Grüne Transformation in der Bildungsberatung
Seit dem Frühjahr richtet sich die Online-Plattform Green Jobs for you mit Informationen rund um grüne Berufe, Aus- und Weiterbildungen auch gezielt an Erwachsene. Die Website besteht seit 2021 und wird von der Bildungsberatung Niederösterreich (bbn), im Auftrag des Landes Niederösterreich, umgesetzt. Für die bbn markierte der Start der Plattform gleichzeitig den Auftakt, ökologische Nachhaltigkeit im Netzwerk zu verankern und das Konzept Green Guidance in den Beratungsalltag zu integrieren. Wie das gelungen ist und warum ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit auch in der Bildungsberatung notwendig ist, beantwortete Rosemarie Pichler, Projektleiterin des Netzwerks Bildungsberatung Niederösterreich, im Gespräch mit der Redaktion.
Mit der AG Green Guidance Nachhaltigkeit in der Organisation verankern
Nachhaltigkeit ist ein klassisches Querschnittsthema, das vielen wichtig ist, für das es aber meist kaum Ressourcen gibt. Oft sind es einzelne Personen in Organisationen, die versuchen, das Thema voranzutreiben. Rosemarie Pichler ist Pädagogin und auch Raumplanerin. Mit Nachhaltigkeit beschäftigt sie sich deshalb schon lange und sie liegt ihr am Herzen. Mit dem Website-Projekt konnten finanzielle Mittel für Green Guidance akquiriert werden. Noch wichtiger aber: Pichler fand Weggefährt*innen, um Nachhaltigkeit im Netzwerk lebendig zu machen. Der Arbeitsgruppe Green Guidance gehören sieben Personen aus fünf Organisationen an – darunter Beraterinnen und Projektleiterinnen. „Wir sind die Nachhaltigkeitsbeauftragten“, stellt Initiatorin Rosemarie Pichler das Team vor. Damit sei ein wichtiger Qualitätssprung gelungen, da das Thema nicht mehr nur durch eine Einzelperson getragen werde. Gemeinsam ist es ihnen gelungen, die ökologische Nachhaltigkeit als Querschnittsziel im Leitbild zu verankern und Green Guidance in das Beratungsverständnis einfließen zu lassen.
Was ist Green Guidance?
Green Guidance ist die Bildungs- und Berufsberatung mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Sie unterstützt Ratsuchende dabei, ihre Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen im Bewusstsein um die Klima- und Umweltsituation zu treffen, so definiert es die Arbeitsgruppe in Niederösterreich.
Berater*innen brauchen Detailwissen, beispielsweise zu technischen Berufen, oder auch regionales Wissen zu grünen Betrieben oder Arbeitsfeldern, um so Kund*innen mögliche Perspektiven aufzuzeigen. Das gelingt in Niederösterreich durch viele Weiterbildungen und Exkursionen. „Wenn ich einmal ein Abfallunternehmen besucht habe und mir die technischen Ausbildungswege angesehen habe, kann ich das Thema in der Beratung viel leichter aufgreifen“, erklärt Pichler. Die Website Green Jobs for you fügt sich hier gut ein. Für Interessierte ist sie ein guter Einstieg, um mehr über nachhaltige Berufs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu erfahren. Sie bietet Infos zu Begriffsdefinitionen und stellt Betriebe in den Regionen vor. Für die Berater*innen hat sie sich so auch zu einem relevanten Wissensmanagement-Tool entwickelt.
Green Jobs im Beratungsalltag greifbar machen
Tatsächlich kommt der Wunsch nach einem grünen Job nur selten von den Kund*innen selbst. Es liegt an den Berater*innen, das Berufs- und Ausbildungsfeld für die Kund*innen zu öffnen und greifbar zu machen. „Für viele Kundinnen und Kunden sind Green Jobs noch immer ein sehr abstraktes Thema, das mit dem Alltag nicht viel zu tun hat – aber hier gibt es vor allem auch regionales Potential“, so Pichler.
Die Weiterbildungsstudie 2025 zeigt, dass „Green Jobs“ von österreichischen Unternehmen als eines der wichtigsten Weiterbildungsthemen gesehen wird. „Jugendliche haben zu diesem Thema einen anderen Bezug als Erwachsene – vielleicht durch ihr Betroffen-Sein von dem Thema, aber natürlich auch durch Bewegungen wie „Fridays for future“ findet Rosemarie Pichler. „Klar ist aber auch, dass die vielen Arbeitskräfte und Berufe, die wir zukünftig hinsichtlich Green Jobs brauchen, nicht allein durch Jugendliche gedeckt werden können – wir brauchen auch Erwachsene, die bereits im Arbeitsleben stehen“, so Pichler.
Green Guidance bedeutet nicht, das Thema Nachhaltigkeit den Kund*innen aufzudrängen. Es gilt weiterhin zuallererst kund*innenzentriert zu arbeiten. „Wenn aber Kund*innen zum Beispiel mit dem Anliegen kommen, zukünftig in einem Beruf arbeiten zu wollen, der Sinn macht und meist an etwas Soziales denken, dann können Berater*innen hier neue Perspektiven hin zu nachhaltigen Berufen öffnen“, veranschaulicht es Pichler in der Praxis.
Warum ganz Europa wissen will, wie Green Guidance in Niederösterreich gelingt
In den vergangenen Jahren waren die Niederösterreicher*innen viel auf Fortbildungen, Kongressen und Vernetzungstreffen unterwegs. Während anfangs sie diejenigen waren, die Wissen zu Nachhaltigkeit und Bildungsberatung gesammelt haben, sind sie nun immer öfter Inputgeber*innen: „Es gibt einige Länder, die sich auf theoretischer Ebene damit auseinandersetzen, wie zum Beispiel im Projekt green-guidance.eu. Tatsächlich findet sich aber kaum ein Projekt wie unseres, das in der konkreten Umsetzungsarbeit mit der Zielgruppe ist. Es ist so konkret, weil wir es auf Jobs, Betriebe, Workshops und Beratung heruntergebrochen haben. Man kann tatsächlich etwas buchen.“
Weiter auf einem klimafreundlichen Weg
Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Bildungsberatung Niederösterreich Kultur geworden. Es findet sich in den Selbstreflexionsbögen der Berater*innen, Werbematerialien werden in einer zertifizierten Druckerei gedruckt und die Mitarbeiter*innen bemühen sich Events möglichst grün auszurichten. Gleichzeitig stoßen sie auch immer wieder an Grenzen, zum Beispiel beim Versuch Beratungsstandorte nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit E-Car-Sharing zu erreichen. Für den Herbst erstellt die Arbeitsgruppe Green Guidance gerade ein neues Workshopkonzept, um Kund*innen und auch Multiplikator*innen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Sie wollen damit auch ganz gezielt vulnerable Zielgruppen erreichen und in Einrichtungen des 2. Arbeitsmarkts gehen. Und abgerundet bringt es Rosemarie Pichler auf den Punkt: „Das Thema ist unseres geworden.“
Serie und Dossier zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Hochwasser, Waldbrände, Hungersnot – Expert*innen der Klimaforschung warnen vor den Folgen extremer Wettereignisse durch den Klimawandel. Bildung ist gefordert Aufklärungsarbeit zu leisten, Diskurse zu ermöglichen und „grüne“ Kompetenzen zu fördern. Wo setzt die Erwachsenenbildung an? In der Serie „Klima- und Umweltschutzbildung“ und dem Dossier „Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung“ widmen wir uns dieser Frage.
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