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Sichtbar und laut sein: Projekt Frauenstimmen

26.09.2022, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Migrantinnen tauschten sich über das "Ankommen" in Österreich aus und entwickelten Wünsche für ein gutes Leben. Ergebnis ist ein gemeinsames Video.
Video: Standard-YouTube-Lizenz, Integrationshaus 2021, youtube.com
In künstlerisch-kreativen Prozessen geht es oft darum, sichtbar zu werden und gemeinsam mit anderen Dinge zu tun, die man alleine nicht tun kann oder sich nicht trauen würde. Das sagte Birgit Waltenberger von der Kulturinititaive uniT im Gespräch. Ein Thema, das auch im Projekt "Frauenstimmen" vom Verein Projekt Integrationshaus sowie vom Verein Piramidops – Frauentreff eine Rolle spielt. In Workshops tauschten sich Frauen mit Migrationshintergrund über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Lösungsansätze beim "Ankommen" in Österreich aus und entwickelten Wünsche für ein gutes Leben in Österreich.

Dabei produzierten die Teilnehmerinnen Videos und Audioaufnahmen.

Das Ankommen in Österreich erleichtern

Sie kommen aus China, Indien, dem Libanon, aus Nigeria, der Türkei, der Russischen Föderation und aus Syrien. Die Jüngste ist 28, die Älteste 43 Jahre alt. Alle haben sie gemeinsam, dass sie ihr Herkunftsland verlassen und nach Österreich gekommen sind: Die Teilnehmerinnen am Projekt Frauenstimmen haben sich darüber ausgetauscht, was sie anderen Frauen mit Migrationsgeschichte weitergeben möchten, um ein "Ankommen" und das Leben in Österreich zu erleichtern.

 

In den einzelnen Workshops konnten die Teilnehmerinnen erzählen, wie sie sich Bildung vorstellen und malten dazu ein Bild, das sie anschließend präsentierten. Dies führte zu Reflexionsfragen wie: Wo stehe ich jetzt? Wie habe ich Deutsch gelernt? Was war hilfreich, was hinderlich? Welche Informationen hätte ich gebraucht?

Die Teilnehmerinnen setzten sich im Projekt mit den zentralen gesellschaftlichen Themen wie Bildung, Arbeit, Gesundheit, Wohnen und Staatsbürger*innenschaft auseinander. Sie reflektierten persönliche Erfahrungen und formulierten Anliegen und Wünsche dazu.

 

Entstanden sind dadurch u.a. Bilder, Collagen und Hürdenläufe.

Sich selbst als Pionierin sehen

Migrant*innen bringen immer ihr eigenes "Paket" an Kompetenzen und Erfahrung mit in das neue Land. Was sie dann dort aber tatsächlich damit machen können, hängt mit den jeweiligen Handlungsspielräumen im Aufnahmeland zusammen. Diese sind durch Sprachbarrieren und Hürden bei der Anerkennung von Kompetenzen oft eingeschränkt (siehe auch:  Ressourcen auf dem Abstellgleis? Die Anerkennung von Kompetenzen, Lebens- und Arbeitserfahrungen im Migrationskontext). Dadurch sind diese Erfahrungen und Kompetenzen häufig unsichtbar – nach außen und für die Migrant*innen selbst.

 

Im Projekt Frauenstimmen konnten die Teilnehmerinnen ihre Erfahrungen sichtbar machen. Denn durch den gemeinsamen Austausch lernten sich die Teilnehmerinnen selbst auch als Pionierinnen kennen: Sie waren oftmals die ersten aus ihrer Familie, die ihr Herkunftsland verlassen haben und als Erwachsene eine neue Sprache gelernt haben. Auch die Notwendigkeit, Familie mit Beruf vereinbaren zu müssen, ist in der Herkunftsfamilie häufig nicht vorgelebt worden, vor allem nicht ohne Großfamilie oder andere Netzwerk im Hintergrund. 

Frauen mit Migrationsgeschichte sehen und hören

Ergebnis dieser Arbeit ist ein Film, der die Herausforderungen der Teilnehmerinnen und ihre Anliegen sichtbar macht. Für den Film formulierten die Teilnehmerinnen konkrete Wünsche wie z.B. Ausbildungsplätze mit Kinderbetreuung, kostenfreie Kurse für digitale Kompetenzen oder einen einfacheren und günstigeren Zugang zur Staatsbürger*innenschaft.

 

Dadurch werden die Frauen auch nach außen hin über das Merkmal "Migrationsgeschichte" hinaus sichtbar: Als Frauen mit vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen, Wünschen und Forderungen.

Einen Podcast erstellen

Für heuer gibt es nun ein weiteres Ziel: Es soll eine Podcast-Werkstatt entstehen, in der Frauen mit Flucht- und Migrationshintergrund ihre Stimmen hörbar machen können. In der Podcast-Sendung sollen sie ihre Erfahrungen und Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren können. In verschiedenen Workshops erarbeiten die Teilnehmerinnen für sie relevante Podcast-Themen wie z.B. Mehrsprachigkeit, Diskriminierung oder Hürden beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. In weiterer Folge entwickeln sie daraus ein Konzept für den Podcast. 

Über das Projekt

Die erste Projektphase von "Frauenstimmen" fand von Juni bis September 2020 statt. Im Projekt setzten sich geflüchtete Frauen bzw. Frauen mit Migrationshintergrund mit den zentralen Themen gesellschaftspolitischer Partizipation auseinander. Sie reflektierten persönliche Erfahrungen und formulierten Anliegen und Wünsche dazu. Ergebnis dieser Arbeit ist ein Video, das die Herausforderungen der Teilnehmerinnen und ihre Anliegen aufzeigt. 2022 ging das Projekt in die zweite Phase. Diesmal soll eine Podcast-Werkstatt entstehen. Frauenstimmen ist ein Projekt des Integrationshauses Wien und dem Verein – Frauentreff Piramidops. Die AK Wien fördert das Projekt.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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