Bericht über Entwicklung der Erwachsenenbildung in EU-Ländern seit 2011
Erwachsenenpädagogische Strategien knüpfen oft an Berufsbildung an
Auch wenn sich rechtliche Rahmenbedingungen und nationale Strategien laut der Arbeitsgruppe in den Mitgliedsstaaten zwischen 2011 und 2018 unterschiedlich entwickelt haben, sieht sie einen gemeinsamen Trend: Rechtliche Regelungen und politische Strategien der Erwachsenenbildung haben viele Mitgliedsländer insbesondere im Zusammenhang mit beruflicher Bildung beschlossen.
In Dänemark bspw. wurde ein neues Berufsbildungssystem für Erwachsene über 25 Jahren eingeführt. Dieses verfolgt das Ziel, gering qualifizierte Erwachsene zu fördern, um sich als FacharbeiterInnen zu qualifizieren. In Finnland wurde 2018 ein neues Gesetz zur Berufsbildung verabschiedet, das verstärkt Fokus auf angeleitetes Lernen am Arbeitsplatz legt.
Finanzierung der Erwachsenenbildung ist in Europa über Projekte geregelt
Nach Berichten von ExpertInnen aus den Ländern, hat sich die Finanzierung der Erwachsenenbildung je nach Land unterschiedlich entwickelt. Fast die Hälfte der ExpertInnen gaben für ihre Länder an, dass die öffentlichen Mittel für die Erwachsenenbildung seit 2010 gestiegen sind, darunter Österreich, Deutschland, Slowakei und Schweden. Rund ein Viertel gab an, dass es weniger Mittel gab, darunter z.B. Finnland, die Niederlande und Spanien. Vier Länder halten laut Umfrage ihr öffentliches Finanzierungsniveau (DK, FR, IE, IT).
Die Finanzierungsstruktur in den Mitgliedsstaaten sei häufig mit kurzfristigen Projekt- und Programmfinanzierungen verknüpft. Die Finanzierung ist laut Arbeitsgruppe meistens für die Lösung eines bestimmten gesellschaftlichen Problems vorgesehen. Diese Art der Finanzierung mache den Sektor der Erwachsenenbildung und die im Bereich der Erwachsenenbildung tätigen Organisationen daher anfällig bei Änderungen in politischen Prioritäten.
Basisbildung ist oft berufsbezogen
Viele Initiativen für die Basisbildung sind in den EU Mitgliedsstaaten auf das Funktionieren der Erwachsenen auf dem Arbeitsmarkt ausgerichtet, resümiert die Arbeitsgruppe. In den meisten Fällen konzentrieren sich diese Initiativen auf Erwachsene, die die Schule ohne oder mit geringen Qualifikationen verlassen haben. In Deutschland richtet sich der Fokus der Basisbildung z.B. darauf, Erwachsenen eine Reihe brauchbarer Fähigkeiten am Arbeitsplatz zu vermitteln, anstatt auf anerkannte Qualifikationen hinzuarbeiten.
Basisbildung beinhalte in den EU-Mitgliedsstaaten zudem zunehmend andere Arten von Kompetenzen als Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten, wie z.B. Fähigkeiten für kritisches Denken, Problemlösung und Medienkompetenz. Die Arbeitsgruppe nennt Tschechien als Beispiel: Dort ist die Basisbildung in der Regel berufsbezogen und bereitet Erwachsene auf einen Job vor, wobei Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen weniger im Vordergrund stehen.
Das Angebot an Basisbildung ist in den Ländern unterschiedlich organisiert, liest man im Report. Die meisten westeuropäischen Länder verfügen über spezielle Anbieter von Erwachsenenbildung, die Basisbildung als Regelangebot anbieten. In anderen Ländern ist dies anders organisiert, zum Beispiel durch separat finanzierte Projekte. Zudem seien für einige Basisbildungsangebote und deren Bestehen in vielen osteuropäischen Ländern europäische Mittel wie jene aus Erasmus+ oder ESF Programmen wichtig.
Ost-West-Gefälle bei Zugängen zum zweiten Bildungsweg
In den nordischen Ländern, den baltischen Staaten und den meisten Ländern West- und Mitteleuropas haben Lernende Zugang zu Erwachsenenbildung, um einen Abschluss einer allgemeinen oder berufsbildenden höheren Schule im zweiten Bildungsweg zu machen. In Italien, Griechenland und mehreren osteuropäischen Ländern fehlen spezielle Programme, resümiert die Arbeitsgruppe. Dort müssen sich Erwachsene für Klassen im Schulsystem einschreiben.
Die Arbeitsgruppe gibt dabei zu bedenken, dass viele osteuropäische Länder aber auch einen vergleichsweise niedrigen Anteil an SchulabbrecherInnen und einen hohen Anteil an Abschlüssen einer allgemeinen oder berufsbildenden Schule (z.B. Matura) oder höhere aufweisen. So weist laut Eurostat bspw. Polen eine Abbruchquote von unter 5% auf, Tschechien eine Quote von ca. 6%. Der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 11%.
Der Anteil an Personen mit zumindest Abschluss in einer allgemeinen oder berufsbildenden höheren Schule liegt in Polen und Tschechien über dem EU-Durchschnitt. In Polen weisen ca. 95% der Personen zwischen 30 und 34 Jahren einen solchen Abschluss auf, in Tschechien 94%. Der EU Durchschnitt liegt bei 83%.
Über die Arbeitsgruppe und den Report
Bei der Koordinierung im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung arbeiten die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten in Arbeitsgruppen zusammen. Die Arbeitsgruppe für Erwachsenenbildung soll die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, den zentralen Herausforderungen der Systeme der Erwachsenenbildung zu begegnen sowie die auf europäischer Ebene vereinbarten Prioritäten zu verfolgen.
Im Report "Achievements under the Renewed European Agenda for
Adult Learning" skizziert die Arbeitsgruppe die aktuellen Entwicklungen der Mitgliedstaaten mit Blick auf die europäischen Prioritäten bis 2020 und gibt Empfehlungen für die Zukunft ab.
Mehr über die Empfehlungen der Arbeitsgruppe für die Erwachsenenbildung erfahren?
Weitere Informationen über die Empfehlungen der EU-Arbeitsgruppe für die Erwachsenenbildung ab 2020 erfahren Sie im Nachrichtenbeitrag "EU gibt Empfehlungen für die Erwachsenenbildung ab 2020".
- Report
- EU Arbeitsgruppen bis 2020
- EU gibt Empfehlungen für die Erwachsenenbildung ab 2020
Nachricht vom 20.01.2020
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