Klima-Check: Klimaschutz gezielt in der Schweizer Weiterbildung verankern

18.08.2025, Text: Marianne Müller, Redaktion: Marion Kirbis, Redaktion/CONEDU
Mit dem Klima-Check des SVEB stärken Weiterbildungsinstitutionen ihre Klimafreundlichkeit – strukturiert, praxisnah und mit gesellschaftlicher Wirkung.
Person hakt den ersten Punkt einer Checkliste auf dem Bildschirm eines Tablets ab
Ein systematischer Fünf-Phasen-Ansatz nach dem „Whole Institution Approach“ verankert Klimaschutz institutionell.
Foto: Unsplash Lizenz, Jakub Żerdzicki, https://unsplash.com

Die Klimakrise gehört zu den zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Um ihr wirksam zu begegnen, sind Veränderungen im individuellen Handeln, in Institutionen und in der Gesellschaft erforderlich. Damit die Weiterbildungsbranche ihr Wirkungspotential im Klimaschutz entfalten kann, hat der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) den Klima-Check entwickelt.

Weiterbildung spielt in doppelter Hinsicht eine zentrale Rolle

Die Weiterbildungsbranche kann auf zwei Ebenen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Einerseits durch die nachhaltige Gestaltung der Weiterbildungsinstitutionen, etwa durch klimafreundliche Infrastruktur oder ressourcenschonende Mobilität. Andererseits kann sie durch Sensibilisierung und die Vermittlung von entsprechendem Wissen und Kompetenzen aktiv zur nachhaltigen Transformation beitragen. Denn die Weiterbildung verfügt über einen einzigartigen Zugang zur breiten Bevölkerung: Im Jahr 2016 haben laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik und seinem 2021 erschienenen Mikrozensus Aus- und Weiterbildung 65 Prozent der Schweizer*innen zwischen 15 und 75 Jahren eine Weiterbildung absolviert, im Covid-geprägten Jahr 2021 immerhin 45 Prozent. Diese Reichweite ermöglicht der Weiterbildung, Klimathemen breit in der Gesellschaft zu verankern.

Der Klima-Check unterstützt Weiterbildungsinstitutionen

Der Klima-Check hat den Anspruch, dass Weiterbildungsinstitutionen ihr Klimapotenzial auf beiden Ebenen nutzen: Erstens unterstützt er sie dabei, ihre eigene Klimafreundlichkeit zu reflektieren und zweitens, andere zum klimafreundlichen Handeln zu animieren. Damit stützt sich der Klima-Check des SVEB auf das Konzept des Ökologischen Fuß- und Handabdrucks. Der Klima-Check orientiert sich auch an bestehenden Initiativen wie dem österreichischen „Ich tu‘s“-Klimacheck.

Der Klima-Check gliedert sich in zwei Teile: Zunächst vermittelt ein Theorieteil grundlegende Begriffe und Konzepte. Im anschließenden Praxisteil werden Weiterbildungsinstitutionen mithilfe konkreter Aufgaben Schritt für Schritt durch die Umsetzung des Klima-Checks geführt.

Die ganze Organisation muss mitziehen

Der Klima-Check beruht auf dem Prinzip des „Whole Institution Approach“ – einem umfassenden Konzept zur nachhaltigen Organisationsentwicklung. Er zielt darauf ab, Klimaschutz als festen Bestandteil sämtlicher Strukturen und Prozesse innerhalb einer Weiterbildungsinstitution zu etablieren. Dies umfasst die Ausrichtung aller Tätigkeitsbereiche auf Klimaverträglichkeit. Im Klima-Check werden hierzu sechs Handlungsfelder definiert:

  • Steuerung und Management,
  • Mitarbeitende und Personalentwicklung,
  • Bildungsinhalte und -programme,
  • Infrastruktur und Betrieb,
  • Netzwerke und Bildungslandschaft sowie
  • Kommunikation.

