Freie Ressourcen und Medien für die barrierefreie Kommunikation
Barrierefreie Kommunikation ist – neben dem Schaffen von räumlich und technisch barrierefreien Bildungsorten – ein wesentlicher Bestandteil davon, Angebote der Erwachsenenbildung für alle zugänglich zu machen. Die Einfache Sprache und die Leichte Sprache können Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Personen mit geringen Lesekompetenzen beim Verstehen von Lerninhalten unterstützen.
Verständlichkeit ist nur ein Aspekt von vielen
Die barrierefreie Kommunikation ist ein Unterfangen, dass unterschiedliche Aspekte und die Bedürfnisse verschiedenster Zielgruppen berücksichtigen muss. Zur Kommunikation gehören laut der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): „Sprachen, Textdarstellung, Brailleschrift, taktile Kommunikation, Großdruck, barrierefreies Multimedia sowie schriftliche, auditive, in einfache Sprache übersetzte, durch Vorlesende zugänglich gemachte sowie ergänzende und alternative Formen, Mittel und Formate der Kommunikation, einschließlich barrierefreier Informations- und Kommunikationstechnologie.“
Die Definition der UN-BRK deckt also ein breites Spektrum an Aufnahmemöglichkeiten von Kommunikation ab. So sind Brailleschrift oder Screenreader für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und gedolmetschte Inhalte oder Untertitel in Videos für hörbeeinträchtigte Personen an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppen ausgerichtet. Auf der Inhaltsebene steht mit der leicht verständlichen Sprache eine weitere Möglichkeit zur Verfügung, barrierefreier zu kommunizieren.
Leicht verständliche Sprache
Die Leichte Sprache und Einfache Sprache gehören beide zur leicht verständlichen Sprache, richten sich allerdings an verschiedene Zielgruppen und folgen anderen Regeln.
Die Leichte Sprache wurde speziell für Menschen mit Behinderung und Lernschwierigkeiten entwickelt und befindet sich im europäischen Referenzrahmen für Sprachen auf dem Niveau A1 oder A2. Für sie gibt es klare Regeln in Bezug auf Inhalt, Satzlänge, Formatierung und Rechtschreibung sowie Empfehlungen zur Textgestaltung mit Bildern.
- Die Regeln für Leichte Sprache vom Netzwerk Leichte Sprache (PDF)
- Regeln für Leichte Sprache kurz erklärt von AktionMensch
Einfache Sprache ist eine vereinfachte Version der Standardsprache und bewegt sich auf dem Niveau B1. Sie folgt keinen offiziellen Regeln, ist jedoch flüssiger lesbar und klar strukturiert formuliert. Vermieden werden Fachbegriffe, Metaphern und Fremdwörter oder sie werden direkt erklärt. Damit ist sie auch für Personen mit geringer Lesekompetenz und Menschen, die Deutsch lernen, geeignet.
Barrierefreie Medien und (Unterrichts-)Materialien
Beim „Spaß am Lesen“-Verlag gibt es eine Auswahl an Büchern in leicht verständlicher Sprache für interessierte Leser*innen. Erwachsenenbildende finden Bücher in Einfacher Sprache für verschiedene Zielgruppen, von Sprachschulen bis zu Volkshochschulen, sowie Unterrichtsmaterialien.
- Beitrag von ORF Topos: Bücher, die alle abholen
- Texte von Menschen mit Lernschwierigkeiten von der „Literatur-Bootschaft“ des Vereins Ohrenschmaus
Barrierefreie Unterrichtsmaterialien werden einerseits in Bildungsangeboten genutzt, die sich an Erwachsene mit Lernschwierigkeiten richten. Im Rahmen des Projekts „myPart“ wurden zum Beispiel Materialien für Workshops zur Demokratiebildung für Erwachsene mit intellektueller Beeinträchtigung entwickelt. Andererseits kommen sie auch in Lernsettings zum Einsatz, die sich an Menschen mit und ohne Lernschwierigkeiten richten, wie etwa bei der Ausbildung zum Inklusiven Klimacoach der Inklusiven Klimaschutzakademie.
Wo gibt es Nachrichten von bzw. für Personen mit Lernschwierigkeiten?
