Wie können Menschenrechte lebensnah vermittelt werden?

06.11.2025, Text: Katharina Novy (Soziologin, Psychodramaleiterin, Erwachsenenbildnerin), Gert Dressel (Historiker, Fortbildner, Biografiearbeiter), Redaktion: Barbara Gruber-Rotheneder, BhW Niederösterreich/Ring ÖBW
Ein Workshop zeigt auf, wie man sich als Erwachsenenbildner*in methodisch mit dem Thema Menschenrechte beschäftigen und sowohl gesellschaftliche als auch individuelle Handlungsoptionen reflektieren kann.
Im Workshop lernen Erwachsenenbildner*innen Methoden zur Reflexion und Stärkung von Menschenrechten für die eigene Praxis.
Grafik: , www.freepik.com, auf erwachsenenbildung.at

Geht es um Menschrechte, denken wir meist an Freiheitsrechte, wie die Meinungsfreiheit, Medienfreiheit oder die Versammlungsfreiheit. Es sind jene Rechte, die in Österreich lange als eine selbstverständliche Grundlage galten.

Sie scheinen so „normal“, dass wir uns ihres Wertes gar nicht mehr bewusst sind. Ähnlich geht es uns auch mit der damit verbundenen Demokratie. Auch wenn diese Rechte nie vollständig durchgesetzt waren oder sind – ihre Legitimation wurde nicht (öffentlich) in Frage gestellt. Ein Workshop des Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung rückt die Menschrechte wieder ins Bewusstsein der Teilnehmenden und zeigt, wie es gelingt, das Thema in der Erwachsenenbildung aufzugreifen.

Erfahrungsorientierte Methoden zur Reflexion des Themas Menschenrechte

Mit gesellschaftsbezogener Biografiearbeit, wie beispielsweise durch Erzählcafés, und Soziodrama nach der Theatermethodik nach J.L. Moreno, kann erkundet werden, was Menschenrechte mit dem eigenen Leben zu tun haben und wie sie gestärkt werden können. Erzählcafés bieten die Möglichkeit, über selbsterlebte Geschichten in tieferen Austausch zu kommen: Welche Erinnerungen habe ich, wo ich Meinungsfreiheit bewusst erlebt habe? Oder: Wo habe ich erfahren, dass Menschenrecht nicht ernstgenommen wurden? In soziodramatischen Szenen können Handlungsmöglichkeiten rund um Menschenrechte interaktiv erkundet werden.

Beide Zugänge nehmen dabei Individuum und Gesellschaft, Emotion und Politik, gesellschaftliche Strukturen und eigenes Erleben in den Blick. Schließlich werden im Workshop die erfahrenen Methoden im Hinblick auf einen Transfer in die jeweils eigenen Handlungskontexte der Teilnehmenden reflektiert.

Im Dezember haben Erwachsenenbildner:innen, Bildungskoordinator:innen, zivilgesellschaftlich Engagierte und weitere Interessierte in St. Pölten die Gelegenheit, diese erfahrungsorientierte Methodik kennenzulernen und auszuprobieren.

Die Bedeutung der Menschenrechte wahren

Heute wird deutlich, dass Menschenrechte für viele mächtige politische Akteur:innen auch in Europa nicht mehr als die Basis des politischen Handelns gelten. Sei es, wenn die Menschenrechtskonvention und Menschenrechtsgerichtsbarkeit zur Diskussion gestellt werden, sei es, dass Medienfreiheit, Freiheit der Kunst und Wissenschaft stark eingeschränkt werden sollen. Sei es, dass NGOs, die solche Rechte einfordern und fördern, politisch angegriffen werden.

Als Bürger*innen sind wir gefordert, die Bedeutung der Menschenrechte als für alle Menschen gültige ernst zu nehmen und zu verteidigen. Erwachsenenbildner*innen und zivilgesellschaftlich Engagierte benötigen Zugänge, mit denen sie dieses grundlegende Thema nahe am Leben der Menschen vermitteln können.

Workshop „Menschenrechte im Dialog“ am 10. Dezember in St. Pölten

Der Workshop „Menschenrechte im Dialog“ findet am 10. Dezember 2025 von 9 bis 17 Uhr im Bildungshaus St. Hippolyt statt. Er wird vom Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung (oieb) veranstaltet und von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung gefördert.

 

Über die Autor:innen: Dr.in Katharina Novy ist Soziologin und Historikerin, Trainerin in der politischen Erwachsenenbildung, Organisationsberaterin, Supervisorin, Coach. Psychodramaleiterin. Dr. Gert Dressel ist Historiker, Fortbildner, Biografiearbeiter, Initiator und Moderator zahlreicher Erzählcafés und partizipativer Prozesse in Bildungsarbeit, Forschung und Caring Communities. Mitarbeiter der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen und des Instituts für Pflegewissenschaft (beides Uni Wien) sowie des Vereins Sorgenetz. Gemeinsam leiten sie den Workshop „Menschrechte im Dialog“.

Nachrichtenserie „Demokratiebildung in der Erwachsenenbildung“

Der Sturm auf das US-Kapitol im Jahr 2021, Angriffe auf deutsche Politiker*innen während des EU-Wahlkampfes und das Erstarken demokratiefeindlicher Bewegungen zeigen, wie tief die Demokratie in der Krise steckt. Wie können wir sie schützen und gestalten? Unsere Nachrichtenserie beleuchtet, welche Rolle Demokratiebildung dabei spielt, und informiert über Neuigkeiten, Projekte und Publikationen.

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