Neue Ausgabe der Büchereiperspektiven: Bibliotheken als Brückenbauer

30.06.2025, Text: Antonia Unterholzer, Redaktion/CONEDU
Thema der aktuellen Ausgabe sind die Bibliotheken als Orte gelebter Demokratie. Sie sind Begegnungsräume und vermitteln demokratische Werte in polarisierenden Zeiten.
Bibliotheken sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen und sich austauschen können sowie Zugang zu Wissen bekommen.
Grafik: Alle Rechte vorbehalten, CONEDU, erstellt mit Canva, auf erwachsenenbildung.at

Die Fachzeitschrift Büchereiperspektiven des Büchereiverbandes Österreich greift mit „Demokratische Orte. Bibliotheken als Brückenbauer“ die Rolle von Büchereien im Kontext einer gelebten Demokratie auf. Die aktuelle Ausgabe widmet sich der Frage, welche Rolle Bibliotheken bei der Vermittlung demokratischer Werte spielen, was sie zu Orten der Demokratie macht und warum demokratische Gesellschaften Räume der Begegnung benötigen.

Büchereien sind Brückenbauer

In Zeiten wachsender sozialer Ungleichheiten, gesellschaftlicher Polarisierung und sinkendem Vertrauen in politische Akteur*innen nehmen Bibliotheken eine wichtige Rolle als Brückenbauer in der Gesellschaft ein. Sie fördern das Zusammenkommen verschiedener Gruppen, stärken das Bewusstsein für kontroverse Themen und vermitteln Informations- und Medienkompetenz, bringt es die Vorstandsvorsitzende des Bücherverbandes Österreichs (BVÖ) Marie Therese Stampfl im Editorial auf den Punkt. Die einzelnen Fachbeiträge zeigen, wie Demokratie in Angeboten und im praktischen Alltag von Bibliotheken umgesetzt wird.  

Bibliothek Dornbirn zeigt gelebte Demokratie

Öffentliche Büchereien können demokratische Haltungen fördern: Sie sind niederschwellig, konsumfrei und bieten einen Zugang zu Medien, Informationen und Wissen, so Johanna Baumgartner und Naemi Sander von der Bibliothek Dornbirn im Beitrag „Ein Ort für Alle“. Eine gelebte Demokratie äußert sich jedoch nicht nur durch Zugänglichkeit, sondern auch in der internen Arbeitskultur. Wenn etwa alle Mitarbeiter*innen sich an Arbeitsabläufen und Entscheidungsprozessen beteiligen können. Dem Neubau der Bibliothek Dornbirn beispielsweise lag ein (basis-)demokratischer Prozess zugrunde, in den verschiedene Interessen und Bedürfnisse bei der räumlichen Gestaltung einflossen, so die beiden Bibliothekar*innen.

Wie eine Bibliothek durch gemeinschaftliche Beteiligungsprozesse entstehen kann

Am 28. Juni 2025 wird im oberösterreichischen Ternberg eine neue Bibliothek eröffnet. Bisher hatte die Gemeinde keine öffentliche Bücherei. Aus dieser Lücke heraus brachten die jetzigen Leiter*innen Katharina Pree und Stefan Losko den Stein für ein Beteiligungsprojekt ins Rollen. Die Idee für die Bücherei wurde von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen, wie die beiden im Interview mit den „Büchereiperspektiven” erzählen. Nach einem ersten Kennenlerntreffen entstanden schnell Arbeitsgruppen, in denen gemeinsam über Termine, Aufgaben und weitere Schritte entschieden wurde, so Losko über den Beteiligungsprozess, aus dem die Bücherei Ternberg entstand.

Bereits für Juli sind erste Veranstaltungen geplant, wie beispielsweise eine satirische Sommernachtslesung von René Freund. Für Oktober ist ein Literatur-Brunch mit der Autorin Astrid Miglar vorgesehen. In gemütlicher Atmosphäre haben Interessierte die Möglichkeit, sich mit der Autorin über ihre Bücher auszutauschen.

Wissensvermittlung und Wissenschaftskommunikation in Bibliotheken

Ausgehend vom Ansatz, dass funktionierende Demokratien informierte Bürger*innen brauchen, stellen Bibliotheken auch immer wieder Angebote der Wissensvermittlung und Wissenschaftskommunikation bereit. Einblicke in Best-Practice Beispiele geben die Büchereisperspektiven aus der Stadtbibliothek Graz. Hier werden Workshops, Seminare und Sprechstunden rund um die Themen digitale Medien, Informationskompetenz oder dem Einsatz technischer Geräte angeboten.

Demokratieforschung und Literaturempfehlungen

Die Demokratieberaterin Tamara Ehs erläutert im Interview, warum liberale Demokratien zunehmend unter Druck geraten. Außerdem zeigt sie, wie Orte der Begegnung – als Räume, in denen Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft zusammenkommen – autokratischen Tendenzen entgegenwirken können.

Darüber hinaus gibt es Literaturempfehlungen: Vorgestellt werden Romane, die sich literarisch mit Demokratie und Autokratie auseinandersetzen, sowie Sachbücher, die unter anderem die Gefahren thematisieren, denen demokratische Gesellschaften heute ausgesetzt sind.

Nachrichtenserie „Demokratiebildung in der Erwachsenenbildung“

Der Sturm auf das US-Kapitol im Jahr 2021, Angriffe auf deutsche Politiker*innen während des EU-Wahlkampfes und das Erstarken demokratiefeindlicher Bewegungen zeigen, wie tief die Demokratie in der Krise steckt. Wie können wir sie schützen und gestalten? Unsere Nachrichtenserie beleuchtet, welche Rolle Demokratiebildung dabei spielt und informiert über Neuigkeiten, Projekte und Publikationen.

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