Wenn es um Themen wie politisch Bildung oder Medienkompetenz geht, können im Unterricht aktuelle Medien hilfreich sein. Der ORF bietet mit den tagesaktuellen Beiträgen der „Zeit im Bild“ in Einfacher Sprache und den Nachrichten in Einfacher Sprache von ORF Topos das größte multimediale Angebot. Der Wissenspodcast in Einfacher Sprache „Einfach Erklärt“ wird auf Ö1 ausgestrahlt und kann online angehört werden. Das Format gehört dieses Jahr zu den Nominierten für den Radiopreis der Erwachsenenbildung. Auch die Inklusive Redaktion der Caritas Oberösterreich produziert regelmäßig Beiträge, Videos und Audioformate.
Weiteres zum Lesen:
- Newsmeldungen aus dem Bundesministerium für Inneres
- Das gedruckte Magazin „andererseits“ ist ein journalistisches Medium in einfacher Sprache
Zum Hören:
- Die Sendung „unerhört!“ läuft live im Programm des Community Senders Radiofabrik (Verein Freier Rundfunk Salzburg) und steht als Podcast zur Verfügung
Zum Anschauen:
- Das deutsche Portal „LENADi“ (Leichte Nachrichten digital) ist ein Service der Lebenshilfe Freising und veröffentlicht Videos zu wichtigen Nachrichten aus der ganzen Welt
Barrierefreie Kommunikation im Internet
Am 28. Juni 2025 ist in Österreich das neue Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) in Kraft getreten und die europäische Barrierefreiheitsrichtlinie (EAA) ins nationale Recht überführt worden. Es verpflichtet Unternehmen dazu, ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten und für alle Menschen zugänglich zu machen. Für wen das Gesetz gilt und wo es in der Erwachsenenbildung Anwendung finden kann, erfahren Sie im Artikel „Das Barrierefreiheitsgesetz tritt in Kraft: Wie ein Web für alle gelingt“ und in den Gesetzestexten:
- Barrierefreiheitsgesetz (BaFG)
- Europäische Barrierefreiheitsrichtlinie (EAA)
- Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG)
In den zwei Webinaren „Digitale Barrierefreiheit am Beispiel von erwachsenenbildung.at“ und „Barrierefreie Bildungsinformation online“ gibt es Anregungen und Diskussionen darüber, wie digitale Barrierefreiheit Teil des redaktionellen Standards werden kann. In der Videobeschreibung des zweiten Webinars finden Sie außerdem eine Liste mit weiterführenden Informationen zu Inhalten und Tools, die bei der Umsetzung helfen.
- Prüf-Tools für die digitale Barrierefreiheit
- Fonds Soziales Wien: Wie steht es um die digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung? (Studie 2021)
- Beitrag: So lassen sich digitale Lernangebote inklusiver gestalten (2025)
Veranstaltungen und Weiterbildungen
Inklusion, Vielfalt und Teilhabe werden in unterschiedlichen Weiterbildungen und Veranstaltungen zum Thema gemacht. So hatte der diesjährige Monat der Wiener Erwachsenenbildung das Symposium „Erwachsenenbildung inklusiv denken“ als Programmschwerpunkt.
Am 11. Dezember veranstaltet der OeAD von 17 bis 18 Uhr das Webinar „Inklusive Vermittlungsformate planen und durchführen“ über inklusiven Unterricht und wichtige pädagogische Aspekte bei der Arbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten. Ebenfalls geht es darum, wie Lernangebote gestaltet werden können, damit sie Teilhabe und aktive Mitgestaltung möglich machen.
Das Webinar wird aufgezeichnet und für Interessierte auf YouTube sowie im Rahmen des Lernprogramms DISKIT auf der Lernplattform Digital Austria verfügbar sein.
Wissenschaftlicher Diskurs
Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Thema Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung finden sich u.a. im European Lifelong Learning Magazine (ELM) zu „Inclusion and Adult Education“ (2024), in dem auch die österreichische Einrichtung „biv - die Akademie für integrative Bildung“ thematisiert wurde, sowie dem European Journal for Research on the Education and Learning of Adults (RELA) über „Inclusion, adult education and social justice“ (2023).
Serie zur Barrierefreiheit und Erwachsenenbildung
Barrierefreiheit ist ein Schlüsselkonzept für eine inklusive Gesellschaft, die allen Menschen Zugang zu Bildung und beruflicher Weiterentwicklung ermöglichen soll. In unserer Beitragsserie "Barrierefreiheit und Erwachsenenbildung" beleuchten wir, wie Bildungsangebote barrierefrei gestaltet werden können und zeigen Initiativen und Projekte auf.
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