Wie ein Museum Demokratie erfahrbar macht

18.07.2025, Text: Sabine Schnepfleitner, Redaktion/CONEDU
Mit der interaktiven Ausstellung „Demokratie, heast!“ hebt sich das Graz Museum als Lern- und Bildungsraum hervor. Die begleitenden Angebote fordern zum demokratischen Mittun auf.
Text "Was tust du dagegen?" und vier Felder an der Wand, die unterschiedlich mit Punkten beklebt wurden.
Das Ausstellung "Demokratie, heast!" fordert Besucher*innen auf, demokratische Prozesse zu reflektieren und in der Ausstellung ihre Meinung zu äußern. Zum Beispiel durch das Kleben von Punkten (siehe Bild).
Foto: Alle Rechte vorbehalten, CONEDU, auf erwachsenenbildung.at

Ein überdimensionales Balance-Board ist vor dem Eingang der Ausstellung „Demokratie, heast!“ aufgebaut. Besucher*innen versuchen, auf dem Board Platz zu finden und gemeinsam das Gleichgewicht zu halten, ohne dabei zu kippen. Es sei ein Einschwingen auf die Ausstellung, erklärt Angela Fink mit einem Augenzwinkern. Sie ist eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung.

Die interaktive Ausstellung im Graz Museum erklärt Demokratie und zeigt, wie sie unseren Alltag beeinflusst und unser Zusammenleben prägt. Sie fordert die Besucher*innen immer wieder zur Meinungsäußerung und aktiven Beteiligung auf – während des Besuchs ebenso wie im vielfältigen Begleitprogramm. Und vom Mittun lebt die Demokratie.

Besucher*innen werden zum Handeln aufgerufen

Die Ausstellungsräume sind gespickt mit einzelnen Kojen zu verschiedenen Themen der Demokratie, wie etwa das Wahlrecht oder Möglichkeiten der Mitbestimmung. Die Kojen informieren nicht nur, sondern fordern Besucher*innen auf, ihre Meinung dazu zu äußern – ihre Antworten werden dann visualisiert. Dafür gibt es unter anderem eine Wahlkarte für jede*n Besucher*in. Auf der Karte finden sich verschiedenfarbige Klebepunkte, die an einzelnen Stationen geklebt werden können. Die Besucher*innen können so zu Fragen wie „Wer soll in Österreich wählen?“, „Wessen Stimme soll mehr Gewicht haben?“ oder „Über welche Medien hast du dich zu Politik informiert?“ durch das Kleben eines Punktes abstimmen und ihren persönlichen Standpunkt sichtbar machen. Es entsteht ein gemeinsames Bild aus den bisher bepunkteten Antworten von Besucher*innen und die Ausstellung wird so gemeinsam weitergestaltet. Das geschieht auch, wenn Besucher*innen mitgebrachte Post-Its oder handschriftliche Kommentare an den Wänden der Ausstellung hinterlassen, denn die dürfen ebenso meistens bleiben. 

Neben unterschiedlichen interaktiven Elementen gibt es Tast-Statistiken, die Besucher*innen einladen, Zahlen und Auswertungen haptisch zu erleben oder Videos, die politisch engagierte Akteur*innen der Stadt Graz zu Wort kommen lassen: Politiker*innen, Aktivist*innen, Projektleiter*innen oder auch Schüler*innen.

Demokratie zum Mitnehmen

Auf 29 unterschiedlichen Glossarkarten wird pro Karte ein Begriff zur Demokratie beschrieben, in maximal 800 Wörtern, auf Deutsch und Englisch. Getextet wurden die Glossarkarten in einfacher Sprache, in Zusammenarbeit mit dem Forschungsbüro Menschenrechte, das auch eine Prüfgruppe für die Einhaltung der Regeln für einfache Sprache gestellt hat. Die Glossarkarten werden auch in DaZ-Kursen, zum Beispiel von Danaida, als Arbeitsmaterial verwendet, erzählt Angela Fink. Besucher*innen können sich die einzelnen Begriffserklärungen mit nach Hause nehmen.

Ein Lern- und Bildungsort im Museum

Museen zählen wie Bibliotheken oder Volkshochschulen zu den klassischen Orten des Lernens. Sie bieten Raum für kritische Öffentlichkeit, Meinungsbildung, aber auch für die Kommunikation, Visualisierung und Darstellung von komplexen Themen für eine breite Öffentlichkeit. Die Demokratie-Ausstellung nimmt die Aufforderung, Lern- und Bildungsort zu sein, wörtlich. Einer der drei Ausstellungsräume steht für Workshops, diverse Austausch- und Lernformate zur Verfügung. Eine modulare und flexible Ausstattung, beispielsweise mit abnehmbaren Wandelementen, ermöglicht den Trainer*innen den Raum flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen.

„Futures Wheel“ – methodische Reflexion von Zukunftsideen in einem Workshop zur Ausstellung

Was wäre, wenn Wahlen digital durchgeführt würden? Was, wenn die Stimmen von Erziehungsberechtigten je nach Anzahl gewichtet würden? Oder, wenn es einen quotenrepräsentativen Nationalrat gäbe? Im Vermittlungsprogramm zur Ausstellung wird der Workshop „Demokratie – Was wäre, wenn …“ angeboten. Eine interaktive Demokratie-Zukunfts-Werkstatt, die mit der Methode „Futures Wheel“ arbeitet. Die Methode versucht unmittelbare und mittelbare Auswirkungen einer möglichen zukünftigen Situation oder eines Ereignisses zu erkunden. In diesem Workshop diskutieren und konkretisieren die Teilnehmer*innen verschiedene Zukunftsszenarien der Demokratie, samt deren möglichen Auswirkungen und Konsequenzen. Veranstaltet wird der Workshop mit Unterstützung der interuniversitären Forschungsplattform Z-T-G.

Ein Museum ist für alle da

Demokratisches Handeln bestimmt unseren Alltag und betrifft alle Bürger*innen in Österreich. So will auch die Ausstellung möglichst viele Menschen erreichen und versucht unter anderem auch Barrieren abzubauen. Neben einer inklusiven Führung „Demokratie und Inklusion“ bietet das Graz Museum gemeinsam mit dem Forschungsbüro Menschenrechte den inklusiven Workshop „Mitmachen erwünscht – Wir sind Demokratie!“ an. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Sensibilisierung dafür, wie wichtig Demokratie und Mitbestimmung für jede*n Einzelne*n von uns sind. 

Nachrichtenserie „Demokratiebildung in der Erwachsenenbildung“

Der Sturm auf das US-Kapitol im Jahr 2021, Angriffe auf deutsche Politiker*innen während des EU-Wahlkampfes und das Erstarken demokratiefeindlicher Bewegungen zeigen, wie tief die Demokratie in der Krise steckt. Wie können wir sie schützen und gestalten? Unsere Nachrichtenserie beleuchtet, welche Rolle Demokratiebildung dabei spielt und informiert über Neuigkeiten, Projekte und Publikationen.

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