Wie bleiben wir im Gespräch?
Der Beitrag von Erwachsenenbildung angesichts von Spaltung und Polarisierung
Als Bürger:innen und Erwachsenenbildner:innen kann eine verschärfte Polarisierung erlebt werden. Nach der Corona-Pandemie haben vor allem der Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Krieg in Gaza die Polarisierung auch dort vorangetrieben, wo in Milieus lange Zeit recht einheitlich gedacht und gefühlt wurde. Die Migrationsdebatte trägt schon lange zur Spaltung der Gesellschaft bei.
Wobei: Sowohl Spaltung selbst als auch die Rede davon kann auch als eine bewusst betriebene Strategie von politischen Bewegungen und antidemokratischen Kräften verstanden werden. Hier wird zum einen, speziell auch via Social Media, mit Emotionen wie Neid, Eifersucht, Angst, Hass und ausschließender Solidarität Politik gemacht, die Demokratie gefährdet. Zum anderen wird Spaltung auch herbeigeredet und verschärft: Differenz und Interessensgegensätze sind in einer Gesellschaft normal, mit dem Vorwurf der „Blasen“ wird eine „Wir gegen die anderen“-Rhetorik geschürt. Die Soziolog:innen Steffen Mau et al. (2023) weisen darauf hin, dass die Meinungen in der (deutschen) Bevölkerung bezüglich konkreter Themen gar nicht so weit auseinanderliegen, wie es in der Alltagswahrnehmung scheint. Gewisse „Triggerpunkte“ – so der Titel ihres Buches – lassen die Kluft größer erscheinen.
Der konstruktive Umgang mit Unterschiedlichkeit und die Begegnung mit Anderem und Anderen sind wesentliche Elemente einer demokratischen Kultur. Dabei hilft auch „Ambiguitätstoleranz“ – ein Bewusstsein für Grautöne und ein Sowohl-als-Auch (vgl. Bauer 2018). Hier ist auch die Erwachsenenbildung gefordert.
Mit gutem Rahmen und erfahrungsorientierten Methoden
Das Gemeinsame bewusst wahrzunehmen und mit Differenz konstruktiv umzugehen, hat viel mit der Gestaltung des Rahmens von Veranstaltungen und der eingesetzten Methodik zu tun. Genau daran setzt auch der Workshop des oieb an. Bereits im Aufbau einer Veranstaltung kann schnelle Polarisierung vorangetrieben oder hintangehalten werden. Klar gestalteter Dialog und das Sichtbarmachen und Besprechen von (erstaunlichen) Gemeinsamkeiten und (vielfältigen) Differenzen helfen zu konstruktivem Gespräch. Biografische Zugänge laden etwa dazu ein, eigene Erfahrungen einzubringen und Emotionen auf den Boden des Erlebten zurückzuführen. Aktionssoziometrische Methoden – das Einnehmen, Wechseln und Erproben von Positionen im Raum – sollen Ambivalenzen sichtbar machen, Perspektivenwechsel fördern und neue Handlungsspielräume eröffnen.
Der Workshop bietet die Gelegenheit, diese Methodik praktisch auszuprobieren, in Bezug auf Spaltung und Polarisierung zu reflektieren und im szenischen Erkunden (Soziodrama) konkrete Handlungsmöglichkeiten für Situationen zu erarbeiten, in denen Spannungen zunehmen oder Konflikte zu eskalieren drohen. Ergänzt wird die praktische Arbeit durch sozialwissenschaftliche Perspektiven auf gesellschaftliche Spaltung, ihre politische Funktion sowie das Zusammenspiel von Emotionen und politischen Auseinandersetzungen.
Workshop „Wie bleiben wir im Gespräch?“ am 23. November 2026 im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten
Der Workshop „Wie bleiben wir im Gespräch?“ Methodenworkshop angesichts von Spaltung und Polarisierung findet am 23. November im Bildungshaus St. Hippolyt statt. Er wird vom Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung (oieb) veranstaltet und von der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung gefördert.
Über die Autor:innen: Dr.in Katharina Novy ist Soziologin und Historikerin, Trainerin in der politischen Erwachsenenbildung, Organisationsberaterin, Supervisorin, Coach, Psychodramaleiterin. Dr. Gert Dressel ist Historiker, Fortbildner, Biografiearbeiter, Initiator und Moderator zahlreicher Erzählcafés und partizipativer Prozesse in Bildungsarbeit, Forschung und Caring Communities. Gemeinsam leiten sie den Workshop „Wie bleiben wir im Gespräch?“.
- Bauer, Thomas (2018): Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt. Stuttgart: Reclam
- Mau, Steffen/ Lux, Thomas/ Westhäuser, Linus (2023): Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft. Berlin: Suhrkamp
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