erwachsenenbildung.at: Abschied und Übergang
Nach über zwanzig Jahren geht die Zuständigkeit des Institut CONEDU für https://erwachsenenbildung.at zu Ende. Mit 1. Jänner 2026 wird die bis dato hier angesiedelte Redaktion auf Beschluss des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) an das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) übergehen. Das Portal selbst bleibt bestehen und wird weitergeführt - in neuer organisatorischer Verantwortung.
Ich habe erwachsenenbildung.at ab Sommer 2004 mit aufgebaut und über zwei Jahrzehnte dessen Redaktionsbetrieb geleitet. Dieser Beitrag ist daher zugleich Information, Rückblick und persönlicher Abschied.
Ein Fachmedium als Professionalisierungsstruktur der Erwachsenenbildung
Auf Initiative der Abt. Erwachsenenbildung des damaligen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst ist erwachsenenbildung.at 2005 als ambitioniertes Portal online gegangen - in einer Phase, in der Fachmedien der Erwachsenenbildung in der Regel noch gedruckt wurden, und Weiterbildungen in vor Ort-Präsenz stattfanden. Ziel war von Beginn an, ein überinstitutionelles Fachmedium zu schaffen: unabhängig, qualitätsvoll, offen zugänglich und getragen von einer klaren öffentlichen Verantwortung. Diese Rolle wurde bereits früh auch vom Ministerium gewürdigt, etwa im Rückblick auf die ersten 10 Jahre.
Mit dem Magazin erwachsenenbildung.at, das ab 2007 als eigene Rubrik des Portals erschien, wurde diese Idee weitergeführt und vertieft. Als Open-Access-Fachjournal hat das reichweitenstarke Magazin seither Diskursräume eröffnet, Perspektiven zusammengeführt und Themen der Erwachsenenbildung sichtbar gemacht - jenseits kurzfristiger Trends und inhaltlich verantwortet von einem interdisziplinär besetzen Fachbeirat. Ein Rückblick auf 50 Ausgaben des Magazins aus dem Jahr 2024 dokumentiert diese Entwicklung.
Meilensteine und Weiterentwicklungen
Über die Jahre sind zahlreiche Entwicklungen hinzugekommen: der Aufbau eines bundesweiten Korrespondent*innennetzwerks, neue redaktionelle Formate wie Dossiers, stark nachgefragte Datenbanken über Kursförderungen und Bildungsberatungsangebote, internationale Kooperationen und - ab 2017 - gezielte Expertisen und Weiterbildungen im Sinne des digitalen Kompetenzausbaus.
Mit dem am Portal angesiedelten Kompetenzzentrum für digitale Professionalisierung in der Erwachsenenbildung wurde unter Leitung von Birgit Aschemann ein zusätzlicher Schwerpunkt gesetzt, der über das Publizieren hinausging. Innovative Weiterbildungsformate wie der preisgekrönte EBmooc, Webinare mit bis zu hunderten Teilnehmenden und umfangreiches didaktisch-methodisches Begleitmaterial unterstützten seither zehntausende Erwachsenenbildner*innen dabei, digitale Kompetenzen für ihre Praxis zu entwickeln. All dies im offenen Format der OER – Open Educational Resources.
Diese Innovationen stehen exemplarisch für einen redaktionellen und andragogischen Anspruch, der immer auch die Entwicklung des Feldes im Blick hatte.
Dank an das Bundesministerium, die Community - und das Team
erwachsenenbildung.at war und ist ein öffentlich beauftragtes Medium, das wir bei CONEDU in einem Public-Private-Partnership mit öffentlicher Förderung entwickeln und betreiben durften. Mein besonderer Dank gilt der Abteilung Erwachsenenbildung im BMFWF für das jahrzehntelange Vertrauen in die redaktionelle Arbeit und die klare institutionelle Rahmung. Die ministeriell abgesicherte Unabhängigkeit der Redaktion und der Gestaltungsraum des Kompetenzzentrums waren keine Selbstverständlichkeit - sie waren die Voraussetzung für Qualität, Vielfalt und Glaubwürdigkeit.
Ein Fachmedium lebt zugleich von den Menschen, die es mitgestalten. Über die Jahre waren dutzende Korrespondent*innen für das Portal tätig, ebenfalls dutzende Referent*innen in den Webinaren und Onlinekursen, und viele hundert Autorinnen und Autoren haben ihr akademisches und praxiserprobtes Wissen zu Magazinen und Dossiers beigetragen. Zahlreiche Rückmeldungen und Würdigungen aus dem Feld zeigen, dass erwachsenenbildung.at als gemeinsames Projekt einer Fachcommunity wahrgenommen wurde.
Redaktionelle Qualität und wirksame Weiterbildungen sind das Ergebnis gemeinsamer professioneller Arbeit. Mein besonderer Dank gilt daher jenen Mitarbeiterinnen und Partner*innen, die das Portal von Beginn an mit aufgebaut und getragen haben: Bianca Friesenbichler als Redakteurin der ersten Stunde, Birgit Aschemann als Leiterin des Kompetenzzentrums für digitale Professionalisierung, Reinhard Posch von der Webagentur wukonig.com für die Online-Umsetzung sowie Laura Rosinger für das fachliche Lektorat des Magazin – um nur einige zu nennen.
Übergang zum bifeb und Ausblick
Das bifeb war anfangs Projektträger, dann über viele Jahre hinweg Kooperationspartner, Mit-Herausgeber des Magazins und als verbindender Akteur im Kooperativen System der Erwachsenenbildung ein Schlüssel zur Breitenwirkung. Vor diesem Hintergrund verbinde ich mit dem Übergang der Redaktion an das bifeb die Zuversicht auf Kontinuität, neue Impulse und eine gute Weiterentwicklung des Portals unter dem Dach des Bundesinstituts.
CONEDU wird die redaktionelle Verantwortung abgeben, bleibt der Erwachsenenbildung aber weiterhin verbunden – mit der Entwicklung und Umsetzung von Innovationsprojekten, und mit bedarfsgerechten Onlineweiterbildungen an den Knotenpunkten von Bildung, Digitaler Transformation und Künstlicher Intelligenz.
Gemeinsam mit meinem Team wünsche ich dem bifeb und dem Portal für die kommende Phase alles Gute, und ein geneigtes Publikum.
Ich bedanke mich bei den Nutzer*innen von erwachsenenbildung.at für ihr Interesse, ihre Rückmeldungen und ihre kritische Begleitung über all die Jahre. erwachsenenbildung.at war für uns nie nur ein Medium, sondern ein gemeinsamer Lern- und Denkraum.
Bleiben wir gerne in diesem Sinne in Kontakt.
--
Wilfried Frei (geb. Hackl) ist Obmann, Geschäftsführer und Institutsleiter von CONEDU und Inhaber der Unternehmensberatung Mag. Wilfried Frei, in der die redaktionelle Entwicklung 2004 begann.
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