70 Jahre Salzburger Bildungswerk: Erwachsenenbildung vor Ort

28.09.2026, Text: Marlene Klotz, Salzburger Bildungswerk/Ring ÖBW
Seit 1956 bringt das Salzburger Bildungswerk Erwachsenenbildung in die Gemeinden. Zum 70-jährigen Bestehen trafen sich rund 120 haupt- und ehrenamtlich Engagierte im Schloss Hellbrunn.
Rund 120 Ehren- und Hauptamtliche des Salzburger Bildungswerkes kamen zusammen, um 70 Jahre Salzburger Bildungswerk zu feiern.
Foto: Alle Rechte vorbehalten, Michael Vogl, Gruppenfoto des Salzburger Bildungswerkes, auf erwachsenenbildung.at

Sie kamen aus Stadt und Land Salzburg, aus kleinen Gemeinden und größeren Orten. Manche arbeiten hauptamtlich für das Salzburger Bildungswerk, die meisten engagieren sich ehrenamtlich. Sie alle sind gekommen, um 70 Jahre Salzburger Bildungswerk zu feiern. Einer dieser Menschen war Max Stürmer. Er ist seit vielen Jahren Bildungswerkleiter in Schwarzach im Pongau, einer Gemeinde mit rund 3.500 Einwohner:innen, umgeben von Bergen. Seine Motivation beschrieb er so: „Mich fasziniert die Arbeit mit der Gemeinde und in der Gemeinde. Ich habe auch das Glück, einen Bürgermeister vor Ort zu haben, der mich in meinen Ideen unterstützt.“ Ende September veranstaltete Stürmer die vierte Bildungswoche zum Thema „Die Welt der Zahlen“.

Bildungswochen: Themen aus der Bevölkerung

Die „Bildungswochen“ sind ein Vorzeigeprojekt des Salzburger Bildungswerkes. 1961 fand die erste Bildungswoche in der Gemeinde Goldegg statt. Besonders an dieser Veranstaltungsreihe war, dass Themen nicht vorgegeben wurden, sondern diese unter den Bürger:innen entstanden und gemeinsam ein Programm entwickelt wurde. Das Format kann als frühe Form strukturierter Bürgerbeteiligung angesehen werden und wurde in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Gemeinden aufgegriffen. Heute blickt das Salzburger Bildungswerk auf rund 900 durchgeführte Bildungswochen zurück.

Der Weg der Bildungsangebote in die Gemeinden

Eine weitere Person, die an diesem 11. September vor Ort war, ist Theresia Innerhofer. Die Künstlerin und Bio-Bäuerin ist erst seit 2021 ehrenamtliche Bildungswerkleiterin von Hollersbach im Pinzgau. „Ich freue mich darüber, wenn andere sich über das freuen, was ich anbiete. Außerdem finde ich es wichtig, dass es gute Vorträge und Kurse im Ort gibt und man nicht immer weite Strecken fahren muss“, begründete sie ihr Engagement. Damit Bildungsangebote in den Gemeinden stattfinden können, entwickelt das Team des Salzburger Bildungswerks ein vielfältiges Programm. Angebote werden von den verschiedenen Fachbereichen entwickelt und greifen aktuelle Fragen und Lebenssituationen auf. Den Anfang machte 1971 die Elternschule, die bis heute als Fachbereich Elternbildung weitergeführt wird. Im Laufe der Jahre kamen weitere Bereiche hinzu – von Klima und Nachhaltigkeit über Frauen- und Demokratiebildung bis hin zu Senior:innen- und Medienbildung. Neben diesen buchbaren Angeboten entstehen auch immer wieder neue Vorträge oder Workshops, die den Ideen der Ehrenamtlichen entspringen. Alle Bildungsangebote haben jedoch ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das demokratische Miteinander fördern.

„Demokratie durch Bildung“ seit 1956

1956 und damit elf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und ein Jahr nach dem Inkrafttreten des österreichischen Staatsvertrags entstand aus einer Arbeitsgruppe der Volkshochschule das Salzburger Bildungswerk als eigenständige Organisation. Der Auftrag lautete, mit Bildung zur Entwicklung der jungen Demokratie beizutragen. Erwachsenenbildung vor Ort sollte Menschen dabei unterstützen, sich zu informieren, kritisch zu denken und sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. In den folgenden Jahrzehnten entstanden in den Salzburger Gemeinden örtliche Bildungswerke. Sie werden bis heute von Ehrenamtlichen wie Max Stürmer und Theresia Innerhofer getragen. Den Vorsitz der örtlichen Bildungswerke hat jeweils der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin inne.

Heute gibt es im Land Salzburg 93 aktive Bildungswerke. Sie veranstalten jährlich rund 1.600 Bildungsangebote, die von etwa 50.000 Menschen besucht werden. Damit Erwachsenenbildung auch in Zukunft vor Ort wirksam sein kann, braucht es engagierte Menschen ebenso wie Rahmenbedingungen, die dieses Engagement unterstützen. Max Stürmer möchte jedenfalls weitermachen: „Solange ich das gesundheitlich und geistig noch kann, will ich auf jeden Fall weitermachen.“

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