildungseinrichtungen, engagieren sich in Bereichen wie Globalem Lernen, Klimaschutzbildung oder Global Citizenship Education.
Auch in der Erwachsenenbildung gibt es eine große Vielfalt an Angeboten: Workshops zu nachhaltigem Konsum, Repair Cafés, Gemeinschaftsgärten, Exkursionen oder Projekte zu Energie und Biodiversität. Viele Nachhaltigkeitsangebote erreichen jedoch vor allem bereits interessierte und sensibilisierte Personen. Skeptische oder bildungsbenachteiligte Gruppen bleiben dagegen häufig schwer erreichbar.
Besonders erfolgreich seien vor allem niederschwellige und dialogische Formate, die lebensnah, partizipativ und praxisorientiert gestaltet sind.
Klaus Thien dazu: „Viele Angebote funktionieren deshalb so gut, weil sie direkt an den Lebensalltag der Menschen anknüpfen. Wenn Menschen erleben, dass nachhaltiges Handeln praktisch umsetzbar ist, steigt auch die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden.“
Gleichzeitig zeigt eine Befragung von Mitarbeitenden aus Erwachsenenbildungsorganisationen, dass Nachhaltigkeit in vielen Einrichtungen noch nicht systematisch verankert ist. Häufig werde sie projektbezogen behandelt und sei stark von einzelnen engagierten Personen abhängig.
„Es gibt viel Engagement und viele gute Ideen“, so Thien. „Doch oft fehlt eine langfristige Strategie, die Nachhaltigkeit dauerhaft in Programme, Strukturen und Organisationen integriert.“
Bildung als Teil der Lösung
Die Studie zeichnet insgesamt ein differenziertes Bild. Erwachsenenbildung kann wichtige Impulse für nachhaltiges Denken und Handeln geben, stößt jedoch ohne politische und strukturelle Veränderungen an Grenzen. Gerade in Zeiten multipler Krisen könne Erwachsenenbildung dennoch einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Räume für Dialog, Reflexion und gemeinsames Lernen schafft und damit langfristige Transformationsprozesse unterstützt. „Bildung allein wird die Klimakrise nicht lösen“, betont Klaus Thien abschließend. „Aber ohne Bildung wird es kaum gelingen, gesellschaftlich getragene Transformationsprozesse umzusetzen.“.