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"Wissenschaftspädagogik" - einen interdisziplinären Weg beschreiten

29.03.2018, Text: Philipp Wurm
Die Erwachsenenbildung und die Wissenschaftskommunikation betreiben beide „Wissenschaftspädagodik“ auf ihre Art. Gibt es nutzbare Synergien?
  • Foto: CC0 Public Domain, Science Class, https://pixabay.com
    Bei der Wissenschaftspädagogik sollte die Vermittlung wissenschaftlicher Prinzipien sowie forscherischen Denkens und Handelns im Vordergrund stehen.
Mit Stephen Hawking ist kürzlich nicht nur ein renommierter Physiker von uns gegangen, sondern auch ein regelrechter Popstar der Wissenschaft. Seine populärwissenschaftlichen Publikationen wurden Bestseller und haben zum allgemeinen Verständnis komplizierter kosmologischer Phänomene, Thesen und Theorien beigetragen.


Hawking ist damit etwas gelungen, das auch ErwachsenenbildnerInnen tagtäglich beschäftigt: Sein Wissen und seine Ideen so darzulegen, dass diese von Personen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen nachvollzogen werden können. Damit hat er vermutlich nicht nur das Interesse an (Natur-)Wissenschaft geweckt, sondern auch Bildungsprozesse angestoßen. Hawking deshalb als Erwachsenenbildner im engeren Sinne zu bezeichnen würde wohl zu weit gehen. Vielmehr kann man seine Bestrebungen dem Praxisfeld der Wissenschaftskommunikation zuordnen.


Wissenschaftskommunikation schafft Partizipationsmöglichkeiten

Die Wissenschaftskommunikation ist eine Disziplin, die sich mit der zielgruppengerechten Aufbereitung und Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, Denkweisen und Projekten beschäftigt. Die Zielgruppe können dabei beispielsweise PolitikerInnen , JournalistInnen, fachfremde ForscherInnen, interessierte Laien oder Schulkinder sein.
Sicherlich spielen hierbei oft Motive wie Akzeptanz schaffen, Legitimation herstellen oder Imagepflege eine wichtige Rolle (immerhin ist die Forschung von Fördermitteln abhängig). Es werden aber auch gesellschaftlich-pädagogische Ziele verfolgt, wie das Interesse für die Wissenschaft zu wecken, grundlegende Kompetenzen zu vermitteln und dem Wissenschaftsskeptizismus entgegen zu wirken.


Die Wissenschaftskommunikation bemüht sich nicht nur um eine Demokratisierung der Wissenschaften durch Partizipationsmöglichkeiten für Laien. Sie trägt auch aktiv dazu bei, dass die Fähigkeit der BürgerInnen zur sozialen und politische Teilhabe gesteigert wird, indem sie sie etwa für die zukunftsträchtigen MINT-Fächer begeistert oder sie zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit (umwelt-)technischen Herausforderungen befähigt.


Überschneidungen mit der Erwachsenenbildung sind gegeben

Das sind alles Motive, wie wir sie sinngemäß auch aus der Erwachsenenbildung kennen. Es gibt in der Praxis auch immer wieder Berührungspunkte zwischen diesen beiden Disziplinen (bereits in den Anfängen der institutionalisierten Erwachsenenbildung wurde die Popularisierung von Wissenschaft betrieben). Deshalb ist es erstaunlich, wie wenige Überschneidungen man in den jeweiligen Fachdiskursen findet.


Dies könnte daran liegen, dass der Fachdiskurs in der Wissenschaftskommunikation historisch begründet immer noch von NaturwissenschaftlerInnen dominiert wird. Doch gerade, wenn es um didaktisch-pädagogische oder lerntheoretische Fragestellungen geht, könnte die Erwachsenenbildung einen wertvollen Beitrag zur Vermittlung von den in unserer Gesellschaft heute so wichtigen wissenschaftlichen Grundkompetenzen leisten.


Umgekehrt kann die Erwachsenenbildung von der Auseinandersetzung mit den Zugängen in der Wissenschaftskommunikation und mit ihren Bildungsformaten profitieren. Unter Umständen kann man so sogar zu einer gemeinsamen „Wissenschaftspädagogik " finden.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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