Leitlinien für die Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft
Werdegang
Der Anstoß für die Erarbeitung der Leitlinien entstand im Rahmen des Projekts mig2eb (Angehörige der 2. Generation von Migrant_innen als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung)* im April 2014. In einem kollektiven Schreib- und partizipativen Denkprozess wurde bis März 2015 weiter an den Leitlinien gearbeitet. Nach dem Ende des Projekts mig2eb übernahm das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb), als vormals strategischer Projektpartner, die weitere organisatorische und inhaltliche Planung.
Ausgangspunkt
Die Erwachsenenbildung steht als wichtiger Teil der österreichischen Bildungslandschaft vor erheblichen – gesellschaftlich bedingten – Herausforderungen und ist mit Veränderungen konfrontiert. Neben zunehmender Ökonomisierung und Verwertbarkeitsansprüche von Bildung zählen dazu steigende soziale Spannungen und wachsende Armut, knappe öffentliche Mittel sowie eine sich stetig verändernde Demographie, unter anderem durch Migration. Dadurch werden Tendenzen des Ausschlusses einer größer werdenden Zahl von Personen, die an Bildungsprozessen und am gesellschaftlichen Leben nicht (und nicht mehr) teilhaben können, sichtbar.
Die Leitlinien richten ihr Augenmerk speziell auf Teilhabechancen von in Österreich lebenden MigrantInnen und Menschen mit Migrationsbiografie. Insbesondere werden die Auswirkungen der oben genannten Bedingungen auf sozioökonomisch benachteiligte und diskriminierte Menschen mit Migrationsbiographie ins Blickfeld gerückt.
Zielsetzung
Die Leitlinien stellen eine Selbstverpflichtung dar, bieten Orientierung und schaffen einen Rahmen. Durch Austausch, Reflexion und Weitergabe von Know-how entstehen gemeinsame Standards.
Das Papier soll als Anstoß dienen, die Diskussion über migrationsrelevante Themen in der Erwachsenenbildung voranzutreiben und sich mit der Realität der Migrationsgesellschaft aktiv auseinanderzusetzen. Das beinhaltet, Stellung zum Thema Migration zu beziehen und sich mit institutionellen Rassismen und struktureller Diskriminierung zu beschäftigen. Damit verbunden ist das Bemühen, Formen des Ausschlusses und der Diskriminierung aufzuspüren und zu beseitigen. Neben den Möglichkeiten und der Verantwortung jeder einzelnen Person auf MitarbeiterInnenebene gilt dies insbesondere für Führungskräfte und EntscheidungsträgerInnen in den Erwachsenenbildungseinrichtungen.
Maßnahmen
Maßnahmen werden in folgenden Bereichen vorgeschlagen: Selbstverständnis/Leitbild, Personal, Angebote, Kommunikation innerhalb der Organisationen und nach außen, sowie auf der strukturell-organisationalen Ebene.
Prozesse der Umgestaltung sind sowohl auf der Meso- (organisational) als auch auf der Mikroebene (Bildungsangebote) ins Blickfeld zu nehmen. Entsprechende Analyse- und Monitoringinstrumente sowie externe Beratungs- und Begleitstrukturen können – so das Papier – dabei unterstützen, den fachlichen Austausch und die organisationalen Kooperationen inner- und außerhalb der Erwachsenenbildung hinsichtlich Inklusion gezielt zu fördern.
Interessierte sind dazu eingeladen, die Leitlinien zu verbreiten und deren Umsetzung zu unterstützen.
*mig2eb wurde aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Frauen gefördert.
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