Was zählt für mich beruflich? Den roten Faden im Berufsleben finden
Karriere konstruieren: Matching – Managing – Meaning
Ein Blick zurück auf das Jahr 2021: Bei der Online-Tagung für Bildungs- und Berufsberatung des bifeb präsentierte der Schweizer Professor und Laufbahnberater Dr. Marc Schreiber das Konzept des Career Construction Interviews. Die theoretische Grundlage dieser Interviewmethode ist die von Mark Savickas entwickelte Career Construction Theory. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen oftmals den roten Faden in ihrer beruflichen Identität suchen und sich die Sinnfrage stellen.
Dies steht auch für eine Weiterentwicklung der Laufbahn- bzw. Berufsberatung: In der Anfangszeit suchten Berater*innen – dem „Matching“-Paradigma folgend – zu den Menschen passende Berufe. Dieses Paradigma wurde weiters vom „Lebenslangen Lernen“ abgelöst, das von Berater*innen eher Coaching-Tätigkeiten forderte. Ein drittes Paradigma ist jenes des „Life Design“, bei dem es um die Frage geht, was im (Berufs-)Leben Sinn ergibt.
Das Career Construction Interview integriert alle drei Paradigmen: Matching (Passung), Managing (Lebenslanges Lernen) und Meaning (Life Design). Von diesem Vortrag und der Methode angeregt, organisierte Rosemarie Pichler, die Leiterin der Bildungs- und Berufsberatung Niederösterreich, eine zweitägige Online-Weiterbildung mit Marc Schreiber, um den Berater*innen das Instrument näherzubringen.
Interview und Identitätskarte – der rote Faden im Berufsleben
Für das Career Construction Interview gibt es einen klaren Ablauf, der mit einer wichtigen Frage beginnt: Wie kann ich Sie in Ihrer Laufbahnentwicklung unterstützen? Danach folgen weitere Fragen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Arbeit und Beruf zu tun haben. Beispielsweise wird nach dem Lieblingsbuch bzw. -film oder dem Lieblingsmotto bzw. -sprichwort gefragt. Ziel ist es, mithilfe dieser Fragen herauszufinden, welche Tätigkeiten, Berufe und Vorhaben zur eigenen Identität passen. Sämtliche Antworten werden auf einer sogenannten Identitätskarte festgehalten. Mithilfe dieser Karte kann man anschließend den eigenen roten Faden finden, beispielsweise indem man Stellenanzeigen überprüft oder Überlegungen zu Weiterbildungen anstellt.
Tiefgehende Fragen, aber keine Psychotherapie
Wichtig zu wissen: Auch wenn Berater*innen im Career Construction Interview Fragen nach der Kindheit stellen, geht es hierbei nicht um eine Vergangenheitsaufarbeitung im psychotherapeutischen Sinn. Das Ziel der Fragen ist es, gemeinsam mit der ratsuchenden Person den roten Faden in der beruflichen Identität zu finden.
Insgesamt durchläuft man im Beratungskontext drei Phasen der Konstruktion: Das Aufschreiben der eigenen Geschichte im Interview selbst ist die Konstruktion. Gemeinsam mit der Beraterin, dem Berater folgt schließlich die Dekonstruktion der bisherigen Geschichten. Im letzten Schritt kommt es zu einer Rekonstruktion, wenn die Ergebnisse aus dem Prozess zu einem großen Ganzen zusammengeführt werden.
Beratungen mit dem Career Construction Interview kostenlos
Viele Berater*innen im Netzwerk der Bildungs- und Berufsberatung Niederösterreich bieten das "Career Construction Interview" an. Dank der Förderung durch das Land Niederösterreich, die Arbeiterkammer Niederösterreich, das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie den Europäischen Sozialfonds sind auch diese Beratungen für alle Ratsuchenden kostenlos.
Verwandte Artikel
![Dieses Bild zeigt eine Person mit orangefarbenen Haaren, die mit einer großen, abstrakten digitalen Spiegelstruktur interagiert. Die Struktur besteht aus Quadraten in verschiedenen Grün-, Orange-, Weiß- und Schwarztönen, die so zusammengesetzt sind, dass sie die Figur der Person widerspiegeln. Die Hand der Figur ist ausgestreckt, als würde sie auf die Spiegelstruktur zeigen oder mit ihr interagieren. Hinter der Struktur befinden sich orangefarbene Ströme aus Binärcode (Nullen und Einsen), die in Richtung des digitalen Gitters fließen. Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)]()
Wie KI die Arbeit in der Erwachsenenbildung verändert
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Weiterbildungserfahrungen von erwachsenen Lernenden und die Berufsprofile von Lehrenden, sondern von allen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind.![]()
„Dieses Feld ist riesig – und genau das hat mich gepackt“
Die neue Professorin für Erwachsenen- und Weiterbildung in Graz, Doktorin Maria Stimm, über ihren Weg in die Erwachsenenbildung, Wissenschaft als Handlungsfeld und das Ankommen an der Universität Graz.![Universitätsprofessorin Doktorin Maria Stimm am Tisch sitzend.]()
„Das Wissen ist da – aber der Schritt ins Handeln bleibt schwierig“
Univ.-Prof.in Dr.in Maria Stimm (Universität Graz) zur Frage, warum Erwachsenenbildung angesichts von Klimakrise und gesellschaftlicher Transformation von der Vermittlung zur Aneignung kommen muss.![Frau erklärt vor einer Wand mit aufgepinnten Buchblättern.]()
Wie der Froschkönig das österreichische Recht erklärt
Uli Zimmermann, Kursleiterin an der VHS Wien, hat für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ Unterrichtsmaterialien rund um das österreichische Recht entwickelt und erhielt dafür den Ludo-Hartmann-Preis.![]()
"Erwachsenenbildung ist politisch am wenigsten sichtbar"
Elke Gruber im Interview zur Emeritierung: über ihren außergewöhnlichen Bildungsweg, das Window of Opportunity der 2000er-Jahre und darüber, warum Erwachsenenbildung heute klarer denn je positioniert werden muss.![]()
Bildung im Alter: Potenziale und Teilhabe nach dem Berufsleben
Der Verein Salzburger Erwachsenenbildung fördert und unterstützt mit dem Lehrgang „Aktiv im Alter“ die aktive gesellschaftliche Teilhabe von Menschen 60+. 2026 findet dieser zum siebten Mal statt.





