Mein Weg vom Baugewerbe in die Erwachsenenbildung
Viele Erwachsenenbildner*innen beginnen als Quereinsteiger*innen. Heidi Steiner ist eine von ihnen und gibt mit ihrem Werdegang Einblick, wie eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Erwachsenenbildung zu einem neuen Beruf führen kann. Marlene Klotz vom Salzburger Bildungswerk hat ihre Geschichte mit ihr aus der Ich-Perspektive aufgeschrieben.
Mein Weg begann an einem humanistischen Gymnasium in Salzburg. Ich beschäftigte mich mit Literatur und Kultur. Trotzdem entschied ich mich nach der Matura für das HTL-Kolleg für Gebäudetechnik. Ich interessierte mich dafür und die Herausforderung reizte mich: Als junge Frau in die Technik zu gehen, war nicht üblich. Nach dem Abschluss arbeitete ich 30 Jahre im Baugewerbe. Der Ton war manchmal rau, die Branche ist männerdominiert. Ich bin stolz, hier meinen Weg gemacht zu haben – aber mit der Zeit stellte ich mir die Frage: Macht es mir wirklich noch Spaß, Projekte nur schnell und kostengünstig abzuschließen oder gibt es vielleicht doch etwas, das mich erfüllt und mehr mit Menschen zu tun hat?
Ich begann, mich neben meinem Beruf in der Gemeinde Grödig zu engagieren. Seit 2010 bin ich in der Gemeindevertretung. In einer Sitzung stellte das Salzburger Bildungswerk das „Repair Café“ vor. Mir gefiel die Idee, einen Ort zu schaffen, wo Menschen sich treffen und kaputte Dinge mit ehrenamtlichen Helfern reparieren. So organisierte ich ein Team und es kam zum ersten Repair Café in Grödig im Mai 2017.
Start als ehrenamtliche Bildungswerkleiterin mit erfüllenden Aufgaben
2020 übernahm ich ehrenamtlich die Leitung des örtlichen Bildungswerks. Neben dem Repair Café organisiere ich Bildungsveranstaltungen, etwa Vorträge zum Thema Künstliche Intelligenz oder ein Pilgerkabarett. Alljährlich gibt es „meinen“ Spaziergang mit Geschichte. Heuer kamen Orte der Zeitgeschichte inklusive Erzählungen von einem Grödiger Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs dran. Die vielen Besucher*innen und ihr positives Feedback sind mein Motor.
Als Bildungswerkleiterin erledige ich viele Aufgaben alleine, daher sind für mich die Unterstützung der Gemeinde und der Direktion des Salzburger Bildungswerkes sehr wichtig. Besonders schätze ich die Vernetzungstreffen, die Weiterbildungen sowie Studienreisen und Exkursionen. So bekomme ich neue Impulse und tausche mich mit anderen Bildungswerkleiter*innen aus. Heuer wurde ich etwa zu einer dreitägigen Studienreise nach Wien mit Einblicken in die österreichische Demokratie und ihre politischen Institute eingeladen. Das Ehrenamt gibt mir also viel zurück, obwohl es neben der Arbeit herausfordernd sein kann.
Weg vom Baugewerbe und Neuausrichtung mit einer Weiterbildung
Irgendwann fühlte sich die Arbeit in der Privatwirtschaft nicht mehr richtig an. Es ging hauptsächlich ums Geld, alles geschah unter Zeitdruck ohne Rücksicht auf das Menschliche. Wenn man älter wird, fragt man mehr nach dem Sinn des Tuns. Geht es nur ums Geld? So beschloss ich, mich neben der Arbeit weiterzubilden. Ich absolvierte den Diplomlehrgang Kunst- und Kulturmanagement am Wirtschaftsförderungsinstitut Salzburg. Danach fühlte ich mich inspiriert und ging auf Jobsuche.
Projektmanagerin bei der EUREGIO – mein idealer Beruf heute
Im September 2023 wechselte ich zur EUREGIO Salzburg- Berchtesgadener Land- Traunstein. Dort arbeite ich als Projektmanagerin vor allem in den Bereichen Kultur und (Erwachsenen-)Bildung. Konkret geht es darum, Projekte grenzüberschreitend zwischen Salzburg und Bayern mittels EU-Geldern zu ermöglichen. Zum Beispiel kommt jemand auf mich zu, um einen Workshop mit Poetry Slam, eine Art Dichterwettbewerb, mit Teilnehmenden beidseits der Grenze auf die Beine zu stellen. Ich sehe mir das Projekt und die Möglichkeiten der Finanzierung an. Nicht alle Projekte betreffen nur Erwachsene. Einmal begleitete ich ein Projekt, bei dem Volksschulkinder aus Hallein und Traunstein selbst ein Buch geschrieben, gedruckt und es vorgestellt haben. Die Anzahl und Vielfalt der Projekte sind enorm und für mich ist es das Schönste, das aus den Menschen zu holen, was in ihnen steckt und sie zu unterstützen.
Nebenher bin ich nach wie vor als Bildungswerkleiterin aktiv. Außerdem bin ich mittlerweile zweite Vizebürgermeisterin von Grödig und EU-Gemeinderätin.
Welchen Tipp ich anderen geben würde
Stelle dich neuen Herausforderungen und bleibe neugierig. Das Ehrenamt gibt gute Möglichkeiten und Erfahrungen, die man auch beruflich nutzen kann. Ich denke, darüber hinaus ist es wichtig, sich neben der ehrenamtlichen Erfahrung auch fachlich weiterzubilden. Für mich war der Diplom-Lehrgang sehr wichtig, um mich gut im neuen Beruf zurechtzufinden, mich sicher zu fühlen und auch wieder neue Netzwerke zu spinnen. Die Mischung aus Learning by doing und Ausbildung war für mich perfekt.
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