Zukunft selbstbestimmt gestalten: das Projekt Frauen*Stärken

14.09.2026, Text: Jennifer Friedl, Frauenservice Graz, Redaktion: Sarah-Lisa Winter, bifeb
Wie Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit stärken können, zeigt das Projekt „Frauen*Stärken“ des Frauen*service Graz. Eine App soll dabei unterstützen, Finanzwissen alltagstauglich zu machen und Selbstbestimmung zu fördern.
In den Finanzwerkstätten beschäftigen sich Frauen mit Familienfinanzen, Mental Load und der gerechten Aufteilung von Care-Arbeit.
Foto: Alle Rechte vorbehalten, Frauen*service Graz, auf erwachsenenbildung.at

Finanziell unabhängig zu sein bedeutet mehr, als das eigene Konto im Blick zu haben. Wer weniger verdient, wegen der Kinder beruflich kürzertritt oder einen größeren Teil der unbezahlten Sorgearbeit übernimmt, trifft finanzielle Entscheidungen oft unter anderen Voraussetzungen als der Partner. Genau hier setzt das Projekt „Frauen*Stärken“ des Frauen*service Graz an. Es verbindet Finanzbildung mit einem Thema, das im Alltag häufig unsichtbar bleibt: der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit und Mental Load.

Frauen übernehmen Verantwortung – und tragen die finanziellen Folgen

Im Mittelpunkt stehen praktische Fragen: Wie werden Familienfinanzen aufgeteilt? Wem gehört das gemeinsame Eigentum, wer trägt welche Schulden? Was bedeutet Teilzeitarbeit langfristig für die eigene finanzielle Absicherung und Pension? Und wie lässt sich verhindern, dass die Organisation des Familienalltags dauerhaft an einer Person hängen bleibt? In kostenlosen Finanzwerkstätten und individuellen Beratungen sollen Frauen ihre finanzielle Situation besser verstehen und Entscheidungen mit Blick auf ihren eigenen Lebensweg treffen können.

Der Ansatz kommt nicht von ungefähr. Wie das Frauen*service in seinem Jahresbericht für 2025 festhält, waren nur 14 Prozent der Frauen, die in der Beratungsstelle Unterstützung suchten, vollzeitbeschäftigt. 35 Prozent arbeiteten in Teilzeit, 7 Prozent waren gar nicht erwerbstätig. Gleichzeitig berichteten 41 Prozent von psychischen Belastungen. Die Zahlen machen sichtbar, wie eng wirtschaftliche Abhängigkeit, Arbeitsaufteilung und persönliche Belastung miteinander verbunden sein können.

Aus den Erfahrungen entsteht eine App

Das Angebot richtet sich auch an Frauen, die frühzeitig hinschauen und ihre finanzielle Unabhängigkeit stärken möchten. Neben Workshops und Einzelberatung gehören Peer Groups zum Projekt: In geschützten Gesprächsrunden können Frauen Erfahrungen austauschen, über finanzielle 

Absicherung und Mental Load sprechen und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln.

Bis Herbst 2026 entwickelt das Frauen*service auf Grundlage der Finanzwerkstätten ein kostenloses digitales Tool. Die App soll Frauen mit kurzen Impulsen und Reflexionsanregungen dabei unterstützen, wirtschaftliche Entscheidungen langfristiger zu betrachten – vom Wiedereinstieg in den Beruf über die Pensionsvorsorge bis zur finanziellen Absicherung nach einer Trennung.

Die zentrale Botschaft ist dabei alltagsnah: Finanzielle Sicherheit entsteht nicht erst kurz vor der Pension und auch nicht erst dann, wenn eine Beziehung zerbricht. Sie beginnt viel früher – bei der Frage, wer über Geld entscheidet, wer wie viel arbeitet und wer welche Verantwortung für den gemeinsamen Alltag übernimmt. „Frauen*Stärken“ macht diese Zusammenhänge sichtbar und will Frauen dabei unterstützen, bei wichtigen Entscheidungen nicht nur mitzudenken, sondern selbstbestimmt mitzuentscheiden.

Aktuelle Studien machen Handlungsbedarf sichtbar

Dass finanzielle Unabhängigkeit für Frauen eine langfristige Frage ist, zeigen auch aktuelle Daten. Laut OECD erhalten Frauen im Durchschnitt rund 23 Prozent weniger Pension als Männer – in Österreich beträgt der Gender Pension Gap sogar fast 40 Prozent. Gleichzeitig liegt der Gender Pay Gap in Österreich bei 17,6 Prozent. Die OECD weist darauf hin, dass sich Unterschiede bei Erwerbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit über den Lebensverlauf aufsummieren und damit auch die finanzielle Absicherung im Alter beeinflussen.

Finanzbildung allein kann diese strukturellen Unterschiede zwar nicht beseitigen. Sie kann Frauen aber dabei unterstützen, die eigenen finanziellen Möglichkeiten besser einzuschätzen, langfristige Folgen von Entscheidungen zu erkennen und die eigene finanzielle Absicherung aktiv mitzugestalten.

Das Projekt „Frauen*Stärken“ wird finanziert vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung

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