Sprachlos?! Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen
Vor allem in Gegenwart von Stammtischparolen fällt es vielen Menschen schwer, Gegenstimmen zu erheben und diese in der Öffentlichkeit zu artikulieren. Genau hier setzt das neue Veranstaltungsangebot „Argumentationstraining Asyl und Integration“ an: Das Projekt möchte Menschen informieren, ihren Blick aufs Ganze schärfen und dabei unterstützen, den eigenen Standpunkt zu vertreten. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Erwachsenenbildung in einer Gesellschaft, die von Debatten über Migration und Integration gekennzeichnet ist. Dies gelingt, indem die Argumentationstrainings die Teilnehmenden stärken, ihre menschliche Verantwortung wahrzunehmen, ohne einer naiven Sozialromantik zu verfallen.
Ein kostenloses Rezept gegen die Sprachlosigkeit
Seit Oktober 2015 gibt es in der Steiermark die Argumentationstrainings, die vom Katholischen Bildungswerk organisiert und in Kooperation mit der Caritas durchgeführt werden. 30 Pfarren und lokale Initiativen aus sämtlichen Regionen der Steiermark haben seitdem die kostenlose Buchung der auf Initiative von der Katholischen Aktion Steiermark konzipierten Workshops genutzt. „Durch die Ereignisse im Jahr 2015 war der Bedarf an Information und Stärkung der Menschen bei uns stark spürbar“, so Gaby Bäckenberger, verantwortliche Projektkoordinatorin beim Katholischen Bildungswerk. "Neben der Vermittlung von Daten und Fakten sind für uns die Stärkung von Zivilcourage und kritischem Bewusstsein sowie konstruktiver Konfliktfähigkeit die wesentlichen Ziele dieses Angebots.“
Die Zutaten: Aktuelle Informationen und jede Menge Kommunikations-Übungen
Jeweils ein/e ReferentIn der Caritas und ein Kommunikationstrainer sprechen sich bei der Planung der Argumentationstrainings ab und ermöglichen den TeilnehmerInnen den Austausch über ihre Erfahrungen und an ihrer mündlichen Ausdrucksfähigkeit zu arbeiten. Die inhaltlichen theoretischen Impulse der Caritas-ReferentInnen werden dabei von Kommunikationstrainern „übersetzt“: In Rollenspielen nehmen die Teilnehmenden wechselnd die Rollen von BefürworterInnen, GegnerInnen und BeobachterInnen ein.
In den anschließenden Reflexionsrunden werden Erfahrungen und Eindrücke ausgetauscht. „Die meisten Workshops sind mit einer Dauer von vier Stunden sehr komprimiert“, so Bäckenberger. "Im Zentrum steht dabei die Vermittlung von Grundbegriffen und dass die TeilnehmerInnen ein Gespür dafür bekommen, worum es geht – sich der menschlichen oder auch christlichen Verantwortung zu stellen.“
„Ich nehme mit, dass jede/r Einzelne doch etwas bewegen kann.“
Die Rückmeldungen der TeilnehmerInnen fallen durchwegs positiv aus. Hier wird deutlich, dass sich diese nicht nur Wissen und Rüstzeug mitnehmen, sondern auch die Motivation, sich konstruktiv in die Belange der Migrationsgesellschaft und für das Zusammenleben vor Ort einzusetzen.
Serie: Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft
Integrationskurse und Spracherwerb mögen ein Anfang sein. Doch wenn es um den sozialen Wandel geht, der mit Zuwanderung verbunden ist, sind die Menschen mit Migrationserfahrung nur eine der Zielgruppen von Erwachsenenbildung. Die Anforderungen der Migrationsgesellschaft betreffen uns alle. Fragen nach Teilhabe, Verständigung und Zusammenleben stellen sich immer wieder neu. Wie Erwachsenenbildung diese Anforderungen beschreibt, reflektiert und deutet, und welche Angebote für Lernen und Bildung sie ihnen entgegen bringt, ist Gegenstand einer Serie von Artikeln auf erwachsenenbildung.at. Alle Beiträge in der Serie finden Sie hier.
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