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Digitale Barrierefreiheit bietet neue Chancen für alle

28.09.2020, Text: Birgit Masopust, Projekt "BhW barrierefrei" des BhW Niederösterreich, Redaktion: Barbara Gruber-Rotheneder, BhW Niederösterreich/Ring ÖBW
Digitale Barrierefreiheit ist wesentlich für die Teilhabe aller in der Gesellschaft – und demnach eine wichtige Aufgabe für die Erwachsenenbildung.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, (c) Adobe Stock Dob's Farm, Digitale Barrierefreiheit, auf erwachsenenbildung.at
    Das Projekt "BhW barrierefrei" berät Organisationen zum Thema Digitale Barrierefreiheit.
Der Corona-Lockdown im Frühling stellte uns beruflich wie privat vor viele Herausforderungen. Rasch mussten wir unser analoges Leben auf ein digitales Leben umstellen – und das ganz ohne Vorbereitung. In einigen Bereichen hat es vielleicht nicht geklappt, manches wurde schnell ausprobiert und gelernt – wie zum Beispiel Video-Telefonie mit den Großeltern, Besprechungen auf Online-Plattformen oder Workshops, die in Webinare umgewandelt wurden. Wir alle mussten uns mit den neuen digitalen Möglichkeiten auseinandersetzen: SchülerInnen, LehrerInnen, Berufstätige und BildungsanbieterInnen, darunter auch ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Was man spätestens jetzt gemerkt hat: Ein digitaler Zugang ist nicht ganz ohne Barrieren. Insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen stellt die digitale Welt vor viele Herausforderungen, denn nicht überall sind Schriftgrößen entsprechend gewählt oder auditive Inhalte mit Untertiteln versehen. Im Folgenden stellt das BhW Niederösterreich vor, wie wichtig digitale Barrierefreiheit ist, um allen Menschen eine selbstbestimmte Teilhabe zu ermöglichen.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet Einfachheit

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen zum ersten Mal eine Großstadt. Es ist schwierig, sich schnell in der Vielzahl an Straßen, Gebäuden und Wegweisern zurecht zu finden. In einer kleinen, ländlichen Gegend ist es hingegen einfacher, sich zu orientieren. Das Gleiche gilt für das World Wide Web: Einfache Websites sind ansprechender und einfacher zu navigieren. Zu schwierige Texte, zu viel Informationen und komplizierte Menüführung lassen uns schnell ermüden und unsere Motivation lässt nach kurzer Zeit nach. Achtet man als Organisation darauf, dass die eigene Website barrierefrei gestaltet ist, ist sie für eine größere Gruppe von Menschen besser nutzbar (vgl. https://www.myability.org/digitale-barrierefreiheit). Demnach können auch Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und Menschen mit geringen Sprachkenntnissen von den bereitgestellten Informationen profitieren.

Digitale Barrierefreiheit sichert selbstbestimmte Teilhabe

Menschen mit Behinderungen sind angewiesen auf barrierefreie Websites und mobile Anwendungen. Je nach Art ihrer Behinderung brauchen sie bestimmte Hilfsmittel, um im World Wide Web zu surfen. Über 20% der Menschen in Österreich haben eine dauerhafte, gesundheitliche Einschränkung. Das ist jede/r fünfte BürgerIn und gerade diese Zielgruppe ist überdurchschnittlich oft online. Warum? Ganz einfach: Die digitale Welt eröffnet ihnen Möglichkeiten, um ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes Leben zu führen. Hier sind einige Beispiele aus dem Alltag: Blinde Menschen lesen ohne fremde Hilfe online Zeitung. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bestellen online und lassen sich ihre Einkäufe nach Hause liefern. Gehörlose Personen sehen sich Videos mit Untertiteln oder GebärdensprachdolmetscherInnen an. SeniorInnen können über das Smartphone mit der Familie Kontakt halten. Menschen mit Lernschwierigkeiten folgen dem Weltgeschehen, indem sie auf Übersetzungen in Leichter Sprache zurückgreifen. Demnach bedeutet ein barrierefrei gestalteter Zugang zu Web-Inhalten auch einen barrierefreien Zugang zu vielen Bereichen des Lebens: Bildung, Arbeit, Handel, Gesundheit, Freizeit und Kommunikation.

Wir alle profitieren von der digitalen Barrierefreiheit

Barrierefreie Websites und mobile Anwendungen (Apps) steigern nicht nur die NutzerInnenfreundlichkeit für Menschen mit Behinderungen und von älteren Menschen, sie sind für alle NutzerInnen komfortabel: BesucherInnen halten sich auf barrierefreien Websites gerne auf, da die Informationen übersichtlich verarbeitet werden können (verständliche Informationen und Benutzeroberfläche). In unserem schnelllebigen Lebenswandel möchten wir uns nicht lange auf einer Website aufhalten, um die gewünschten Auskünfte zu erhalten. Alexa, Google und Co. reihen barrierefreie Websites weiter oben, da sie maschinenlesbar sind. Auch Screenreader, das sind Hilfsmittel für blinde Menschen, sind auf die Maschinenlesbarkeit angewiesen. Das Gerät liest alle am Bildschirm dargestellten Elemente für sehbehinderte Menschen vor und ermöglicht ihnen so die barrierefreie Aufnahme der angebotenen Informationen (vgl. https://www.w3.org/WAI/fundamentals).

Projekt BhW barrierefrei bietet Beratungen an

Das Projekt "BhW barrierefrei" ist die Kompetenzstelle in Sachen Barrierefreiheit, Inklusion, Design for All und digitale Barrierefreiheit. Gemäß Web-Zugänglichkeits-Gesetz vom 23. September 2020 müssen alle Internetauftritte barrierefrei zugänglich sein, mobile Anwendungen ab dem 23. Juni 2021. Auch für die Erwachsenenbildung ist die Auseinandersetzung mit digitaler Barrierefreiheit damit zu einem dringlichen Thema geworden, da Bildungsinhalte auf diese Weise besser zugänglich gemacht und gesellschaftliche Teilhabe unterstützt werden kann. Das Projekt "BhW barrierefrei" bietet daher gezielte Beratungen und Webinare zu diesem Thema an.

 
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