Basisbildung und Literalität in einer digitalen Welt
Der Weltalphabetisierungstag wird bereits seit 1967 am 8. September begangen, um daran zu erinnern, dass es nach wie vor ein Privileg ist lesen und schreiben zu können. Für das Jahr 2025 hat die UNESCO den Fokus auf die „Förderung der Literalität in der digitalen Welt“ gelegt. Wie die UNESCO erläutert, können digitale Werkzeuge und ein digitales Lernumfeld neue Möglichkeiten (zum Lernen) für Personen mit geringen Grundkompetenzen eröffnen. Gleichzeitig birgt die zunehmende Digitalisierung aber auch das Risiko, dass sich die sogenannte digitale Kluft weiter vergrößert und gering literalisierte Personen doppelt marginalisiert werden. Ihnen fällt es oftmals schwerer sich in der digitalen Welt zurechtzufinden, da es dafür meist bestimmter schriftsprachlicher Kompetenzen bedarf.
Digitale Teilhabe und (Il)Literalität als langfristige Aufgabe in der Basisbildung
Auch in Österreich wird uns die Förderung von digitaler Teilhabe und damit einhergehend den digitalen Kompetenzen der Bevölkerung weiter beschäftigen.
Rückblick: Als im März 2020 aufgrund von Covid-19-Kontaktbeschränkungen Kursgruppen und Lehrende in der Basisbildung in das kalte Wasser namens „Distance Learning“ geschmissen wurden, tat man sein Bestes Lernen weiter zu ermöglichen. Dabei wurden bereits großflächig wichtige Schritte für das Lernen IN der digitalen Welt und MIT digitalen Tools gesetzt. Nach dem Aus der Covid-19-Kontaktbeschränkungen für die Basisbildung sind sehr viele Anbieter schnell zurück zu Vor-Ort-Kursen gewechselt. Der Wechsel vom analogen zum digitalen Lernformat erfolgte im März so unvorhersehbar und abrupt, dass viele danach gerne zum vertrauten Format der Vor-Ort-Kurse zurückkehrten.
Digitale Lernangebote in der Basisbildung weiterdenken und weiterentwickeln
Zurzeit setzt die überwiegende Mehrheit der Basisbildungskurse alleinig auf Vor-Ort-Angebote. Diesen Vor-Ort-Kursen soll keineswegs die Existenzberechtigung oder die Relevanz abgesprochen werden. Es braucht diese Angebote und Orte definitiv, an denen man sich zum gemeinsamen Lernen treffen und das Geschehen abseits des Kurses (zB Verpflichtungen des Alltags) ausblenden kann.
Allerdings kann Digitalisierung neue Wege zur Teilhabe – auch an Basisbildungskursen – schaffen, wenn man sich denn darüber wagt. Vieles kann man bereits seit Jahren sich im Internet anlesen und erlernen. Auch digitale Kurse zB in Form von Webinaren oder MOOCs (massive open online courses) haben sich insbesondere in der beruflichen Fort- und Weiterbildung etabliert. Ein großer Vorteil der digitalen Lernangebote sticht hervor: man kann ortsungebunden teilnehmen.
Was ist mit all jenen Personen, die bisher keinen Basisbildungskurs in der Nähe gefunden haben oder für die die Kurszeiten schwer vereinbar sind? In manchen Fällen wäre auch ein digitales Lernangebot eine passable Alternative. In der jüngeren Vergangenheit konnten Betroffene oftmals digitale Lernangebote im Rahmen von diversen Pilotprojekten kurzfristig wahrnehmen. Wenn ein Projekt endet, sind die Betroffenen oft auf sich allein gestellt, weil es keine alternativen Kursangebote für sie gibt. Ein einzelner Kurs ist oft nur der erste Schritt. Weiterführende Angebote ermöglichen es den Teilnehmenden, ihre Kenntnisse auszubauen, Sicherheit zu gewinnen und ihre persönlichen Ziele nachhaltig zu erreichen. Langfristig betrachtet sind kurzfristige Projekte also nicht nachhaltig.
Für die Zukunft sehen wir uns daher als Basisbildungscommunity mit der Frage konfrontiert, inwiefern wir digitale Angebote in die Kurslandschaft der Basisbildung integrieren können und wollen, um das bestehende Angebot der Vor-Orte-Kurse zu ergänzen und so Allen eine Teilnahme zu ermöglichen.
Wie kann man digitale Literalität im (Vor-Ort-)Kurs fördern?
Die Thematik der digitalen Kluft und der damit einhergehenden digitalen Literalität hat auch das Leseforum Schweiz in seiner neuesten Ausgabe "Digitale (Il)literalität" aufgegriffen. In verschiedenen Fachbeiträgen wird die Förderung digitaler Literalität bei verschiedenen Zielgruppen behandelt. So beleuchtet zB die schweizer Professorin Fabienne Senn (Deutschdidaktik und Mehrsprachigkeit im Kindesalter) in ihrem Artikel zunächst grundlegend, wie das SAMR-Modell von Puentedura (2006) bei der Gestaltung von digitalen Aufgaben Orientierung bietet. Konkreter zeigt Senn Beispiele dafür, wie Texte im Unterricht Sekundarstufe kooperativ und digital verfasst werden können. Hier lassen sich bereits erste Impulse für die eigene Praxis als Erwachsenenbildner*in bzw Basisbildner*in finden, auf welche Weise und mit welchen Tools man die digitale Literalität der eigenen Teilnehmenden möglicherweise fördern könnte. Weitere Anregungen finden sich auch in Publikationen der Plattform Literacy.at. Am 2. Dezember findet auch eine Veranstaltung zur „Leseförderung in einer digitalisierten Gesellschaft“ statt, zu der auch Vertreter*innen aus der Basisbildung eingeladen sind.
Viele Wege führen zur digitalen Teilhabe
Inwieweit einzelne Methoden und der Einsatz von bestimmten digitalen Tools für die eigene Praxis adaptiert werden können, muss im Einzelfall mit Bedacht und unter Berücksichtigung der konkreten Rahmenbedingungen und der Kompetenzen, Bedarfe und Bedürfnisse der Kursteilnehmenden abgewogen werden. Denn letztendlich ist die Basisbildung als Feld so vielfältig, wie es auch die Teilnehmenden selbst sind. Es gibt nicht die eine Methode, das eine Tool oder den einen Weg für das Arbeiten und Lernen in der Basisbildung. Wie immer gilt es einfach „Neues“ auszuprobieren und nach Bedarf zu adaptieren gemäß der Prämisse „Versuch macht klug“.
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