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Bildungsberatung mit geflüchteten Jugendlichen - innovative Ansätze (II)

20.06.2019, Text: Bianca Friesenbichler, Online-Redaktion
In Österreich wurden Projekte zur Bildungsberatung mit geflüchteten Jugendlichen umgesetzt und durch zwei Projekte zur Professionalisierung begleitet. Welche Herausforderungen es dabei gab, erzählen zwei Mitarbeiterinnen eines der Professionalisierungs-Projekte.
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    Durch Zu- oder Wegzug der geflüchteten Menschen war eine kontinuierliche Beratung oft schwierig, erzählt Reiter.
Ende 2016 bis Ende 2017 wurden in Österreich Projekte zur Bildungsberatung mit geflüchteten Jugendlichen gefördert. Projekt-BetreiberInnen aus fast allen Bundesländern entwickelten dazu kreative Formate und tauschten ihre Praxis über Vernetzungsaktivitäten aus. Birgit Schmidtke vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) und Katrin Reiter vom Verein Salzburger Erwachsenenbildung haben diese Projekte begleitet, vernetzt und Ergebnisse gesichert. Im zweiten Teil des Interviews sprechen sie darüber, welchen Herausforderungen sie begegnet sind und was andere Länder von Österreich lernen können.

Redaktion: Welche Herausforderungen in der Beratung wurden durch die Projekte sichtbar?

Schmidtke: Die Projekte wurden nur ein Jahr gefördert bzw. teilweise noch bis zu einem halben Jahr kostenneutral verlängert. Es wäre natürlich grundsätzlich wünschenswert, dass diese Projekte weiter gefördert werden. Darüber hinaus haben die BeraterInnen immer wieder thematisiert, dass zwar die Beratungsleistung möglich ist, die notwendigen Angebote aber fehlen würden. Beispielsweise nicht genug Plätze in den Deutschkursen vorhanden waren oder die Jugendlichen aus rechtlichen Gründen kein Praktikum machen können. Die BeraterInnen haben sehr viel Wissen über diese Rahmenbedingungen und Hindernisse aufgebaut, aber es gibt keine Form, dieses strukturiert weiterzugeben. Hier bräuchte es noch strukturelle Vernetzungsmöglichkeiten zu politischen EntscheidungsträgerInnen.

 

Reiter: Die Mobilität war und ist eine grundsätzliche Herausforderung, beispielsweise durch Veränderungen im Zu- oder Wegzug von geflüchteten Jugendlichen oder durch Wohnorte an peripheren Orten in den Regionen, wodurch teilweise wenig Kontinuität in der Beratung beziehungsweise in der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen möglich war.

Redaktion: Wie ist der aktuelle Stand? Gibt es aktuell Projekte zur Bildungsberatung mit Geflüchteten in Österreich?

Reiter: Aktuell laufen noch Maßnahmen zum Erfahrungs- und Wissenstransfer im Sinne einer Community of Practice zwischen den Projekten, die begleitend vom öibf und dem Verein Salzburger Erwachsenenbildung durchgeführt werden. Die Projekte der Bildungsberatung für geflüchtete Jugendliche sind grundsätzlich ausgelaufen, damit wurden die meisten Formate und Angebote beendet.

 

Schmidtke: Im Burgenland gibt es noch eine spezielle Förderung für Bildungsberatung für junge MigrantInnen. Und wir laden noch zu einer Veranstaltung ein, die sich mit der Erfahrungs- und Wissenssicherung aus diesen Projekten auseinandersetzt. Pläne für weitere Förderungen in diesem Bereich sind uns keine bekannt.

 

Redaktion: Dann hoffe ich, dass wir mit einem Artikel zumindest einige Ergebnisse hinaustragen können!

Redaktion: Was können andere Länder aus diesen Projekten in Österreich lernen?

Schmidtke: In Österreich lag der Schwerpunkt auf der muttersprachlichen Beratung und Beratung durch Peers. Das war sehr erfolgreich, weil die muttersprachliche Beratung beispielsweise gegenüber dem Einsatz von DolmetscherInnen eine direktere Form der Beratung ist. Auch das breite Spektrum an Ansätzen, die verfolgt wurden - die große Vielfalt - führte dazu auch Jugendliche anzusprechen, die sonst nicht durch Angebote erreicht werden.

 

Reiter: Zum Erfolg führte auch, dass von Beginn an die Vernetzung und Professionalisierung der Projekt-BetreiberInnen mitgedacht und gefördert wurde. Die zielgruppenspezifische Vernetzung, die von den beratenden Einrichtungen ausgebaut und kontinuierlich betreut wurde, war zentral, um die geflüchteten Jugendlichen auch tatsächlich zu erreichen.

 

Schmidtke: Die Einrichtungen haben etwa mit Ehrenamtlichen in den Unterkünften zusammengearbeitet. Beispielsweise haben sie Informationsveranstaltungen direkt in den Unterkünften für Geflüchtete durchgeführt. Das war zentral, um den Zugang zur Zielgruppe zu finden.

 

Reiter: Sie haben darüber hinaus zahlreiche Produkte entwickelt, die sich gut für andere Länder transferieren ließen. Beispielweise wurde im Burgenland eine Bildungsstand-Ersterhebung konzipiert. In Salzburg wurde ein Kompetenzprofil erarbeitet und in Wien wurden Kompetenzkarten in Arabisch übersetzt.

 

Schmidtke: Auch die Zusammenarbeit mit dem Ministerium wurde während der Projektumsetzung als sehr unterstützend erlebt.

 

Reiter: Und die Offenheit und die Bereitschaft zum Austausch der BeraterInnen wie auch der Projekt-LeiterInnen untereinander war sehr groß.

 

Schmidtke: Ja! Wir haben beispielsweise eine Online-Supervision angeboten, an der BeraterInnen aus verschiedenen Einrichtungen teilnehmen konnten. Dass man an einer Supervision mit KollegInnen aus anderen Einrichtungen teilnimmt und dann auch noch über ein Online-Medium zeigt von dieser Offenheit.

Ziele und Erfahrungen aus dem Projekt: Mehr in Teil 1 des Interviews

Welches Anliegen die BeraterInnen und die Fördergeber mit den Projekten verfolgt haben, erfahren Interessierte im ersten Teil des Interviews. Katrin Reiter und Birgit Schmidtke teilen ihre Erfahrungen im Rahmen der Projekte.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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