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In der Erwachsenenbildung für Rassismus und Diversität sensibilisieren

28.06.2021, Text: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Rassismus als System erkennen und eigene Privilegien bewusst machen: das sind wesentliche Aspekte rassismuskritischer Bildungsarbeit, sagt ZARA-Trainerin Susanne Mitterhuber. Die Methode "Bildmemory" kann dabei unterstützen.
  • Foto: Unsplash-Lizenz, Jon Tyson, unsplash.com
    In der Methode "Bildermemory" wird bereits Gelerntes hinterfragt.
ZARA – Zivilcourage & Anti-Rassismus-Arbeit berichtet im Rassismus Report 2020 über einen Anstieg von Meldungen zu rassistischen Vorfällen in Österreich. Rassismus äußert sich allerdings nicht nur im Alltag, sondern ist eine "in Strukturen verfestigte Ideologie ungleicher Machtverteilung" so ZARA-Trainerin Susanne Mitterhuber. Weiterbildende Maßnahmen können dazu beitragen, um Menschen für das Themenfeld gesellschaftlicher Diversität zu sensibilisieren. Eine konkrete Methode dazu ist das im Report vorgestellte "Bildermemory".

Ablauf der Methode "Bildermemory"

Für die Methode eignet sich die Bildung von Gruppen zu ca. 10 Personen. Nachdem sich die Teilnehmenden in einem Kreis zusammensetzen, werden Bilder von Denkmälern in der Mitte aufgelegt. Der erste Arbeitsauftrag sieht vor, dass die Gruppe nach eigens definierten Kriterien je zwei Bilder zusammenlegt, die scheinbar zueinander passen. Im zweiten Arbeitsauftrag stellt die Gruppe die Bilder-Paare vor und erläutert, warum diese beiden Bilder für sie zusammengehören. Für die Auswahl gibt es keine richtige oder falsche Entscheidung. Wichtig ist laut Methodenbeschreibung der Dialog über die Beweggründe, Verbindungen zwischen Bildern zu sehen.

 

Erste Leitfragen können sich z.B. darauf richten, welche Kriterien von der Gruppe angewendet wurden, aus welcher Zeit das Denkmal stammt oder welche Symbole abgebildet sind. Um eine anschließende Diskussion anzuregen, stellt ZARA auch Diskussionsfragen zur Verfügung, die sich z.B. den Personen widmen, deren Geschichte häufig ausgeblendet wird. Gemeinsam können die Teilnehmenden erörtern, welche Gründe dahinter liegen.

 

Im Anschluss bilden die Teilnehmenden Gruppen von zwei bis drei Personen und versetzen sich gedanklich in folgendes Szenario: Die Stadt beauftragt sie, die auf den Bildern dargestellten Denkmäler zu bearbeiten und gemäß den Erkenntnissen aus der Diskussion zu ergänzen. Die Teilnehmenden können auch neue Statuen entwerfen, z.B. für Personen, die nicht repräsentiert werden.

 

Ziel der 30-minütigen Übung ist, die Teilnehmenden zu einer kritischen Reflexion zu veranlassen, wie Bilder dargestellt und welche Personen von der Öffentlichkeit wahrgenommen und als denkwürdig präsentiert werden und welche nicht.

Erwachsenenbildung kann Privilegien bewusstmachen und aktives Handeln fördern

Weiterbildende Maßnahmen können einen Beitrag zur Sensibilisierung für Rassismus und Diversität leisten. Laut Susanne Mitterhuber spielt Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle für "die Bewusstmachung von Rassismus als System und die Bewusstmachung eigener Privilegien". Zudem reiche es nicht, sich vom Rassismus zu distanzieren, um Rassismus aufzubrechen. Es brauche "aktives Handeln in unterschiedlichen Feldern", so Mitterhuber.

 

Die ungleiche Machtverteilung zwischen verschiedenen Personengruppen äußere sich auf der einen Seite als Benachteiligung und auf der anderen Seite als Privileg. ErwachsenenbildnerInnen rät Mitterhuber "darauf hinzuweisen, dass wir alle in einem rassistischen System agieren und sich daraus individuelle Vor- und Nachteile ergeben, egal ob man dieser Ideologie zustimmt oder nicht. Das halte ich für einen sehr wichtigen Aspekt der rassismuskritischen Bildungsarbeit".

Lernen kann zunächst auch Verlernen bedeuten

Im Zuge von Methoden wie z.B. dem Bildermemory geht es darum, bereits Gelerntes kritisch zu betrachten. "Verlernen bedeutet in diesem Kontext sich unhinterfragten Repräsentationen von bestimmten geschichtlichen Ereignissen und Personen in der Geschichtsschreibung bewusst zu machen, um ihre Bedeutung und Wirkmächtigkeit reflektieren und zur Diskussion stellen zu können", so Susanne Mitterhuber.

 

Um Teilnehmende zu sensibilisieren brauche es, so die Trainerin, eine "grundsätzliche Skepsis gegenüber dominanten Erzählungen". Die Teilnehmenden können ihr Wissen über die "Wirkweisen von Inszenierungen im öffentlichen Raum, sei es in Form von Denkmälern, auf der Straße, in Bildkampagnen oder in sozialen Medien" erweitern.

ZARA verzeichnet Anstieg von Meldungen zu rassistischen Vorfällen

Im Rassismus Report für 2020 berichtet ZARA über einen Anstieg an Meldungen von rassistischen Vorfällen in Österreich. Insgesamt gingen letztes Jahr 3039 Meldungen von Menschen ein, die Rassismus erlebt oder wahrgenommen und an ZARA weitergeleitet haben. Laut Report sind dies 1089 Meldungen mehr als 2019.

 

Durch z.B. die Black-Lives-Matter-Bewegung erreichten Themen um Rassismus und Hass im Netz starke mediale Präsenz – die Anzahl von Meldungen zu Online-Rassismus habe sich, so ZARA, im Vergleich zu 2019 sogar verdoppelt.

 

ZARA unternimmt neben Beratungen und Falldokumentationen auch rechtliche und nicht-rechtliche Maßnahmen in Form von Anzeigen, Interventionsschreiben, Beschwerden oder Aufforderungen, rassistische Inhalte von z.B. Plattformen zu entfernen. Im Jahr 2020 wurden 1298 solcher Maßnahmen gesetzt.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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