Bildungsort „GrünRaum“: Ehrenamt schafft ökologische Orte der Begegnung
Grüne Daumen sind keine Voraussetzung, wenn im Rahmen des Projekts „GrünRaum:aktiv II“ des Kärntner Bildungswerks gemeinschaftlich gestaltete Grünräume entstehen. Mitmachen kann jede und jeder – die Beteiligungsmöglichkeiten sind vielfältig: von der Ideensammlung über die Planung und Gestaltung der Flächen bis hin zum Setzen von Bäumen und Sträuchern oder zur Organisation von Aktivitäten, die das Ortsleben beleben. Begleitet werden die freiwillig engagierten Gruppen dabei durch fachliche Beratung und kontinuierliche Unterstützung im Projektverlauf.
Warum Grünraum und Ehrenamt?
Erfahrungen aus früheren Projekten des Kärntner Bildungswerks im Schwerpunkt „Natur im Garten“ zeigen ein stark wachsendes Interesse an naturnah und ökologisch betreuten Gärten. Mit „GrünRaum:aktiv“ wurde daher ein Projekt ins Leben gerufen, das öffentlich zugängliche Grünflächen ökologisch aufwertet und zugleich Orte der Begegnung und Bildung schafft. Damit diese Flächen langfristig genutzt und als gemeinschaftliche Aktivitätsräume wahrgenommen werden, ist es zentral, dass die Menschen vor Ort Planung, Entscheidungen und Umsetzung selbst übernehmen – selbstverständlich in enger Abstimmung mit Gemeinden oder Grundeigentümer:innen, die diese Flächen zur Verfügung stellen.
Was entsteht?
Neben attraktiven, naturnah gestalteten Grünräumen, die sich an den „Natur im Garten“-Kriterien orientieren, wächst vor allem eines: Gemeinschaft. Menschen vernetzen sich, verfolgen ein gemeinsames Ziel und setzen es Schritt für Schritt um.
Im gemeinsamen Tun – beim Diskutieren, Planen, Ausprobieren und manchmal auch beim Ringen um Lösungen – entstehen Beziehungen, Wissenstransfer und neue Kompetenzen. Workshops, Beratungen und Inputs zu Grünraum- und Naturgartenthemen ergänzen diesen Lernprozess. Ist ein Projekt sichtbar erfolgreich, wächst meist auch die Motivation, weiterzumachen und neue Ziele zu entwickeln.
Beispiel Lavamünd
Ganz konkret stellt im Folgenden ein örtlicher Akteur, Franz Loibnegger, das gemeinsame Vorhaben im Rahmen des Projekts „GrünRaum:aktiv II“ in Lavamünd vor, das sich gerade in Umsetzung befindet:
"Ein Platz für Bienen, Wissen und Begegnung: der Bienenlehrplatz Dr. Arthur Mettinger entsteht".
Eine Idee entstand…
Seit fast 40 Jahren betreibe ich als Obmann des Bienenzuchtvereins Lavamünd, meinen Bienenstand direkt neben dem Lavantradweg in Lavamünd. Durch die hohe Frequenz an Radfahrer:innen ergaben sich im Laufe der Jahre immer wieder interessante Gespräche mit Vorbeikommenden, die neugierig Fragen rund um die Imkerei und die Welt der Bienen stellten. Natürlich gaben wir unser Wissen immer gerne weiter. Diese Begegnungen waren der Ursprung einer besonderen Idee: Wissen über die Bienen direkt vor Ort erlebbar zu machen. Vor rund drei Jahren reifte der Gedanke, einen eigenen Bienenlehrplatz zu schaffen – einen Ort, an dem Interessierte aller Altersgruppen mehr über die Honigbiene, aber auch über Wildbienen erfahren können. In ersten Gesprächen mit dem Grundeigentümer zeigten sich rasch Begeisterung und Unterstützung. Dieser stellte großzügig ein Grundstück gegenüber des bestehenden Bienenstandes zur Verfügung – damit war der Grundstein für den Bienenlehrplatz gelegt.
Von der Planung zur Umsetzung…
Etwa zwei Jahre später konnten wir mit Unterstützung und Begleitung des Kärntner Bildungswerks im Rahmen des Projekts „GrünRaum:aktiv I“ in die konkrete Planung starten. Fachliche Beratung erhielten wir dabei durch eine Landschaftsplanerin und Natur-im-Garten-Beraterin. Nach den erforderlichen Genehmigungen begannen zahlreiche Gespräche und Treffen zur Gestaltung, Umsetzung und Finanzierung des Lehrplatzes.
Seit 2025 wird unser Projekt im Rahmen von „GrünRaum:aktiv II“ weiterhin vom Kärntner Bildungswerk betreut und begleitet. Auch das Land Kärnten unterstützt uns über den Kleinprojektefond der Abteilung 10 und es ist uns gelungen, großzügige private Sponsoren für das Projekt gewinnen zu können.
