Vom Leerstand zum Bildungsort – das DUADO in Werfenweng
Um zum DUADO in Werfenweng zu gelangen, fährt man in Schlangenlinien nach oben, an Wiesen vorbei. Auf einem kleinen Hügel vor einem dichten Wald steht das Haus mit seinen hellen Mauern und der dunklen Holzfassade ab dem ersten Stock. Eine Treppe führt an der Sonnenterasse vorbei zum Eingang. Geht man hinein, hört man von oben Kinderstimmen, im Erdgeschoss Schritte und Plaudern. Es ist, als würde man das Wohnzimmer der rund 1.100 Einwohner Werfenwengs betreten.
Genau dieses Gefühl wollten Altbürgermeister Peter Brandauer und die ehemalige Amtsleiterin Gerda Böck-Magos mit dem DUADO hervorrufen. Der Weg dorthin startete bereits im Jahr 2006 mit einer Arbeitsgruppe mit dem Ziel, eine neue Funktion für das leerstehende Mesnerhaus zu finden. Die Gemeindeentwicklung im Salzburger Bildungswerk begleitete das Projekt finanziell und beratend. Seit 2022 ist das Haus nun der Begegnungs- und Bildungsort, der lange nur in Gedankenspielen und Entwürfen existierte. Wie man einen Traum wie diesen verwirklicht, wie sich das Bildungshaus finanziert und welche Tipps sie für Menschen mit ähnlichen Visionen haben, verraten Brandauer und Böck-Magos im Interview.
Wie kam es zu der Idee, das alte Mesnerhaus in einen Begegnungs- und Bildungsort zu verwandeln?
Brandauer: Das Gebäude gehört der Pfarre, ist denkmalgeschützt und stand über viele Jahre leer. Daher haben wir begonnen, darüber nachzudenken, wie man es sinnvoll nutzen könnte. In einer Arbeitsgruppe haben wir dann die Idee entwickelt, einen „Ort der Kommunikation“ zu schaffen. Das war von Anfang an die Grundidee – ein Haus, das Menschen verbindet, Generationen zusammenbringt und Platz für Begegnung schafft.
Welchen Nutzen bringt das DUADO heute für die Bürger*innen konkret?
Brandauer: Es gibt hier nun endlich einen Raum, in dem man sich treffen kann, ganz niederschwellig, ohne etwas konsumieren zu müssen. Außerdem gibt es oben einen wunderschönen Dachraum, der als Veranstaltungsort dient und wo wir immer wieder gut besuchte Vorträge zu spannenden Themen haben.
Böck-Magos: Wir haben eine Bibliothek, Lesungen, Kurse, kulturelle Abende – mittlerweile werden sogar Hochzeiten hier gefeiert. Wir versuchen, möglichst viele Bevölkerungsgruppen miteinzubeziehen, und das gelingt mit einem Angebot von Bildungsvorträgen bis hin zu Gymnastik oder Kasperltheater. Bildung, Kultur und Freizeit greifen hier ineinander – das macht den Reiz aus. Darüber hinaus wird das Haus auch für Sitzungen der Gemeinde und Aktivitäten von Kindergarten und Volksschule genutzt. Die Familienfreundliche Gemeinde veranstaltet jährlich einen Familienadvent im und ums DUADO, da helfen alle zusammen.
Das DUADO kann auch von Bürger*innen privat genutzt werden. Wie funktioniert das?
Böck-Magos: Wenn jemand in Werfenweng zum Beispiel seinen Geburtstag am Wochenende feiern will, kann er oder sie den Schlüssel haben, Leute einladen und kostenlos die Räume nutzen. Wichtig ist, dass man das Haus wieder sauber verlässt. Nur bei größeren Veranstaltungen, zum Beispiel zu gewerblichen Zwecken, vermieten wir das Haus kostenpflichtig.
Wie entstehen die Veranstaltungen im DUADO?
Böck-Magos: Viele Ideen kommen direkt aus unserem Verein oder von Bürger*innen. Auch das örtliche Bildungswerk spielt eine zentrale Rolle. Das Salzburger Bildungswerk konzipiert Vorträge und Workshops, die wir unkompliziert, kostengünstig oder sogar kostenlos buchen können. Manchmal melden sich auch Vortragende selbst. Wir sind sehr offen – wer eine Idee hat, darf sie einbringen.
Brandauer: Das sorgt für Vielfalt: Von Gesundheits- und Klimathemen über Politik bis zu Kultur und Freizeit ist alles dabei.
Ihr sprecht von einem Verein. Wie habt ihr das DUADO organisatorisch aufgestellt?
