Digitales Können wächst im Tun: ein MOOC für Erwachsenenbildner/innen
Arbeitsplätze und öffentliche Verwaltung verlangen immer höhere digitale Kompetenzen. Für ArbeitnehmerInnen gilt es, die eigenen Fertigkeiten auf dem aktuellen Stand zu halten. Eine interessante Frage für die Einzelnen taucht hier auf: Was gilt als grundlegend? Was muss man denn nun wirklich können?
Die Antwort hat eine kurze Halbwertszeit: mit der zunehmenden technologischen Entwicklung wächst unser digitaler Lernbedarf ständig neu.
Dennoch gibt es immer wieder Ansätze, den notwendigen Stand zu definieren. So wurden 2013 im Projekt lit.voc berufsrelevante digitale Basiskompetenzen benannt. 2015 erschien ein Zusatz zum Europass, der eine Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen erlaubt und eine Art europäischen Standard darstellt. Ein vorläufiges "Soll" ist also definiert. Vergleichen wir die Ergebnisse der PIAAC-Erhebung von 2012 mit diesen Idealbildern, stellt sich Ernüchterung ein. Vielen fehlen die Fertigkeiten, die es braucht, um Probleme unter Einsatz von digitalen Techniken zu lösen.
Mit den Unterrichtenden fängt alles an
Soll sich an der durchschnittlichen digitalen Kompetenz etwas zum Positiven ändern, kann man nicht nur auf "digital natives" warten, die dem Begriff zum Trotz auch nicht mit diesen Skills zur Welt kommen. Es geht jetzt vielmehr um aktiven Kompetenzerwerb. Dafür braucht es gut ausgebildete Unterrichtende.
ErwachsenenbildnerInnen benötigen die digitalen Tools nicht nur für ihre Arbeit, sie haben auch eine Art Vorbildfunktion. Manche von ihnen vermitteln digitale Kompetenzen auch ganz explizit. Das gilt nicht mehr nur für "EDV-TrainerInnen", sondern beispielsweise auch für KursleiterInnen in der Basisbildung. Sie alle haben einen ständigen digitalen Lernbedarf und sollten den durchschnittlichen UserInnen immer ein paar Schritte voraus sein.
Welche digitalen Kompetenzen brauchen ErwachsenenbildnerInnen?
Die Europäische Kommission beauftragte 2010 eine Erhebung zur Arbeitspraxis und den nötigen Kompetenzen in der Erwachsenenbildung. Research voor Beleid führte diese Studie durch und stellte fest, dass "ICT-support activities" zu den Kernaufgaben von ErwachsenenbildnerInnen zählen. ErwachsenenbildnerInnen müssen demnach technologiegestützte Lernangebote machen und dafür alle Beteiligten einbeziehen können. Außerdem sollten sie digitale Tools für Evaluationen, Diskussionen, Konferenzen, Beratungen und zu Marketingzwecken einsetzen können.
Die in der Studie angeführten Medien sind nicht mehr ganz zeitgemäß, aber das Wesentliche ist damit umrissen: ErwachsenenbildnerInnen brauchen die existierenden digitalen Möglichkeiten für ALLE ihre beruflichen Tätigkeiten.
Das Spektrum dieser Tätigkeiten ist sehr breit: Research voor Beleid beschrieb es 2010 als Mischung von Unterricht, Management, Beratung, Programmplanung und diversen Unterstützungstätigkeiten. Ein ähnlich breites Konzept wird von der österreichischen Kompetenzanerkennungsstelle wba (Weiterbildungsakademie) vertreten: Erwachsenenbildung umfasst hier die Schwerpunkttätigkeiten Lehre bzw. Training, Beratung, Bildungsmanagement und Bibliothekswesen.
MOOCs und ihre spezielle Eignung für ErwachsenenbildnerInnen
KursleiterInnen in Österreich arbeiten oft unter Bedingungen, die große Flexibilität von ihnen fordern. Sie können dann schwer an Weiterbildungen teilnehmen, die an eine bestimmte Zeit gebunden sind oder an einem weit entfernten Ort stattfinden. Besonders den Freiberuflichen unter ihnen kommt es entgegen, wenn sie lernen können, wann und wo sie möchten. Das ist bei einem MOOC (massive open online course) der Fall.
Es liegt daher nahe, Weiterbildungen für ErwachsenenbildnerInnen als offene Onlinekurse zu konzipieren. Derzeit bereitet ein Team von CONEDU, TU Graz und WerdeDigital.at einen solchen kostenlosen Onlinekurs unter der Schirmherrschaft von https://erwachsenenbildung.at vor.
Der EBmooc: Digitale Werkzeuge für die Erwachsenenbildung
Der MOOC für ErwachsenenbildnerInnen wird im März 2017 starten. ErwachsenenbildnerInnen lernen hier digitale Werkzeuge kennen und erproben sie gleich im Tun.
Vermittelt werden alltagstaugliche und userInnenfreundliche Tools für alle Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung - von Training über Beratung bis Management. Sie sollen die tägliche Arbeit bunter, wirksamer aber vor allem auch leichter machen.
Daher werden nicht immer die neuesten Technologien vorgestellt, sondern die praktischsten und nützlichsten. Das können soziale Medien sein oder diverse Apps, offene Ressourcen und Medien zur Online-Kommunikation.
Offen für Austausch und Kooperation
Der EBmooc ist eine offene Einladung an Viele. Die Teilnahme ist grundsätzlich kostenlos. Alle TeilnehmerInnen können sich in Foren austauschen, in Webinaren treffen oder Begleitgruppen besuchen. Bildungsanbieter und Personalverantwortliche können den EBmooc gratis in eigene Angebote einbauen oder ihn ergänzen oder begleiten. Dank einer öffentlichen Förderung durch das österreichische Bildungsministerium ist auch das kostenlos. Der EBmooc startet am 6. März 2017 auf imoox.at - Voranmeldungen sind ab Mai 2016 möglich.
- Voranmeldung zum EBmooc
- Europass-Raster zur digitalen Kompetenz (pdf)
- Mehr über den EBmooc
- Projekt lit.voc
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