Online-Gespräch: Auswirkungen der Corona-Krise auf die Erwachsenenbildung
Rasche Reaktion auf geänderte Rahmenbedingungen durch Corona
Margarete Ringler skizzierte die Situation für das Tiroler Bildungsforum (TBF): Das TBF verfügt über 82 Zweigstellen in 170 Tiroler Gemeinden mit in Summe 700 ehrenamtlich Mitarbeitenden und bietet u.a. Kurse im Sprach- und Bewegungsbereich, zu Digitalisierung sowie Angebote zur Gemeinschaftsbildung oder zu aktuellen Themen an. Zusätzlich betreut das TBF u.a. Orts-ChronistInnen, Repair-Cafés und Gemeinschaftsgärten und führt die Tiroler Vereinsakademie zur Stärkung des Freiwilligenengagements in den Regionen.
Die lokal verankerte Erwachsenenbildung reagierte schon beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 rasch auf die geänderten Rahmenbedingungen: In kurzer Zeit wurden von den Zweigstellen 300 kostenlose Online-Angebote generiert. "Wir sind auch in herausfordernden Zeiten für euch da" war das Signal der Ehrenamtlichen an ihre MitbürgerInnen vor Ort. Auch bei der zweiten Welle im Herbst 2020 zeigten sich haupt- wie ehrenamtliche Mitarbeitende anfänglich ausgesprochen engagiert und fanden gute Lösungen, Maßnahmen einzuhalten. Allerdings führten die sich ständig ändernden öffentlichen Vorgaben betreffend Corona zunehmend zu Resignation. Im Online-Bereich wurden viele Ehrenamtliche und alle Hauptamtlichen zwar gut ausgebildet, es zeigten sich jedoch Ermüdungserscheinungen.
Dieses Auf und Ab in der Bildungsarbeit scheint sich auch derzeit fortzusetzen – die Befürchtung ist, dass mit den Unsicherheiten viele Ehrenamtliche wegbrechen werden. Der regelmäßige Kontakt vor Ort von den Haupt- zu den Ehrenamtlichen ist ein wichtiger Motivationsfaktor, jetzt finden viele Treffen online oder telefonisch statt. "Wir versuchen mit kleinen Gesten weiterhin Anerkennung zu vermitteln", so Margarete Ringler. So verschickt die Landesgeschäftsstelle auch kulinarische Aufmunterungen an ihre Ehrenamtlichen, um die Wertschätzung auszudrücken.
Schub an Innovationen – insbesondere beim Einsatz digitaler Tools
Gerald Danner vom Katholischen Bildungswerk (KBW) der Diözese St. Pölten beschrieb die Herausforderungen für das KBW: Das KBW ist in 220 Pfarren mit 674 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen engagiert und bietet Angebote zu Eltern- und SeniorInnenbildung, Persönlichkeitsbildung und u.a. zu den Themen Glauben, Soziale Verantwortung und Gesundheit.
Auch für das KBW stellte sich die Zeit der Pandemie als Fahrt mit der Berg- und Talbahn, als Zeit großer Unsicherheit dar – als Wechselspiel von Planen, Absagen und Neuplanen. Dies bedeutete für die hauptamtlich Mitarbeitenden von der Arbeitsbelastung her, aber auch emotional, große Herausforderungen. Gleichzeitig brachten die geänderten Arbeitsbedingungen einen Schub an Innovationen, vor allem was den Einsatz digitaler Tools oder Arbeit im Homeoffice angeht. In Summe wurde einerseits in vielen Bereichen erfolgreich Neuland betreten, andererseits gab es große Betroffenheit über die Vernichtung bereits geleisteter Arbeit.
Die Kommunikation mit den großteils sehr engagierten Ehrenamtlichen konnte rasch auf virtuelle Kanäle umgestellt werden. Digitale Angebote, welche die Ehrenamtlichen ihrerseits in den Gemeinden für die Bevölkerung gesetzt haben, wurden allerdings wenig angenommen. Es erwies sich einmal mehr, dass vor Ort der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch gesucht wird.
Wirtschaftlich haben die staatlichen Corona-Hilfen geholfen Einnahmenausfälle zu kompensieren. Wichtig in diesem Kontext ist auch die Solidarität von Trägern, Ländern und Bund mit den Einrichtungen.
Unterfinanzierung der Erwachsenenbildung vs. Flexibilität und Improvisationskraft
Elke Gruber vom Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz verwies auf die Stärken und Schwächen der Erwachsenenbildung in Österreich, die durch die Pandemie wie durch ein Brennglas sichtbar wurden:
Zu den Schwächen zählt die notorische Unterfinanzierung, anfängliche Mängel in der technischen Ausstattung sowie die unterschiedlichen Bedingungen von allgemeiner und beruflicher Erwachsenenbildung. Als Stärken skizzierte Elke Gruber die hohe Flexibilität und Improvisationskraft der Mitarbeitenden sowie die hybride Mitarbeitenden-Kultur (Haupt- und Ehrenamtliche), die einen hohen Regionalisierungsgrad der Erwachsenenbildung ermöglicht. "In Summe ist es gut gelungen, auf Herausforderungen der Pandemie zu reagieren", so Elke Gruber.
Sie warnte allerdings vor einer Überschätzung der Möglichkeiten digitaler Formate: Digitales funktioniert überall, wo es um Wissensvermittlung geht – darüber hinaus werden Beschränktheiten spürbar.
Resümierend konstatierten die Gesprächs-PartnerInnen, dass die Erwachsenenbildung in der Pandemie ihre gesellschaftliche Relevanz bewiesen und ihr Potential gezeigt hat, Herausforderungen zu meistern. Es bleibt die Hoffnung, dass sie als wichtiger Bildungsbereich – auch finanziell – künftig verstärkt Anerkennung erfährt.
- Veranstaltungswebsite des Online-Gesprächs "Erwachsenenbildung und Corona"
- Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung (oieb)
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