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Vital und digital in der Region

21.08.2018, Text: Lisa Wagner, Redaktion: Gerald Gölles, Steirisches Volksbildungswerk/Ring ÖBW / Ring Österreichischer Bildungswerke
Verschiedene Generationen an einen Tisch zu bringen, Weiterbildungsmöglichkeiten wie auch einen Raum zum Lebenslangen Lernen zu schaffen, noch dazu in einer Landgemeinde – das hat sich das Projekt „Vital-Digital“ zum Ziel gesetzt.
  • Foto: CC0 Public Domain, https://pixabay.com
    Im Rahmen des Projekts „Vital-Digital“ können SeniorInnen an Digitalisierungskursen teilnehmen.
Viele Menschen, die nicht mit Handy und Laptop aufgewachsen sind, tun sich schwer im Umgang mit modernen Technologien. Was sich auf den ersten Blick wie eine Chance für die ältere Generation ausnimmt, von zuhause aus in Kontakt mit Familie und Bekannten zu stehen, ist bei genauerem Hinschauen eher eine neue Hürde.

 

Manche scheitern an WhatsApp und E-Mail, andere finden den Einschaltknopf auf ihrem Smartphone schlicht nicht. Von Familienfeiern wissen viele von uns, dass mit der Erklärung, wie sie das 14-jährige Enkelkind abgibt, oft nicht viel anzufangen ist, mag dies an mangelnder Geduld auf beiden Seiten oder schlicht für den Zweck ungeeigneter Kommunikation liegen.

 

Die Bevölkerung am Land ist zusätzlich noch mit anderen Problemen konfrontiert. Älteren wie jüngeren Menschen fehlen sinnvolle Angebote zur Weiterbildung in der Region, aber auch Möglichkeiten, außerhalb von Fest- und Feiertagen zusammenzukommen. Nach wie vor ist jedoch die Bereitschaft zum Ehrenamt groß.

 

Das Projekt „Vital-Digital"

Das Steirische Volksbildungswerk hat in Kooperation mit der LEADER Region Thermenland-Wechselland mit ihren 17 Partnergemeinden ein Projekt entwickelt, um genau an diesen Punkten anzusetzen. Schon im Vorjahr wurde unter der älteren Bevölkerung eine Umfrage durchgeführt, um abzufragen, wer Interesse an einem Digitalisierungskurs an Handy, Tablet oder Laptop hätte. Das Interesse unter den Seniorinnen und Senioren in der Region, sich weiterbilden zu lassen, ist groß.

 

Durchgeführt werden die Kurse von ehrenamtlichen „Kümmerern" aus der Region. Das Volksbildungswerk bietet einen wba-zertifizierten Lehrgang an, um Interessierte optimal auf ihre Rolle als Digitaltrainerinnen und –trainer vorzubereiten. Im Lehrgang wird nicht nur das Vermitteln von digitalen Inhalten geübt, sondern auch Kommunikation und Umgang speziell auf die Bedürfnisse älterer Leute abgestimmt.

 

Nach Absolvierung des Lehrganges müssen die Teilnehmenden Praxisstunden alleine beziehungsweise zu zweit und mithilfe eines professionellen IT-Trainers absolvieren. Nach Ende dieser Praxisphase ist eine Reflexion geplant, um auf die eigenen Lernerfahrung und die gemachten Fortschritte einzugehen. Das Profil der Kümmerer ist bunt gemischt; gemeldet haben sich Teilnehmende, die in der Region gerade eine HTL absolvieren genauso wie freundliche Nachbarn oder eine pensionierte Lehrerin.

 

Gemeinsam lernen

Das Projekt verfolgt den Ansatz der Community Education, bei der die Gemeinden ihre Problemlagen durch ein Vorgehen gemeinsam mit der Einwohnerschaft zu lösen versuchen. Teilhabe an diesem gesellschaftlichen Lösungsprozess wie im konkreten Fall an der Bekämpfung von Abwanderung und Vereinsamung im Alter schafft ein Verantwortungsgefühl und bindet an die eigene Gemeinde. Gleichzeitig mit dieser Bindung an die Gemeinde für alle Beteiligten wird gemeinsam ein Ort des Lernens kreiert, an dem Jung und Alt einander begegnen und von- und miteinander lernen können.

 

Eine enge Kooperation mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Region sichert die langfristige Unterstützung vonseiten der Gemeinde für die Kümmerer.

 

Die Kümmerer befinden sich bereits mitten in der Praxisphase. Im Juni und Juli 2018 haben bereits in zehn verschiedenen Gemeinden Digitalisierungskurse stattgefunden. Mit Ende August starten die Kurse in die zweite Runde. Das bisherige Feedback von Gemeinden, Kümmerern und älteren Menschen war sehr positiv; gelobt wurde dabei neben den digitalen Inhalten vor allem die soziale Komponente des Projekts. Eine Weiterführung des Projektes in anderen Regionen ist bereits geplant.

 

Das Projekt wird im Rahmen des Programms für die Entwicklung des ländlichen Raumes LE14-20 mit Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Steiermark gefördert. LEADER wird auf Landesebene über das Regionalressort des Landes abgewickelt.

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