Aufzeichnung: Humanismus und Freiheitlichkeit in Corona-Zeiten?
Die BildungswissenschafterInnen Ulla Klingovsky (Basel/Berlin) und Stefan Vater (VÖV) widmeten sich diesen Fragen im Rahmen des wEBtalks von erwachsenenbildung.at am 7. Mai 2020. Die einstündige Diskussion steht nun online zum kostenlosen Nachsehen und -hören zur Verfügung.
Zwischen Solidarität und „neuer Normalität" – die Phasen der Corona-Krise
In seiner Begrüßung stellte Gastgeber Wilfried Frei (CONEDU) die These auf, dass den Menschen in den Mittelpunkt der Bildungsbemühungen zu stellen die Gefahr berge, auf die Menschheit zu vergessen. Ein humanistisches Bildungsverständnis müsse auf mehr gerichtet sein als die Entfaltung der Fähigkeiten der Individuen.
Die Corona-Krise im Frühjahr 2020 habe Hoffnung geschürt, dass es zu einem gesellschaftlichen Umdenken kommen könne, betonte sodann Stefan Vater – weg von Ausbeutung und Ressourcenverschwendung, hin zu mehr Menschlichkeit. Gerade zu Beginn des Lockdown schien jedes Leben lebens- und schützenswert, schilderte Ulla Klingovsky ihre Wahrnehmung: „Plötzlich wurden ganze Industrien lahmgelegt, um gefährdete, vulnerable Personen zu schützen. In dieser Phase konnte man den Eindruck gewinnen: vielleicht geht ein kleines Fenster auf und der globale Kapitalismus besinnt sich darauf, Leben zu schützen und als wichtigstes Gut neue Bedingungen zu schaffen."
Eine zweite Phase ließ das Vertrauen in die gesellschaftliche Solidarität jedoch schnell bröckeln, so die Bildungswissenschafterin: „Heute scheinen am Horizont keinerlei Konsequenzen aus der Corona-Krise. Es geht um den ganz schnellen Versuch, die Wirtschaftsaktivitäten wieder in Gang zu setzen."
Im Bildungssystem zeige sich aktuell, dass den sogenannten „Hauptfächern" höhere Priorität eingeräumt würde, wie ein Kommentar einer Teilnehmerin deutlich machte: so werde in der Schule ihrer Tochter der Ethikunterricht hintangestellt – und das in einer Situation, in der sich ethische Fragen besonders deutlich stellen und ein sinnvolles und ertragreiches Lernen an genau dem ermöglichen würden, was wir gesellschaftlich gerade erleben.
Auch in der Erwachsenenbildung lasse sich ein Fokus auf „verwertbare Bildung" erkennen, so Stefan Vater: „In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was in Zukunft noch gefördert wird", wofür die Förderer von Erwachsenenbildung also künftig Geld ausgeben werden.
Digitalisierung in der Krise: „Fluch und Segen zugleich"
Inmitten der Krise entstanden neue Formate und Kommunikationsplattformen, neue Möglichkeiten des gemeinsamen Austausches in der Distanz. Im Zuge der raschen Umstellung auf Online-Bildungsangebote blieben Benachteiligte allerdings auf der Strecke, so Ulla Klingovsky: „Die Hierarchie der Not zieht sich auch durch digitale Räume und wird dadurch noch deutlicher." Andererseits entstünden durch neue Kommunikationsformen auch neue Möglichkeiten – etwa, gemeinsames Wissen über das Phänomen „Corona" zu generieren.
Die nächsten wEBtalks und DigiTalks von erwachsenenbildung.at
Bereits am 15. Juni widmet sich ein DigiTalk dem Thema „Digitale Lernerträge aus dem Frühjahrs-Lockdown: was wollen wir mitnehmen?" Im Herbst sind weitere wEBtalks und DigiTalks vorgesehen, über die wir zeitgerecht informieren.
Weitere Informationen finden Sie in Kürze im Newsletter sowie unter https://erwachsenenbildung.at/digiprof/webinare/
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