Gemeinsame Arbeit …
In unserem Verein gibt es viele fleißige Helfer:innen, die tatkräftig und mit Begeisterung dabei helfen, den Plan umzusetzen. Bereits im Frühjahr 2025 montierten wir rund um das Gelände Nistkästen, die mittlerweile von einigen Vogelarten bewohnt werden. Die Fläche wurde planiert und Säulen für die zukünftigen Schautafeln gesetzt. Jede:r bringt sich mit seinen Fähigkeiten ein – vom Fertigen der Nirosta-Rahmen für die Beschilderung, über die Auswahl und grafische Darstellung der Infos bis zum Graben der Löcher für das Setzen von heimischen Bäumen und Sträuchern - unzählige Stunden werden investiert. Zusätzliche Unterstützung finden wir in unserer Marktgemeinde, beim Landesverband für Bienenzucht, bei Grafikern und weiteren aktiven Menschen der Region.
Lernen und Erkunden …
Inhaltlich widmet sich der Lehrplatz der Honigbiene, ihrem Leben, ihrer Leistung und den Herausforderungen, denen sie begegnet. Ebenso wichtig ist uns die Wildbiene: Gemeinsam mit dem Kärntner Bildungswerk und der Jugendfeuerwehr Hart fand im November ein Workshop statt, bei dem ein Insektenhotel gebaut und mittlerweile am Lehrplatz aufgestellt wurde. Für 2026 ist zudem ein Sandarium für bodennistende Wildbienenarten geplant.
Unser Ziel ist es, den Besucher:innen – ob Schulklassen, Imker:innen oder vorbeiradelnden Gästen – die wertvolle Bedeutung der Bienen näherzubringen und einen Ort des Austauschs und der Erholung zu schaffen. Sitzmöglichkeiten sollen zum Verweilen und Kraft tanken einladen. Zukünftig ist es geplant, den naturnahen Platz für den Wissensaustausch innerhalb des Vereines zu nutzen, als auch als Platz zur Weiterbildung für Interessierte und Schulen. Ein besonderer Platz also, um das Lehrreiche mit dem Erholsamen zu verbinden - für die Bevölkerung, Radfahrer:innen und alle, die möchten.
Das Um und Auf für einen gemeinsam gestalteten Platz im Grünen
Eine Umsetzung solcher naturnahen Grünräume wäre ohne das Engagement der Menschen vor Ort nicht möglich – jener, die Interesse und Anpack haben, sich einbringen, mittun und auch bereit sind, Aufgaben und damit Verantwortung zu übernehmen, um letztlich das gemeinsame Vorhaben weiterzubringen.
Der gemeinsame Prozess, der für ein Projekt diesen Umfangs über einige Monate andauert, verlangt von den Beteiligten Einiges ab: sich auf andere Sichtweisen einzulassen, das eigene Wissen und Expertise zu teilen, das Know-how von Expert:innen einzubeziehen und vielleicht auch einmal einen Schritt zurückzutreten, wenn es dem großen Ganzen dient. Das Um und Auf also für die Entwicklung eines lebendigen, naturnahen Begegnungs- und Bildungsraums ist das ehrenamtliche Engagement der Beteiligten. Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich engagieren!
In 5 Regionen Kärntens wird das Projekt GrünRaum:aktiv II vom Kärntner Bildungswerk umgesetzt – mit Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union. Nähere Informationen finden Sie unter https://bildungswerk-ktn.at/naturimgarten/ und im Büro des Kärntner Bildungswerks.

Verwandte Artikel
![]()
Klimaschutz in der Erwachsenbildung etablieren
Bildung gilt als wichtige Treiberin für den Klimaschutz. Auch Erwachsenenbildungseinrichtungen können Verantwortung übernehmen: durch nachhaltige Angebote, eigene Maßnahmen und regionale Kooperationen.![]()
Mein Weg vom Baugewerbe in die Erwachsenenbildung
Heidi Steiner arbeitete lange als Ingenieurin – das Ehrenamt im Salzburger Bildungswerk und in der Gemeinde begleiteten sie zu einem neuen Beruf. Heute ist sie Projektmanagerin für Bildung, Kultur und Erwachsenenbildung.![]()
Wie Museen Nachhaltigkeit vermitteln
Im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung setzen Museen wichtige Impulse für eine ökologischere und sozialere Gesellschaft, wie Beispiele aus Österreich zeigen.![]()
Ethische Risiken von KI spielerisch erkennen
Ein interaktives Kartenset ermöglicht die strukturierte Auseinandersetzung mit ethischen Fragen rund um KI und unterstützt Teams dabei, Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren.![Menschen an einem Tisch mit Miniaturen von Bäumen und Windrädern]()
Grüne Transformation in der Bildungsberatung
Die Bildungsberatung Niederösterreich gilt europaweit als Vorzeigebeispiel für Green Guidance. Initiatorin Rosemarie Pichler erzählt über das grüne Umdenken im Netzwerk und was es so erfolgreich macht.![Grafik: Stromkasten mit verschiedenen Kabeln daneben ein blau leuchtendes KI-Symbol mit neuronalem Netz]()
KI, Nachhaltigkeit und die Erwachsenenbildung
Rechenzentren verbrauchen riesige Mengen an Energie. Doch wie sieht es mit der individuellen Nutzung von KI-Chatbots aus? Erwachsenenbildner*innen können Lernende für das Thema sensibilisieren.

_Heidelind_Steiner.webp)



