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Wie Senior*innen online die Demenz bekämpfen

21.09.2021, Text: Marlene Klotz, Salzburger Bildungswerk, Redaktion: Redaktion/CONEDU
In unserer alternden Gesellschaft wird Demenz-Prävention immer wichtiger. Im Kurs "Selbstbestimmt und kreativ" des Salzburger Bildungswerks trotzen ältere Menschen der Krankheit nun auch online.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, © perfectlab, Seniors couple sitting at a wooden table with a tablet in hands. Online education retirement concept. e-Learning, https:// stock.adobe.com
    Mit dem Online-Kurs "Selbstbestimmt und kreativ" erreicht das Salzburger Bildungswerk mehr Menschen in ländlichen Regionen und mehr Männer.
Die beiden sitzen konzentriert vor ihren Bildschirmen zuhause. Immer wieder klatscht das Paar rhythmisch in die Hände und ruft dabei Namen europäischer Städte in das Mikrofon: So ähnlich trägt es sich seit Pandemiebeginn in einigen Haushalten zu, wo Rentnerinnen und Rentner am Online-Training "Selbstbestimmt und kreativ" des Salzburger Bildungswerks teilnehmen.

 

"In unseren Trainings setzen wir Gedächtnis- und Bewegungsübungen in Kombination ein, um demenziellen Krankheiten, wie etwa Alzheimer, vorzubeugen. Dabei kommen zum Beispiel Wortketten zum Einsatz: Eine Person sagt etwa 'Amsterdam' und die nächste Person bildet dann mit dem letzten Buchstaben des vorangegangenen Wortes, in diesem Fall 'M', den Namen einer neuen Stadt. Zu jeder Silbe wird geklatscht oder eine andere bestimmte Hand- oder Kopfbewegung gemacht", sagt Christa Wieland, Verantwortliche für den Fachbereich Seniorinnen- und Seniorenbildung im Salzburger Bildungswerk. Die Kurse gibt es im Salzburger Bildungswerk schon seit 2002 – bislang jedoch immer in Präsenz. Erst Covid-19 hat die Seniorinnen und Senioren vom Gemeindesaal in den Zoom-Room gebracht.

Mehr Teilnehmende vom Land und mehr Männer durch Online-Programm

"Mittlerweile sind viele Teilnehmende aus ländlichen Regionen dabei, wo es solche Angebote bislang nicht gab. Diese sind erst durch das Online-Angebot auf das Präventionstraining aufmerksam geworden", so Christa Wieland. Gertraud Gishamer, Trainerin des Online-Programms, beobachtete einen weiteren Vorteil: "Eine Dame im Kurs meinte etwa, dass das Online-Angebot sicherer für sie sei. Da könne man am Weg zum Kurs nicht ausrutschen." Darüber hinaus stelle sie eine Zunahme von männlichen Teilnehmern fest. Den Hintergrund dafür vermuten Wieland und Gishamer darin, dass Männer vielleicht technikaffiner seien. Auch die niedrigere Schwelle durch die Teilnahme von Zuhause aus könnte ein Grund sein. Anneliese Weidinger, eine Teilnehmerin des Online-Kurses berichtet: "Ich habe am Bildschirm viele Paare gesehen, die gemeinsam vor der Kamera gesessen sind. Das finde ich schön. Mein Mann war leider nicht dazu zu bewegen, da er nicht so gut hört."

Bewegung und Gedächtnistraining in Kombination

Damit Menschen nicht an Demenz erkranken, reicht laut Christa Wieland ein Kurs nicht aus: Soziale Kontakte und ein strukturierter Alltag mit vielfältigen Aktivitäten haben ebenfalls wertvolle präventive Effekte. Das Gedächtnis- und Bewegungstraining ist somit ein zusätzliches Mittel. Wissenschaftliche Ergebnisse bestätigen dies: Professor Dr. Oswald der Universität Erlangen konnte in seiner Studie "Bedingungen der Erhaltung und Förderung von Selbstständigkeit im höheren Lebensalter (SIMA)" zeigen, dass eine Kombination aus Bewegung und Gedächtnistraining bessere Ergebnisse liefert, als Gedächtnis- und Bewegungsübungen isoliert voneinander auszuüben. Seit 1991 untersuchte er Personen zwischen 75 und 93 Jahren. Bereits nach fünf Jahren zeigte sich deutlich, dass nur die Gruppe an Personen, die ein Kombi-Training aus Gedächtnis- und Bewegungsübungen durchlief, bedeutsame Fortschritte zeigte. Auf diesen Forschungen fußt auch die einjährige Ausbildung, die Trainerinnen und Trainer des Salzburger Bildungswerks durchlaufen. Aber funktioniert so ein Training auch tatsächlich online? Und wie erreicht man Senioren und Seniorinnen mit einem Online-Programm?

Seniorinnen und Senioren mit einem Online-Format erreichen und begeistern

"Onlineformate können den direkten sozialen Kontakt natürlich nicht ersetzen, aber in Zeiten sozialer Distanz, wie wir sie in den letzten eineinhalb Jahren erlebet haben, bietet das Online-Programm eine wertvolle Ergänzung, die nicht zu unterschätzen ist", sagt Christa Wieland. "Viele sind überrascht gewesen, wie einfach das alles ging", so Trainerin Gertraud Gishamer. Die Teilnehmerin Annemarie Weidinger kannte sich mit der Technik zum Beispiel schon aus: "Seit Beginn der Pandemie haben mein Mann und ich über Zoom mit unserem Sohn und unserer Schwiegertochter gesprochen. Daher war die Technik kein Problem für mich."
Eine Herausforderung sei jedoch die Verbreitung des Programms gewesen. "Man muss so ein Programm wirklich gut ankündigen: in Lokalzeitungen zum Beispiel, aber auch die direkte Ansprache möglicher Teilnehmender ist wichtig", so Gishamer. So erreicht das Angebot die Seniorinnen und Senioren hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda. Aber auch Angehörige sind eine wichtige Zielgruppe, die über Online-Kanäle erreicht werden kann. Sie unterstützen ihre Mütter oder Großväter etwa bei der Handhabung mit Zoom oder stellen einen Computer bereit.

 

Passend zum Welt-Alzheimer-Tag startet der nächste Online-Kurs "Selbstbestimmt und kreativ" am 21. September 2021. Interessierte können sich jeden Dienstag ab 9.00 Uhr über diesen Zoom-Link einloggen.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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