Netzwerkstrukturen in Österreich: Potenziale und Beispiele

28.08.2025, Text: Antonia Unterholzer, Redaktion/CONEDU
In der Erwachsenenbildung gibt es verschiedene Vernetzungsmöglichkeiten. In kleinen Interessenverbänden, nationalen Netzwerken oder transnationalen Plattformen können Erwachsenenbildner*innen sich austauschen und zusammenkommen.
Glühbirnen an Wand
Auf lokaler und regionaler Ebene entstehen oft kollegiale Verbindungen wie Arbeitskreise oder Stammtische.
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Zur Förderung von Austausch und der gemeinsamen Positionierung haben sich im Feld der Erwachsenenbildung vielfältige Netzwerkstrukturen etabliert. Sie dienen als analoge und digitale Plattformen, um Zusammenarbeit und fachlichen Diskurs zu ermöglichen. Die Redaktion des Instituts CONEDU hat sich das Thema Netzwerke näher angesehen und bringt Beispiele zu Fachverbänden, (Online-)Plattformen sowie Interessenvertretungen, die in Österreich aktiv sind.

Was sind Netzwerke?

Ein „Netzwerk“ besteht aus einer Gruppe von Menschen, die durch persönliche, berufliche oder gesellschaftliche Beziehungen miteinander verbunden sind oder in einem fachlichen Austausch stehen.

In formalen oder professionellen Netzwerken schließen sich Personen offiziell zusammen, etwa innerhalb eines bestimmten Arbeits- oder Fachkontexts. Sie sind zumeist von gemeinsamen Interessen geprägt und vereinen Menschen in gleichen oder ähnlichen Handlungsfeldern. Beispiele hierfür sind gewerkschaftliche Berufsverbände, Interessenvertretungen oder themenspezifische Initiativen.

Im Kontext digitaler Entwicklungen haben sich in Blogs, Foren oder Sozialen Medien verschiedene Online-Communities herausgebildet, in denen Erwachsenenbildner*innen sich virtuell und oftmals international vernetzen können.

Netzwerke in der Erwachsenenbildung

Netzwerke der Erwachsenenbildung gibt es auf lokaler, nationaler, regionaler und transnationaler Ebene, so die Herausgeber*innen der 48. Ausgabe des „Magazin erwachsenenbildung.at“ über Netzwerke(n) in der Erwachsenenbildung. In der Erwachsenenbildung können sie dabei helfen, ein gemeinsames Selbstverständnis zu entwickeln, kollektive Interessen sichtbar zu machen sowie Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Außerdem können sie die Basis für verschiedene Kooperationsmöglichkeiten bieten, fachliche Weiterentwicklung fördern sowie die Handlungsfelder und Bildungseinrichtungen strukturell stärken.

Dabei haben sich verschiedene Formen der Vernetzung etabliert: Es gibt praxisorientierte und erwachsenenbildungswissenschaftliche Netzwerke, die Raum für kollegialen Austausch, fachliche Weiterentwicklung und Zusammenarbeit bieten. Diese Netzwerke können offen sein und sich an alle Erwachsenenbildner*innen – von Wissenschaft bis Praxis – richten oder fachspezifisch sein. Manche Netzwerke richten sich auch ausschließlich an Bildungseinrichtungen, die sich mit anderen Organisationen vernetzen wollen.

Good-Practice: lokale und regionale Netzwerkstrukturen in Niederösterreich

Netzwerke müssen nicht groß oder europaweit tätig sein, um ihre Wirkung zu entfalten. Gerade auf lokaler und regionaler Ebene entstehen oft beständige und kollegiale Verbindungen. Zum Beispiel informelle Arbeitskreise, trägerübergreifende Kooperationen oder themenspezifische Stammtische.

Ein Beispiel für gelungene regionale Netzwerkarbeit ist das Projekt „Wissbegierige Bildungsregion“ im Weinviertel-Manhartsberg. Ziel des Projekts war es, Bildung sichtbarer und zugänglicher zu machen. Zu diesem Zweck wurden dezentrale „Bildungsräume“ in Gemeindezentren geschaffen und eine stärkere Vernetzung regionaler Bildungsakteur*innen gefördert und etabliert.

