Kompetenzen für den Aufbau zivilgesellschaftlicher Initiativen
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nicht nur massive Fluchtbewegungen ausgelöst, sondern auch eine bemerkenswerte Dynamik zivilgesellschaftlichen Engagements hervorgebracht. Viele geflüchtete Ukrainer:innen – insbesondere Frauen – organisieren sich seit ihrer Ankunft in europäischen Aufnahmeländern ehrenamtlich, um andere Menschen beim Ankommen zu unterstützen – etwa bei der Wohnraumsuche, der Orientierung im Alltag, der Arbeitsmarktintegration oder durch soziale und rechtliche Beratung. Aus diesen informellen Unterstützungsstrukturen sind vielerorts stabile Netzwerke und Initiativen entstanden.
Gleichzeitig stoßen diese Formen des Engagements schnell an strukturelle Grenzen. Fehlende finanzielle Ressourcen, begrenztes Wissen über Organisations- und Vereinsstrukturen sowie hohe psychische Belastungen erschweren die nachhaltige Weiterentwicklung vieler Initiativen. Um diese zivilgesellschaftlichen Aktivitäten langfristig zu sichern, braucht es daher gezielte Bildungs- und Unterstützungsangebote.
EntreCivil: Schnittstelle zwischen Engagement und Bildung
Hier setzt das Erasmus+-Projekt EntreCivil an. Es wird von ÖSB Social Innovation gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Österreich, Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz umgesetzt und verbindet die Begriffe „Entrepreneurship“ und „Civil Society“. Im Zentrum steht die Idee, unternehmerische und organisatorische Kompetenzen gezielt für den Aufbau und die Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher Initiativen nutzbar zu machen. Dabei richtet sich das Projekt an engagierte Ukrainer:innen, die bereits in Initiativen aktiv sind oder eigene Projekte im Bereich der Unterstützung und Integration aufbauen möchten.
Von der Bedarfserhebung zu praxisnahen Workshops
Zu Beginn des Projekts wurde eine umfassende Bedarfserhebung durchgeführt. In Interviews, Fokusgruppen und Befragungen mit engagierten Ukrainer:innen sowie Expert:innen aus dem NGO-Bereich wurden zentrale Kompetenzbedarfe identifiziert – insbesondere in den Bereichen Projektmanagement, Fördermittelakquise, Organisationsentwicklung, Kommunikation sowie Resilienz und Selbstfürsorge.
Darauf aufbauend wurden praxisnahe Workshops entwickelt, die seit 2025 in allen Partnerländern umgesetzt werden. Die Teilnehmenden erwerben darin konkrete Werkzeuge für die Planung und Umsetzung ihrer Initiativen. Neben der Wissensvermittlung stehen Austausch und gemeinsames Lernen im Vordergrund.
Ein zentrales didaktisches Prinzip ist der kollaborative Ansatz: EntreCivil setzt auf kooperative Lernprozesse, in denen die Erfahrungen der Teilnehmenden aktiv einbezogen werden. So entstehen Lernräume, die fachliche Kompetenzen stärken und gleichzeitig Vernetzung und Peer-Learning fördern.
Digitale Unterstützung durch KI: „Nadiya“
Ein innovatives Element ist die KI-gestützte Plattform „Nadiya“ (ukrainisch für „Hoffnung“). Sie wurde als niederschwellige, jederzeit zugängliche Lern- und Unterstützungsressource entwickelt und befindet sich derzeit in einer Test-Phase.
„Nadiya“ unterstützt bei Fragen rund um Vereinsgründung, Projektorganisation, Veranstaltungsplanung oder Fördermöglichkeiten. Die Plattform ist kostenlos, anonym nutzbar und kann auch in ukrainischer Sprache verwendet werden. Neben direkten Antworten verweist sie auf weiterführende Materialien und stärkt so selbstorganisierte Lernprozesse und Selbstwirksamkeit.
Praxishandbuch in Entwicklung
Ein zentrales Projektergebnis ist ein Praxishandbuch für den Aufbau und die Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher Initiativen. Es bündelt Erfahrungen und Methoden aus Workshops und Projektarbeit. Das Handbuch richtet sich an Initiativen und Multiplikator:innen und bietet praxisnahe Unterstützung in den Bereichen Projektplanung, Finanzierung, Organisationsentwicklung, Community-Arbeit, Vernetzung und Selbstfürsorge. Ziel ist es, die Projektergebnisse nachhaltig zugänglich zu machen und über die Laufzeit hinaus nutzbar zu halten.
Info- und Vernetzungsevent
Im Rahmen des Projekts findet am 25. Juni 2026 in Wien ein Info- und Vernetzungsevent zu Finanzierungsmöglichkeiten für zivilgesellschaftliche Initiativen statt. Die Veranstaltung ist kostenlos, sie richtet sich an ehrenamtlich Engagierte und Multiplikator:innen und bietet einen praxisnahen Überblick über Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Geplant sind Inputs von Vertreter:innen des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), der MA 7 – Kulturabteilung der Stadt Wien sowie Beiträge zu europäischen Förderprogrammen. Darüber hinaus bietet das Event Raum für Austausch, Vernetzung und die Diskussion konkreter Fragen.
Um Anmeldung wird gebeten, Details dazu sind in der Einladung zu finden.
EntreCivil_Einladung_Info-& Vernetzungsevent
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*Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der OeAD-GmbH wider. Weder die Europäische Union noch die OeAD-GmbH können dafür verantwortlich gemacht werden.
** Teilnahme des Schweizer Partners kofinanziert über die Movetia – Schweizer Programm für Austausch und Mobilität zu Erasmus+
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