Nachhaltigkeit wird damit in Weiterbildungsinstitutionen nicht nur vermittelt, sondern auch vorgelebt. Die Teilnehmenden erleben unmittelbar, wie umweltbewusstes Handeln im Alltag einer Bildungsinstitution verankert ist. So wird Weiterbildung zu einem glaubwürdigen Beispiel gelebter Nachhaltigkeit.

Klimaschutz strukturiert angehen

Auf der Basis des „Whole Institution Approach“ orientiert sich der Klima-Check an einem strukturierten Prozess mit fünf aufeinander aufbauenden Phasen. In der ersten Phase wird das Engagement für Klimaschutz innerhalb der Institution erhoben und – falls notwendig – gezielt gestärkt. Es geht darum, ein gemeinsames Verständnis und eine tragfähige Grundlage für den weiteren Prozess zu schaffen.

In der zweiten Phase folgt eine umfassende Bestandsaufnahme der aktuellen Situation in den sechs zentralen Handlungsfeldern der Institution. Diese Analyse bildet die Grundlage für die nächste Etappe: In Phase drei werden auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse konkrete Ziele formuliert und entsprechende Maßnahmen entwickelt.

Die vierte Phase widmet sich der Umsetzung dieser Maßnahmen im Alltag der Institution – praxisnah, wirksam und anschlussfähig an bestehende Strukturen. Abschließend wird in der fünften Phase der gesamte Klima-Check-Prozess evaluiert. Dabei werden sowohl Erfolge als auch Lernprozesse reflektiert, um die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verankerung von Klimaschutz in der Organisation sicherzustellen.

Von innen nach außen: Wie der Klima-Check wirkt

Der Klima-Check wirkt vielfältig: Ausgangspunkt sind die Weiterbildungsinstitutionen. Er dient als Grundlage dafür, Klimafreundlichkeit innerhalb der Organisationen zu stärken und Klimaschutz fest in deren Strukturen, Abläufen und Unternehmenskultur zu verankern. Diese interne Verankerung bildet die Basis dafür, Klimathemen glaubwürdig nach außen zu tragen. Denn die Weiterbildungsbranche kann Erwachsene auf der Grundlage des Klima-Checks in ihren verschiedenen Rollen – etwa als Konsumierende, Berufstätige, Eltern oder gesellschaftlich Engagierte – darin bestärken, ihre Handlungsspielräume klimabewusst zu nutzen. So kann der Klima-Check über den breiten Zugang als Multiplikator auch interdisziplinär wirken und andere Branchen und Lebensbereiche erreichen.

Und schließlich sind die Klimaschutzbemühungen des Klima-Checks im Zusammenhang mit einer umfassenden Nachhaltigkeit zu verorten, die ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen einschließt. Der Klimaschutz nimmt eine Schlüsselrolle im ökologischen Bereich ein. In diesem Sinne kann der Klima-Check auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung insgesamt leisten.

Projektinfo und Hintergrund

Der Klima-Check wurde vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung (SVEB) gemeinsam mit myclimate entwickelt. Finanziert wurde das Projekt durch das Bundesamt für Umwelt BAFU. Beratend wirkte der WWF Schweiz mit. Weiterbildungsinstitutionen haben das Instrument mitentwickelt und im Laufe des Entwicklungsprozesses mehrfach getestet.

 

Über die Autorin: Marianne Müller ist Projektleiterin für Forschung und Internationales beim Schweizerischer Verband für Weiterbildung.

Serie und Dossier zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Hochwasser, Waldbrände, Hungersnot – Expert*innen der Klimaforschung warnen vor den Folgen extremer Wettereignisse durch den Klimawandel. Bildung ist gefordert Aufklärungsarbeit zu leisten, Diskurse zu ermöglichen und „grüne“ Kompetenzen zu fördern. Wo setzt die Erwachsenenbildung an? In der Serie „Klima- und Umweltschutzbildung“ und dem Dossier „Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung“ widmen wir uns dieser Frage.

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