Frieden am Prüfstand

24.09.2026, Text: ÖGPB, Redaktion: Heidi Buchecker, ÖGPB
Unter dem Titel „Frieden schaffen“ nimmt die ÖGPB unterschiedliche Perspektiven auf Frieden und Friedensarbeit in den Blick. Vier Vorträge dazu, was Solidarität, Sicherheit, Frauen und Neutralität beitragen können.
Graffiti einer Taube mit Waffe
Aspekte von Krieg und Frieden
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Die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) veranstaltet auch diesen Herbst eine Vortragsreihe zur politischen Erwachsenenbildung in Wien. Bei freiem Eintritt können Interessierte die Vorträge von Wissenschafter:innen und Expert:innen besuchen und gemeinsam über Perspektiven einer friedvollen Zukunft diskutieren.

Rechtfertigung von kriegerischen Mitteln

Unter „Grammatik des Krieges“ fasst die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz jene Entwicklungen zusammen, die sich seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vor unser aller Augen abspielen. Krieg auf europäischem Boden ist nicht mehr bloß Vergangenheit oder Möglichkeit, sondern gegenwärtig die Realität. Dabei prägen nicht nur der Einsatz militärischer Mittel, sondern auch Prozesse ihrer Normalisierung und Rechtfertigung die gesellschaftliche und politische Debatte. Die Friedensforscherin Claudia Brunner beschreibt ebensolche Prozesse als „diskursive, kognitive und affektive Militarisierung“. Wie kann nun der „Grammatik des Krieges“ ein Vokabular des Friedens entgegengesetzt werden?

Anknüpfend an den Schwerpunkt der ÖGPB-Projektförderung 2026 widmet sich unsere diesjährige Vortragsreihe dem Thema „Frieden schaffen“. In Kooperation mit dem Depot und der FAKTory finden im Herbst 2026 vier Vorträge statt.

Wer Frieden sagt, muss auch Sicherheit sagen?

Einen historischen Blick wirft Zeithistoriker Oliver Rathkolb auf Österreichs Neutralitätsstatus. Unter dem Eindruck des mehrfach von unterschiedlicher Seite geäußerten Wunsches nach einem NATO-Beitritt gelte es nach Österreichs Rolle in der Vergangenheit, so im Kalten Krieg zu fragen. Ob hier Anspruch und Wirklichkeit deckungsgleich blieben, wird am 20. Oktober im Depot in Wien erörtert.

Solidarität als Bindeglied der Gesellschaft ist Thema des Vortrags am 3. November im Depot. Barbara Prainsack forscht seit vielen Jahren zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Doch wo kann Solidarität konkret ansetzen? Die Politologin führt solidarische Praktiken und Institutionen ins Treffen, die zu einem friedlichen Miteinander beitragen können. Wie sie in ihrem kürzlich erschienenen Band „States of Solidarity: How to Build a Society“ ausführt, spielen hier Herausforderungen wie der Klimawandel, der Verlust demokratischer Kontrolle und das Aufkommen von KI eine zentrale Rolle.

Barbara Sieberth, Geschäftsführerin des Friedensbüros Salzburg, stellt am 17. November in der Wiener FAKTory beim dritten Vortrag der Reihe die Henne-Ei-Frage: Frieden durch Sicherheit oder Sicherheit durch Frieden? Der Wunsch nach einer friedlichen internationalen Gemeinschaft werde vorschnell mit einem Ruf nach Aufrüstung gekoppelt. Das friedensfördernde Potential politischer Erwachsenenbildung und das der Friedenslogik zugrunde liegende Prinzip können hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

Patriarchale Machtstrukturen und Krieg sind korrelierende Elemente – an diesem Punkt setzt feministische Friedensarbeit an. Rosa Logar, Vorsitzende der Women’s International League for Peace and Freedom, erörtert in ihrem Vortrag am 1. Dezember im Depot Wien, welche Errungenschaften Frauen-Friedensorganisationen in der Vergangenheit erreichen konnten und mit welchen Herausforderungen sie in der Gegenwart konfrontiert sind.

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