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Bildung im Haus - Einzugsbegleitung der Stadt Innsbruck

18.11.2020, Text: Elisabeth Meze, Geschäftsstelle für BürgerInnenbeteiligung der Stadt Innsbruck und Margarete Ringler, Tiroler Bildungsforum, Redaktion: Julia Janovsky, Tiroler Bildungsforum/Ring ÖBW
Smarte Gebäude brauchen smarte BewohnerInnen – die Stadt Innsbruck gibt Neo-BewohnerInnen Informationen, um ihr neues Zuhause nachhaltig mitzugestalten.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, Elisabeth Meze , Workshop Feuerlöschübung, auf erwachsenenbildung.at
    Neo-BewohnerInnen beim Workshop Brandschutz und Verhalten im Brandfall mit Feuerlöschübung.
  • Alle Rechte vorbehalten, Tiroler Bildungsforum, Gemeinschaftsgärten, auf erwachsenenbildung.at
    Naturnahes Gestalten des Lebensraumes: Workshops zeigen, wie gemeinsam etwas wachsen kann.
Gebäude werden bisher in vielen Details hinsichtlich Baustoffe, Energie und städtebaulichen Kriterien wie Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr und Nahversorgung zertifiziert. Doch damit ein smartes Gebäude optimal funktioniert, braucht es auch smarte BewohnerInnen.

 

In Innsbruck wurde im Sommer und Herbst 2020 eine Pilotstudie in einer städtischen Wohnanlage der Neuen Heimat Tirol mit 118 Wohnungen (ca. 250 Personen) umgesetzt, bei der die BewohnerInnen vor Wohnungsübergabe in drei Workshops und einer Exkursion umfangreiche Informationen zu allen Aspekten des nachhaltigen Wohnens erfahren haben. Außerdem konnten die BewohnerInnen sich so bereits vor dem Einzug kennenlernen. "Denn eine stabile gute Nachbarschaft ist der Schlüssel in eine klimafreundliche und nachhaltige Zukunft", so Elisabeth Meze, Geschäftsstelle für BürgerInnenbeteiligung, Stadt Innsbruck, Projektleiterin und Entwicklerin der Workshopreihe.

 

Das Tiroler Bildungsforum ist Teil der Initiative. Der seit über 70 Jahren in der gemeinwesenorientierten Bildungs- und Kulturarbeit tätige Verein treibt nachhaltiges Entwickeln und Handeln im ökologischen, sozialen, ökonomischen und demokratiepolitischen Kontext mit Bildungsangeboten voran.

Zukunft braucht Wissen

Neben der Stärkung der Nachbarschaft und dem Entwickeln identitätsstiftender Grundlagen ist das Ziel der Bildungsmaßnahme, einen aktiven Beitrag zu Energie-, Klimaschutz, Mobilität und Ressourcenschonung zu leisten und damit das Verständnis und Wissen rund um nachhaltiges Wohnen zu ermöglichen. Durch den aufbauenden Charakter werden Bedürfnisse der MieterInnen besser berücksichtigt und die Eigenverantwortung der MieterInnen betont. Die Integration der Workshops in diese Form der Einzugsbegleitung spricht Zielgruppen an, die oftmals schwerer für Themen der Nachhaltigkeit erreichbar sind. Wissen wird in verdaulichen Portionen anschaulich und dialogbasiert kommuniziert, gemeinsam erarbeitet und letztlich erlebt.

Werkzeugkoffer gefüllt mit Wissen

Die Veranstaltungen bieten eine Art Werkzeugkoffer, aus dem jede/r MieterIn herausgreift, was für die eigenen Lebensumstände wichtig erscheint. Von nutzugsrelevanten Themen, die das kooperative Zusammenleben fördern, über Ratschläge zu Klimaschutz und Energiesparen im Haushalt und Alltag bis hin zu Tipps rund ums stressfreie Übersiedeln oder Sharing-economy ist das Workshopangebot breit aufgestellt. Unterschiedliche Organisationen stellen dazu mit ihren ReferentInnen die Expertise zur Verfügung.

 

Eine dieser Organisationen ist das Tiroler Bildungsforum, das insbesondere für den urbanen Raum Gemeinschaftsgärten als wichtige Bildungsorte identifiziert und für die durch Covid-19 noch offensichtlicher gewordene Bedeutung des Naturraums – und sei er noch so klein - zur psychosozialen Gesundheit eintritt. BürgerInnen haben die Kompetenz, diesen Naturraum im Sinne der Biodiversität aber auch der Eigenversorgung naturnah zu gestalten. In Kurzworkshops wurde Einblick in das Thema gegeben und Wissen dazu (weiter-)entwickelt. Weiterführende Workshops im Frühjahr werden mit dem Know-how aus der Community das Thema des "Balkon-Gartlns" - also des Grün- und Lebensraumes am Balkon - vertiefen. "Wir müssen altes Wissen wecken und verbreiten. Sich über Balkon-Kräuter und Gemüse auszutauschen, schafft nicht nur Gesprächsstoff zwischen NachbarInnen, sondern spart Geld, macht gesunde Ernährung sichtbar, vergrößert den Wohnraum ins Freie und steigert die Lebensqualität auf allen Ebenen", so Matthias Karader vom Tiroler Bildungsforum.

Die Idee trägt Früchte

Das Projekt ist für den heurigen Klimschutzpreis nominiert [Update der Redaktion vom 26.11.2020]. Eine Befragung der TeilnehmerInnen nach den Startworkshops im Herbst ergab zudem, dass sich über 90 % willkommen und durch die Teilnahme an den Workshops ernstgenommen fühlen. Dass die Workshops Einfluss auf eine nachhaltigere Lebensweise haben, denken knapp 60 % der Befragten. Auf jeden Fall empfehlen mehr als zwei Drittel aller Beteiligten das Format auch in anderen Häusern anzuwenden, da die Workshops neben der Wissenserweiterung eine gute Gelegenheit boten, und weiter bieten werden, andere BewohnerInnen kennenzulernen.

 

Diese Ergebnisse bestätigen den im Tiroler Bildungsforum gelebten Claim "Bildungsorte sind Begegnungsorte".

 

Mag.a Dr.in Elisabeth Meze MSc. ist Leiterin der Geschäftsstelle für BürgerInnenbeteiligung der Stadt Innsbruck. und Margarete Ringler, MAS ist Geschäftsführerin des Tiroler Bildungsforums.

Dieser Text ist nicht lizenziert, die Rechte liegen beim Urheber / bei der Urheberin. Er darf ohne Erlaubnis zur Verwertung nicht verwendet werden.
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