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Weiterbildungs-Einrichtungen reagieren innovativ auf Herausforderungen

17.05.2019, Text: Reinhard Lechner, Lisa Breitschwerdt, Regina Egetenmeyer - Universität Würzburg, Redaktion: Lucia Paar, Online-Redaktion
ForscherInnen der Uni Würzburg und der PH Ludwigsburg untersuchten Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung und fanden heraus, wo in Sachen Professionalitätsentwicklung noch Handlungsbedarf besteht.
Video: Alle Rechte vorbehalten, Breitschwerdt/Lechner/Egetenmeyer, padeagogik.uni-wuerzburg.de
Von 2016 bis 2018 haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg im Rahmen des Projekts "KOPROF" die Professionalitätsentwicklung in deutschen Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung untersucht. Das Ergebnis: Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung zeigen in hohem Ausmaß, dass sie auf neue Herausforderungen aus dem sozialen und institutionellen Umfeld innovativ reagieren. Dies ist eine Daueraufgabe für Professionalitätsentwicklung in den untersuchten Falleinrichtungen und notwendig, um Teilnehmer/-innen zu gewinnen, sie zu binden und die eigene Position in der Region langfristig sichern zu können.

Innovation durch Vernetzung

Bei Diskussionen um Professionalität in der Erwachsenen- und Weiterbildung geht es häufig einseitig darum, über welche Qualifikationen, Fähigkeiten und Kompetenzen das Personal verfügen muss. Die KOPROF-Studie knüpfte daran an, legte ihr Erkenntnisinteresse aber stark auf die Einrichtungen. So identifizieren die vorliegenden Ergebnisse Professionalitätsentwicklung als einen Mehrebenen-Kontext, in dem die Rolle der Einrichtung als wichtige Schnittstelle zwischen Personal und den gesellschaftlichen Anforderungen deutlich wird.

 

Die Weiterbildnerinnen und Weiterbildner identifizieren sich stark mit der Einrichtung, für die sie tätig sind. Sie vernetzen sich auf unterschiedlichste Weise für Aufgaben in ihrem Themenfeld. So sind sie Mitglieder in verschiedenen Beiräten, Gremien und Runden Tischen und kommunizieren in hohem Maß über aktuelle Entwicklungen. Die Erkenntnisse aus diesem Austausch nutzen sie auch für Entwicklungen in der eigenen Einrichtung. Beispielsweise führt das dazu, dass Einrichtungen ihre Strukturen und Prozesse adaptieren oder die Mitarbeiter/-innen in gefragten Bereichen fortbilden. Gleichzeitig stellen viele Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung auch einen Entwicklungsraum für das Personal, in dem dieses sein Tätigkeitsfeld individuell weiterentwickeln kann. Diese Umstände sieht das Projekt als einen Aspekt von Innovation in den Einrichtungen, der die Entwicklung von Professionalität unterstützt.

Weiterbildungspersonal muss zwischen unterschiedlichen Anforderungen vermitteln

Handeln in der beruflichen Weiterbildung ist durch eine Vielzahl von zum Teil widersprüchlichen Anforderungen und Erwartungen geprägt. Das Weiterbildungspersonal muss ständig zwischen diesen Anforderungen vermitteln, so zum Beispiel zwischen Bedarfen von Weiterbildungs-Teilnehmenden und Anforderungen von Auftraggebern, zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Anforderungen des praktischen Berufsfeldes oder zwischen Anforderungen der Weiterbildungseinrichtung und den inhaltlichen und didaktischen Vorstellungen der Dozierenden. Mit diesen Anforderungen umgehen zu können, sieht das Projekt als weitere Innovationsperspektive beruflicher Weiterbildungs-Einrichtungen.

 

Darüber hinaus zeigt sich die Innovationskraft in Monitoringsystemen – diese können konkrete Bedarfe zur Professionalitätsentwicklung miterfassen, z.B. über das Qualitätsmanagement der Veranstaltungen.

Handlungserfordernisse: Organisationsentwicklung fördern und Raum für Entwicklung zulassen

Die Weiterbildungseinrichtungen nehmen im Anschluss an die Hochschulausbildung eine zentrale Rolle in der Professionalisierung des Personals ein; sie können konkrete Rahmenbedingungen für die Professionalitätsentwicklung schaffen und bieten Reflexionskontexte für professionelles Handeln sowie Unterstützung zum kollegialen Austausch. Um das zu gewährleisten muss die Organisationsentwicklung auch förderpolitisch gestärkt werden.

 

Öffentliche Förderungen in der beruflichen Weiterbildung sind zudem so zu gestalten, dass in der Einrichtung zusätzlicher Raum für professionelle Entwicklung entsteht. Mit ihnen müssen professionalitätsförderliche Rahmenbedingungen in den Einrichtungen geschaffen werden.

Weitere Bedarfe: Modulare Fortbildung sowie mehr Praxis- und Transferforschung

Ein Großteil des Personals verfügt über fachbezogene Qualifikationen, etwa zur Identifizierung oder Vermittlung der Veranstaltungsinhalte, gleichzeitig wurden im Rahmen der Untersuchung die (erwachsenen-)pädagogischen Anforderungen an viele der Tätigkeiten in der beruflichen Weiterbildung deutlich. Um sich die einschlägigen Kompetenzen parallel zur Erwerbstätigkeit aneignen zu können, sind modulare akademische Fortbildungen notwendig. Diese müssen den zeitlichen und praxisbezogenen Erfordernissen des Personals gerecht werden.

 

Um die Professionalisierung der Einrichtungen weiter zu fördern, braucht es zudem Praxis- und Transferforschung, so die Forscher/-innen: Dazu gehört für die Erwachsenenbildungswissenschaft auch das Weiterentwickeln von Vermittlungspraktiken zwischen Wissenschaft und Praxis, beispielsweise durch gemeinsame Workshops oder die gemeinsame Entwicklung von Forschungsprojekten.

Videos zum Projekt und den Ergebnissen

Wer mehr Einblick in das Forschungsprojekt erhalten will, kann sich Videos zu den Ergebnissen und zum Rahmen des Projekts anschauen. Zuseher/-innen erhalten darin u.a. Informationen zu Forschungsfragen und Design des Projekts, zu zentralen Ergebnissen und Rahmenkontexten sowie zu den identifizierten Innovationsfeldern und Handlungsbedarfen im Feld der beruflichen Weiterbildung.

Zum Projekt: Praxis und Wissenschaft im Dialog

Unter der Leitung der Professorinnen Ingeborg Schüßler (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) und Regina Egetenmeyer (Universität Würzburg) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 2016 bis 2018 die Professionalitätsentwicklung in acht ausgewählten Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung in Baden-Württemberg und Bayern untersucht. Ihr Interesse galt dabei unter anderem gesellschaftlich-institutionellen Rahmenbedingungen, unter denen die Einrichtungen arbeiten, der Professionalitätsentwicklung in der Einrichtung selbst sowie den Tätigkeiten und der Rollenpluralität beim Personal.

 

Mit Erhebungen auf diesen verschiedenen Ebenen wollten die Wissenschaftler/-innen eine 'Kontur' der Professionalitätsentwicklung in KOPROF möglichst umfassend analysieren. Zu den an der Universität Würzburg untersuchten Einrichtungen zählten die IHK Würzburg-Schweinfurt, die VHS Cham, das bfz Würzburg und der Deutsche Verband der Ergotherapeuten. Die Studie war Teil des Förderschwerpunkts "Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung" (InnovatWB), den das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Bundesinstitut für Berufsbildung ins Leben gerufen haben.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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