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Freiwilligenarbeit zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Bedeutung

13.12.2016, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Persönlichen Motive für freiwilliges Engagement sind vielfältig. Gesellschaftlich kann das Ehrenamt berufliche Arbeit nicht ersetzen, aber ergänzen, so das Ergebnis einer Tagung.
  • Foto: CC0 by Pexels/pixabay.com
    Solidarität? Sich ausprobieren? Motive für das Ehrenamt sind vielfältig.
Am 5. Dezember war Internationaler Tag des Ehrenamtes. Ich habe mich aus diesem Anlass unter ErwachsenenbildnerInnen umgehört und nachgelesen, was sie über freiwilliges Engagement in der Erwachsenenbildung denken. Die Bedeutung des Ehrenamts ist für die freiwillig Tätigen vielfältig. Ihre Motive reichen vom Wunsch zu helfen, über die Absicht, sich politisch zu positionieren, bis hin zum Vorhaben, persönliche Kontakte zu knüpfen. Freiwilliges Engagement kann aber auch als Chance gesehen werden, im beruflichen Feld Fuß zu fassen.

 

Ehrenamt: zwischen Solidarität für andere und sich selbst ausprobieren

 

Die Bedeutung des freiwilligen Engagements war vergangenen Oktober unter anderem Thema einer Fachtagung „Freiwilliges Engagement im Gemeinwesen“ am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb). Sie ist detailreich online dokumentiert. Bettina Hollstein von der Universität Erfurt betonte dort die Möglichkeit, durch freiwilliges Engagement ausdrücken zu können, wie wir uns unsere Gesellschaft vorstellen und was uns wichtig ist. 

 

Wer freiwillig tätig ist zeigt, wie wichtig Solidarität, Partizipation oder Demokratie sind, aber auch, welche Bedeutung Sport oder Musik für uns haben. Freiwilliges Engagement eröffne außerdem Freiräume jenseits der Zwänge der Erwerbsarbeit, die kreativ genutzt werden können und Bildungserfahrung im ganzheitlichen Sinn ermöglichen, so Hollstein. 

 

Renate Ömer vom Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich (BHW NÖ) engagiert sich für Freiwillige, die Flüchtlinge in Deutsch unterrichten. Im Interview spricht sie von den Freiräumen, die freiwilliges Engagement bietet. „Freiwilligenarbeit ermöglicht es, sich zu verwirklichen oder etwas auszuprobieren, was im beruflichen Kontext nicht möglich ist“. Gleichzeitig könne Freiwilligenarbeit aber auch in den beruflichen Bereich hineinwirken, wenn Kompetenzen entwickelt werden oder neue Materialien wie z. B. Lernunterlagen entstehen.

 

Freiwilligenarbeit kann Profis ergänzen, nicht ersetzen

 

Ömer gibt zu bedenken, dass Freiwillige manchmal das Gefühl haben, staatliche Aufgaben würden auf die Zivilgesellschaft abgewälzt. Diese Wahrnehmung wurde auch im Rahmen der eingangs erwähnten bifeb-Tagung kontrovers diskutiert. Die einen meinten in diesem Zusammenhang, dass Freiwillige selbstbewusst und selbstorganisiert genug wären und sich daher nicht ausnutzen ließen. Andere orteten eine Tendenz zur Selbstausbeutung der ehrenamtlich Tätigen.

 

Einig waren die Podiumsgäste sich darin, dass freiwilliges Engagement die hauptberufliche Arbeit immer nur ergänzen und sie nicht ersetzen kann. Anton Hörting vom BMASK äußerte, dass es auch möglich wäre, ohne Freiwilligenarbeit auszukommen. Viele Bereiche müssten dazu aber anders organisiert werden.

 

Auch Hans Rupp vom BHW NÖ betont, dass eine Gesellschaft ohne Ehrenamt organisiert werden könne, zumindest ohne das organisierte Ehrenamt. Spontanes zivilgesellschaftliches Engagement würde es aber immer geben. Aussagen über die Notwendigkeit des Ehrenamts, um das öffentliche Budget zu entlasten, hält Rupp für eine zynische These. „Ehrenamtliche sind keine billigen Ersatzarbeitskräfte. Ihre Arbeit hat eine ganz eigene Qualität, die mit Sparmaßnahmen nichts zu tun hat“. 

 

Bettina Hollstein betonte die Notwendigkeit, den Freiwilligen das Engagement zu ermöglichen. Es gehe jedoch nicht darum, mit Freiwilligenarbeit die Probleme des Staates zu lösen. Eine Unterstützung der staatlichen Aufgaben durch freiwilliges Engagement könne ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht das eigentliche Ziel sein.

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