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Jung und Alt im Dialog

05.11.2018, Text: Michaela Habetseder, Salzburger Bildungswerk/Ring ÖBW
Die Lebenswelten verschiedener Generationen sind heute weiter entfernt denn je. Das Projekt „J.A! Jung trifft Alt“ von Gemeindeentwicklung Salzburg und youngCaritas Salzburg bringt Menschen unterschiedlichen Alters einander näher. (Serie: Generationen in der Erwachsenenbildung)
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, http://fotolia.com
    Im Rahmen des Projekts „J.A! – Jung trifft Alt“ treffen sich junge Menschen einmal pro Woche ehrenamtlich mit älteren Menschen.
  • Foto: CC BY, Anita Moser, auf erwachsenenbildung.at
    Wie fühlt es sich an, wenn der Körper altert? Das konnten die Jugendlichen im Rahmen ihrer Schulung hautnah erleben.
Die Situation ist bekannt: Während die Jugend in einer Welt aus Konsum und technologischem Fortschritt zu Hause ist, verbringen viele Senioren ihre Zeit in Altersresidenzen – fernab vom Rest der Gesellschaft. Immer seltener treffen die beiden Generationen aufeinander und können deshalb auch nicht mehr voneinander profitieren. Dass es auch anders gehen kann, beweisen derzeit 35 Schülerinnen und Schüler aus Land und Stadt Salzburg. Sie nehmen in diesem Schuljahr am Projekt „J.A! Jung trifft Alt" teil. Das heißt konkret: Sie gehen nach der Schule einmal pro Woche ehrenamtlich in ein Seniorenheim und treffen sich dort mit älteren Menschen. Miteinander reden, musizieren, gemeinsam spazieren gehen, aus der Tageszeitung vorlesen oder Schach spielen: Die Möglichkeiten des Austausches sind vielfältig. „Während die jungen Patinnen und Paten den älteren Menschen auf diese Weise Lebensfreude schenken und ihnen neue Kontakte zur Außenwelt eröffnen, wirken sich die regelmäßigen Besuche positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen aus", freut sich Projektleiterin Dr. Anita Moser von der Gemeindeentwicklung Salzburg. „Gleichzeitig spüren die jungen Menschen ein Gefühl von Verantwortung für ‚ihre' Seniorinnen und Senioren."

 

Wichtig: Professionelle Vorbereitung und Begleitung

Besonderes Augenmerk wird auf die optimale Vorbereitung gelegt. Im Rahmen mehrtägiger Schulungen mit Fachleuten aus der Praxis erfahren die Jugendlichen mehr über das Alter aus medizinischer Sicht – beispielsweise, was es heißt, mit körperlichen Beeinträchtigungen zu leben. Außerdem erhalten sie praktische Tipps im Umgang mit Demenz, mit Tod und Trauer. Ebenfalls ganz wichtig: Ein wesentlicher Teil der Ausbildung wird der Kreativität und der Lebensfreude sowie der Vermittlung von Wertschätzung gewidmet. Coaching sowie Supervisionen während des Projektes schließen sich an. „Die gute Ausbildung und die konstante Begleitung sind die Voraussetzung dafür, dass die Jugendlichen auch bei auftretenden Problemen motiviert bleiben", ist Anita Moser überzeugt.

 

Motive für Beteiligung sind unterschiedlich

Die etwas andere Freizeitgestaltung wird von den jungen Menschen frei gewählt. Ihre Motive, sich am Projekt zu beteiligen, sind unterschiedlich: „Einige Jugendliche gewinnen wir über die emotionale Ebene, andere, weil sie sich Vorteile für ihren Lebenslauf wie zum Beispiel den Erwerb von sozialen und kommunikativen Kompetenzen versprechen", informiert Anita Moser. „Die persönliche Verantwortung entsteht dann während der Besuchsdienste, unabhängig von der ursprünglichen Motivation."

 

Die Schülerinnen und Schüler haben mittlerweile „ihre" Seniorinnen und Senioren in 20 Senioreneinrichtungen im gesamten Pongau und in der Stadt Salzburg gefunden und, wie die ersten Rückmeldungen zeigen, interessante Erfahrungen gemacht. Auf sehr positive Resonanz stößt das Projekt nicht nur bei den teilnehmenden Senioreneinrichtungen, sondern auch bei den Eltern der Jugendlichen. „Die Eltern sind durchwegs begeistert, sehen es als wertvollen Beitrag für die Entwicklung ihrer Kinder und als Gewinn für beide Generationen", erzählt Anita Moser abschließend.

 

Zum Abschluss des Projektes bekommen die Jugendlichen für ihr ehrenamtliches Engagement einen Sozialzeitausweis, welcher die erworbene soziale Kompetenz dokumentiert.

 

J.A! – Jung trifft Alt

2010 startete die Gemeindeentwicklung Salzburg das Projekt „J.A! – Jung trifft Alt" mit dem Ziel, das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern und die beiden Lebenswelten einander näher zu bringen. Das Interesse am Projekt und an dieser etwas anderen Form der Freizeitgestaltung ist – auch bei seiner 9. Auflage – enorm. J.A! ist eine weitere Initiative der sozialen Gemeindeentwicklung in Salzburg – nach dem Generationendorf, den „Bonusmodellen für freiwilliges soziales Engagement" und dem Projekt „Altern in guter Gesellschaft" – und wurde gemeinsam mit Praktikerinnen und Praktikern aus der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren entwickelt.

 

Über 250 Jugendliche haben in den vergangenen Jahren im Rahmen von „J.A! Jung trifft Alt" die Lebenswelt(en) der älteren Generation kennengelernt. Die nächsten Staffeln starten im Schuljahr 2019/20.

Weitere Informationen:
Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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