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Wenn Medien-MacherInnen selbst im Rampenlicht stehen

04.07.2019, Text: Lucia Paar, Online-Redaktion
Der Fernsehpreis der Erwachsenenbildung ist 50. In einem Bildband präsentieren die AutorInnen alle PreisträgerInnen seit 1968 und erklären, warum Fernsehen und unabhängige Medien unter Bildungsaspekten weiterhin wichtig bleiben.
  • Foto: CC BY, CONEDU, auf erwachsenenbildung.at
    Blick ins Buch: Die ersten Preisträger 1971 in der Kategorie Fernsehfilm.
Die Zusammenarbeit zwischen Fernsehen und Volksbildung entwickelte sich seit den 1960er Jahren, schreibt der Herausgeber Gerhard Bisovsky in der Neuerscheinung "50 Jahre Fernsehpreis der Erwachsenenbildung". Junge VolksbildnerInnen sahen damals im Fernsehen neue Möglichkeiten für die Bildung. 1968 wurde schließlich der erste Fernsehpreis vergeben. 50 Jahre später sind seine Ziele immer noch aktuell, schreibt Bisovsky: Die Zusammenarbeit von Erwachsenenbildung und Fernsehen unterstützen, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Fernsehen fördern und die GestalterInnen von Programmen und Sendungen für Bildungsanaliegen sensibilisieren. Medienleute, ErwachsenenbildnerInnen und weiter bekannte Persönlichkeiten blicken im Bildband auf 50 Jahre Fernsehpreis der Erwachsenenbildung zurück und erklären, warum Fernsehen und unabhängige Medien unter Bildungsaspekten weiterhin wichtig bleiben.

Medienkompetenz statt Medienbashing: Über die Zukunft

Wie wird es mit dem Fernsehen und dem Fernsehpreis weiter gehen? Dieser Frage gehen die AutorInnen im Sammelband nach. Der Medienhistoriker Fritz Hausjell schreibt: "In einer Zeit, in der Politik, Wirtschaft und Kultur immer stärker ihre PR ausbauen, eigene Medien in neuen Gewändern wieder aufleben lassen, wird ein Teil der Bevölkerung umso heftiger nach unabhängigen und professionell gestalteten Medienleistungen fragen." Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF, betont den hohen Wert des Fernsehpreises für den ORF, der Leistungen im Rahmen des öffentlichen Bildungsauftrags vor den Vorhang hole. Denn: "Der ORF-Bildungsauftrag gewinnt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche im digitalen Zeitalter an Bedeutung", so Wrabetz.

 

Deutlich wird im Buch auch die Verbindung zwischen Bildung und Medien, die dem Fernsehpreis zu Grunde liegt. Medienkompetenz ist ein Stichwort, das bei der Frage nach der Zukunft häufig fällt. "Wir brauchen in Zukunft gewiss mehr kompetentes Publikum, das anspruchsvolle Medienleistungen nicht nur identifizieren kann, sondern auch einfordert.", schreibt beispielsweise Hausjell. Auch Altbundespräsident Heinz Fischer, selbst Präsident eines der preisvergebenden Verbände, betont diesen Aspekt indem er schreibt, dass Medienkompetenz im Unterschied zu "Medien-Bashing" ein kritisch-konstruktiver Zugang zu Medien und Medienberichten sei. Der Fernsehpreis unterstütze diesen kritischen Zugang, so Fischer.

199 verschiedene PreisträgerInnen in 50 Jahren

Insgesamt haben 199 verdiente Medien-MacherInnen eine Auszeichnung im Rahmen des Fernsehpreises für Erwachsenenbildung erhalten. "Auf den Spuren von Joseph Roth" war eine der ersten Dokumentationen, die die Jury mit dem Fernsehpreis geehrt hat. Der ORF hatte die Sendung 1968 zum ersten Mal ausgestrahlt. Die Jury zeigt sich fasziniert wie der Redakteur Eduard von Borsordy es geschafft hatte, aus Fotos und Stadtaufnahmen ein Lebensbild des österreichischen Dichters Joseph Roth zu zeichnen.

 

50 Jahre später geht der Preis an die Sendung "Hass im Internet". Christoph Feuerstein und Oliver Rubenthaler beschreiben darin, warum Menschen im Netz die Hemmungen verlieren und was Hasspostings bei den Betroffenen auslösen. Als "seriös und aus allen Blickwinkel beleuchtet" beschreibt die Jury die Dokumentation, die der ORF im Rahmen von "Thema spezial" ausgestrahlt hatte. "Letztlich betrifft es uns alle und unsere Demokratie", betont die Jury die Relevanz des Themas. Kürzlich wurde nun bereits der 51. Fernsehpreis verliehen, bei dem einige ORF-Produktionen Auszeichnungen erhalten haben.

"Der aussprach, was viele nicht hören wollten..."

Das schreibt die Journalistin Susanne Scholl über Axel Corti. Nach ihm ist jener Preis benannt, den die Jury im Rahmen des Fernsehpreises für besonders wertvolle Leistungen vergibt. Scholl hatte den Axel-Corti Preis selbst im Jahr 2007 erhalten. Sie berichte "objektiv und mutig" von aktuellen Brennpunkten Russlands, begründet die Jury die Preisvergabe. Als "die höchste Ehre" bezeichnet Scholl den Erhalt der Auszeichnung. Zugleich aber sei es auch eine Verpflichtung: "Immer laut sein, ohne zu schreien. Immer aufstehen, ohne zu hetzen. Immer erinnern, ohne zu urteilen." Und: "nie, nie wegschauen, wenn es gilt Zeugnis abzulegen".

 

Blättert man Seite für Seite durch, wird klar, dass es einige Menschen gibt, die sich diesem Anspruch seit vielen Jahren stellen. Der Regisseur und Schauspieler Michael Kehlmann, die Redakteurin, Filmemacherin und Moderatorin Renata Schmidtkunz oder auch der ZIB 2 Anchorman Armin Wolf waren nur einige, deren Leistung mit dem Axel-Corti Preis geehrt wurden.

Fernsehpreis der Erwachsenenbildung

Der Fernsehpreis der Erwachsenenbildung wird von den zehn Verbänden der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) vergeben. Die Auswahl der PreisträgerInnen erfolgt durch eine Jury, bestehend aus fünf VertreterInnen von Print-Medien, zehn VertreterInnen der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) und einem Vertreter der Wissenschaft.
Seit 1996 gibt es einen "Preis der Jury", der zusätzlich zu den drei Spartenpreisen vergeben wird. Seit 1997 trägt dieser Preis den Namen des Theater- und Filmregisseurs Axel Corti.

 

Das Buch "50 Jahre Fernsehpreis der Erwachsenenbildung" ist über das Büro der Medienpreise erhältlich.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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