Es wurden lokale Netzwerke aufgebaut, regelmäßige Abstimmungs- und Vernetzungstreffen organisiert, Schulungen angeboten und Bildungsbörsen veranstaltet, wie die Projektleiter*innen berichten. Dort trafen sich lokale und überregionale Akteur*innen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft und Verwaltung, um voneinander zu lernen und gemeinsame Bildungsangebote zu entwickeln.

Besonders erfolgreich waren dabei laut den Projektleiter*innen die Angebote, von denen die Beteiligten einen konkreten Nutzen hatten. Dazu zählen Weiterbildungsangebote, Projektpartnerschaften und öffentlichkeitswirksame Aktivitäten.

Netzwerke auf Landesebene

Zum Teil sind Netzwerkstrukturen auf Landesebene aktiv und fördern dort gezielt die Vernetzung sowie einen Strukturaufbau und bilden damit eine Basis für mögliche Kooperationen. Jedes Bundesland in Österreich hat ein eigenes Bildungsnetzwerk für die Erwachsenenbildung:

Zumeist entwickeln die bundeslandbezogenen Netzwerke Angebote und Strukturen, die den Zugang zu Bildung erleichtern, die Erwachsenenbildung sichtbarer machen und regionale Bildungsakteur*innen miteinander vernetzen sollen. Dies geschieht beispielsweise durch Beratungsformate, Informationsplattformen oder Weiterbildungsmaßnahmen für Bildungsaktive oder Erwachsenenbildner*innen.

Nationale Verbände in Österreich: Von der KEBÖ bis hin zu kleinen Netzwerken

In Österreich gibt es zahlreiche Netzwerke, in denen sich Erwachsenenbildner*innen aber auch Bildungseinrichtungen vernetzen können: Zum Beispiel sind die bundeslandbezogenen Netzwerke Teil des Ländernetzwerkes Weiter.Bildung. Dieses ist eine Initiative der Landesarbeitsgemeinschaften für Erwachsenenbildung, des öffentlichen Büchereiwesens sowie der jeweiligen Abteilungen der Landesverwaltungen.

Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) bündelt als Dachverband die zehn größten Erwachsenenbildungseinrichtungen des gemeinnützigen Sektors. Die KEBÖ fungiert somit als zentrale Stimme der Erwachsenenbildung, übernimmt die Interessenvertretung und setzt sich für eine Professionalisierung des Handlungsfeldes ein.

Neben großen nationalen Zusammenschlüssen – meist getragen von anerkannten, gemeinnützigen Bildungseinrichtungen – gibt es auch kleinere Verbände, in denen sich Praktiker*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Erwachsenenbildung vernetzen können.

Beispielhaft für einen fachspezifischen Zusammenschluss ist das Forum Basisbildung. Es öffnet einen Raum für bildungspraktisch tätige und bildungswissenschaftlich arbeitende Fachleute aus der Basisbildung, um Vernetzung und Austausch zu fördern und Expertise zu bündeln.

Ein Netzwerk, das sich an alle richtet, die an den problematischen Aspekten der Erwachsenenbildung interessiert sind, ist die Initiative Kritische Erwachsenenbildung. Sie setzt sich für eine differenzierte Auseinandersetzung mit Erwachsenenbildung ein und verfolgt das Ziel, Theorie und Praxis stärker miteinander zu verbinden, indem sie Forschende und Praktiker*innen zusammenbringt. Im Rahmen der Initiative und in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie mit Personen aus Wissenschaft und/oder Erwachsenenbildung führt sie Forschungsprojekte und Veranstaltungen durch.

Das EU-weite Netzwerk EPALE

Ein Beispiel für transnationale und digitale Netzwerke ist die Plattform EPALE - Electronic Platform for Adult Learning in Europe: EPALE ist eine mehrsprachige und offene Online-Plattform für Fachleute aus der europäischen Erwachsenenbildung und wird von mehr als 100.000 Personen genutzt. Über die Plattform können Akteur*innen der Erwachsenenbildung – von Praktiker*innen bis hin zu politischen Entscheidungsträger*innen – aus ganz Europa miteinander in Kontakt treten, Erfahrungen teilen und voneinander lernen. Über die Plattform erhalten sie Zugang zu Blogbeiträgen, Unterrichtsmaterialien und anderen Ressourcen. Zudem bietet sie ein Tool zur Partnersuche für Projekte und veranstaltet jährliche Konferenzen und Tagungen.

Weitere Informationen:

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

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