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Umfrage-Ergebnisse: So gestaltete sich Berufsberatung im ersten Lockdown

09.02.2021, Text: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Die Ergebnisse einer Umfrage des Cedefop in 93 Ländern zeigen, dass großteils auf Online-Beratung umgestellt wurde. Die meisten Beratungsaktivitäten konnten trotz Lockdown fortgeführt werden.
  • Grafik: Pixabay Lizenz, Mohamed_hassan, http://pixabay.com
    Bildungs- und Berufsberatung fand bereits im ersten Lockdown meist online statt, so der Cedefop Bericht.
Der Bildungs- und Berufsberatung kommt durch die angestoßenen Entwicklungen im Kontext der Corona-Pandemie für Einzelpersonen, ArbeitgeberInnen und nicht zuletzt für die ganze Gesellschaft eine wichtige Rolle hinsichtlich des wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbaus zu. Bereits im Dezember gab Karin Gugitscher (ÖIBF) in einem Interview Einblicke in die derzeitige Situation für die Bildungs- und Berufsberatung in Österreich.

 

Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) veranstaltete zwischen Juni und August 2020 eine internationale Umfrage, die sich auf die Auswirkungen der Pandemie auf Bildungs- und Berufsberatungssysteme, aber auch berufliche Bildung in 93 Ländern stützt. Aus Österreich nahmen 23 Personen teil, darunter elf BildungsberaterInnen und sechs Personen, die im Beratungsmanagement tätig sind. Insgesamt haben 963 Personen den Fragebogen beantwortet. Neben BeraterInnen und BeratungsmanagerInnen nahmen auch z.B. Programm-AdministratorInnen, ForscherInnen, GewerkschaftsvertreterInnen und PolitikberaterInnen an der Umfrage teil.

Lockdown führte zu Umstellung der Beratung auf Online-Formate

Der Großteil der Befragten gab an, bereits im ersten Lockdown auf Online-Beratungsformate umgestellt zu haben. Dabei kamen Dienste wie Skype, Microsoft Teams, Zoom, Facebook und Youtube zum Einsatz. Auch der E-Mail-Kontakt habe sich stark erhöht. Des Weiteren haben BeraterInnen verstärkt auf digitale Dokumente und Webseiten zugegriffen sowie telefonische Beratungen abgehalten. 50 von 963 Befragten gaben an, in der Zeit zusätzlich neue Formate wie z.B. virtuelle Karrieretage (Griechenland) oder Beratung via Radio (Türkei) entwickelt zu haben. 55% gaben an, dass Beratung in der Pandemie vor allem hinsichtlich der Unterstützung für den Umstieg auf Online-Formate wichtig sei.

Großteil der Beratungsaktivitäten konnte fortgeführt werden

Laut Umfrage konnten 59% der direkten Bildungs- und Berufsberatung und 52% des Karrierecoachings und -mentorings im ersten Lockdown adaptiert und in z.B. Online-Formaten weitergeführt werden. 49% konnten auch den Austausch mit potenziellen ArbeitgeberInnen sicherstellen. Ca. 18% der genannten Aktivitäten mussten einstweilen eingestellt werden. Deutlich zurückhaltender gaben sich die Befragten z.B. in Bezug auf Fragen, ob kollaborative oder partizipatorischen Beratungsansätze weitergeführt werden konnten. Hier blieben Antworten häufig aus.

Befragte schätzen Berücksichtigung der Beratung seitens der Politik unterschiedlich ein

51% der Befragten gaben an, dass ich im ersten Lockdown nichts an der Finanzierung in Hinblick auf die Bildungs- und Berufsberatung geändert habe. 6% führen an, dass die Finanzierung zurückgegangen ist, während 7% sagen, dass es Pläne für eine Erhöhung gibt.

 

Laut 43% der Teilnehmenden an der Umfrage hat die Politik die Bildungs- und Berufsberatung bei Plänen zum Umgang mit der Pandemie nicht berücksichtigt. 40% führten an, dass die Bildungs- und Berufsberatungssysteme in ihren Ländern hingegen ausreichend berücksichtigt wurden. In diesem Fall hat die Politik der Befragung nach vor allem die Umstellung auf Online-Beratung (55%) unterstützt, aber auch Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen eingeführt (43%). Laut Cedefop wurden in allen Fällen seitens der Beratungsstellen Maßnahmen getroffen, um Bildungs- und Berufsberatung zugänglicher zu machen. Mehr als die Hälfte (57%) der Befragten gab an, dass BeratungsexpertInnen von nationalen Regierungen zumindest zu Diskussionen eingeladen wurden, um am Umgang mit der Pandemie mitzuarbeiten.

Fast die Hälfte der Befragten erachten Bildungsberatung als wichtig für die Erholung von der Krise

Cedefop fragte außerdem danach, welche Rolle Bildungs- und Berufsberatung zum Stand Sommer 2020 in der wirtschaftlichen, aber auch sozialen Erholung von der Krise spielen könne. 47% gaben an, dass Bildungs- und Berufsberatung für die Zukunft ihres Landes einen bedeutenden Platz einnehme. Relevante Investitionen für die berufliche Bildung wären laut den Teilnehmenden an der Umfrage die Förderung der Teilhabe aller (53%) wie z.B. durch verstärkten Fernunterricht und die Stärkung der Vermittlung von Kernkompetenzen (42%). Laut Cedefop waren die genannten Punkte bereits vor der Pandemie wichtig, allerdings nehme die Hervorhebung der Karriereberatung in Kombination mit Blended- und Distance-Learning durch die Befragten einen wichtigen Platz ein und spiegle den durch die Pandemie verstärkten Bedarf an digitalen Kompetenzen wider. Dies könne, so Cedefop, zu einem Umdenken in der Beratung führen.

 

Quelle: Cedefop; European Commission; ETF; ICCDPP; ILO; OECD; UNESCO (2020). Career guidance policy and practice in the pandemic: results of a joint international survey –June to August 2020.Luxembourg: Publications Office of the European Union. https://www.cedefop.europa.eu/el/publications-and-resources/publications/4193

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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