Böck-Magos: Wir haben einen Trägerverein gegründet, derzeit mit rund 20 ehrenamtlich Engagierten, die alle aus verschiedenen Bereichen kommen. Im Vorstand sind wir vier Personen. Für die Anzahl an Mitgliedern gibt es keine Grenze nach oben und alle können mitmachen. Es gibt auch zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen, die tagsüber den Betrieb sicherstellen. Die Abendveranstaltungen werden meist von Ehrenamtlichen begleitet. Diese Mischung aus Ehrenamt und Hauptamt klappt im DUADO sehr gut.
Wie finanziert man einen Bildungsort wie diesen in einer so kleinen Gemeinde?
Brandauer: Ohne die Unterstützung der Gemeinde würde es nicht funktionieren. Sie unterstützt finanziell, übernimmt Miete, Betriebskosten und einen Teil der Personalkosten. Die Einnahmen aus Veranstaltungen und der kleinen Gastronomie fließen direkt zurück ins Projekt und decken teils auch die Personalkosten. Es ist ein Modell, das sich in der Praxis sehr bewährt hat.
Böck-Magos: Darüber hinaus erhalten wir auch Förderungen, etwa von LEADER, einem Förderprogramm der Europäischen Union, das ländliche Entwicklung unterstützt, und von der Gemeindeentwicklung im Salzburger Bildungswerk.
Der Umbau zu Beginn war sicher auch eine Herausforderung?
Brandauer: Ja, das Haus war in keinem guten Zustand, nicht barrierefrei und denkmalgeschützt. Wir mussten vieles neu denken und Lösungen finden – etwa beim Einbau eines Liftes oder bei der Raumgestaltung. Aber gemeinsam mit der Pfarre, dem Bauamt der Erzdiözese und dem Denkmalamt haben wir das gut gelöst. Wir haben das Architektenbüro DI Eisenköck beauftragt und so den Um- und Zubau geplant.
Böck-Magos: Eine weitere große Herausforderung war auch, den laufenden Betrieb abzusichern. Es war klar, dass wir ohne Gemeindebeteiligung keine langfristige Stabilität erreichen. Zum Glück gibt es dieses klare Commitment der Gemeinde.
Was habt ihr auf dem Weg gelernt und welche Tipps würdet ihr Menschen mit ähnlichen Visionen geben?
Böck-Magos: Dass man solche Projekte nicht nur mit Ehrenamt stemmen kann. Man braucht hauptamtliche Strukturen, wenn man – wie wir – 46 Stunden pro Woche geöffnet sein will.
Brandauer: Und dass attraktive Öffnungszeiten entscheidend sind. Menschen kommen nur, wenn sie wissen, dass der Ort verlässlich offen ist. Außerdem haben wir gelernt, dass Vertrauen funktioniert: Die Leute gehen sehr respektvoll mit dem Haus um. Viele haben uns gewarnt, das Haus so offen zu gestalten, aber es ist wichtig, dass man die Wurzeln des Projektes nicht vergisst. Der offene niederschwellige Zugang muss auf jeden Fall erhalten bleiben.
Was war für euch der schönste Moment in dieser Entwicklung?
Böck-Magos: Als wir gemerkt haben, dass das Haus wirklich angenommen wird – dass Menschen kommen, sich wohlfühlen und die Räume mit Leben füllen.
Brandauer: Für mich war es die erste Veranstaltung im renovierten Dachraum. Da war spürbar, dass das Haus wieder lebendig geworden ist.
Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Böck-Magos: Wir wollen unser Programm noch breiter aufstellen und weitere Kooperationen eingehen – auch mit anderen Bildungseinrichtungen.
Brandauer: Und wir wollen, dass das DUADO ein offener Ort bleibt, an dem man einfach da sein darf. Ganz im Sinne seines Namens, der übrigens in Rahmen eines Wettbewerbes von einer jungen Werfenwengerin gefunden wurde: Du auch da – Du a do! Denn im Grunde geht es darum: Dass du a do bist, dass ihr a do seids und wir olle a do san.
Das DUADO ist eines der Best-Practice-Projekte, die von der Gemeindeentwicklung im Salzburger Bildungswerk im Rahmen des Programms „Dritte Orte“ begleitet wurden. Ein Dritter Ort ist ein Raum, der weder Wohn- noch Arbeitsort ist und allen Menschen offen und niederschwellig zugänglich bleibt.
Wer – insbesondere im Land Salzburg – einen solchen Ort der Begegnung in der eigenen Gemeinde entwickeln möchte, erhält dabei Begleitung und Unterstützung durch die Gemeindeentwicklung im Salzburger Bildungswerk.
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